Bei den Dax-Unternehmen sind die Pensionen trotz Inflation stabil

Die Dax-Unternehmen und ihre Pensionsverpflichtungen. Bildquelle: Leonhard Niederwimmer auf Pixabay.

Für die DAX-Unternehmen haben sich die Rahmenbedingungen ihrer Pensionsverpflichtungen im Geschäftsjahr 2021 positiv entwickelt. Das zeigt die aktuelle DAX-Studie des Dienstleistungsunternehmen Aon plc (zum Stichtag 31.12.2021). Darin werden alljährlich bAV-relevante Bilanzkennzahlen analysiert und die Anlage- und Risikostrategien der im DAX gelisteten Unternehmen dargestellt. Ein Problem ist die Inflation.

Trotz der Erweiterung des DAX von 30 auf 40 Unternehmen ist die absolute Höhe der Pensionsverpflichtungen „nahezu auf dem gleichen Stand wie im Vorjahr geblieben“: von ca. 408 Mrd. Euro in 2020 (dreißig Unternehmen) auf 418 Mrd. Euro in 2021 (vierzig Unternehmen). Das liegt zum einen an einer deutlichen Steigerung des Rechnungszinses, zum anderen daran, dass die Pensionsverpflichtungen der meisten Neuzugänge im DAX vergleichsweise gering sind.

Grafik zu den Pensionsverpflichtungen der DAX-Unternehmen. Quelle: AON

 Mit Ausnahme von Airbus, Siemens Energy (mittlerweile nicht mehr im DAX) und Siemens Healthineers blieben die Pensionsverpflichtungen bei den Neueinsteigern unter 1 Mrd. Euro. Bezogen auf die inländischen Pläne stieg der Rechnungszins von durchschnittlich 0,77 % (2020) auf 1,18 % (2021). Teilweise gingen dadurch die Verpflichtungen um bis zu 10 % zurück. Die Unternehmen profitierten 2021 außerdem von einer positiven Stimmung auf den Kapitalmärkten und konnten hohe Renditen erzielen. Dadurch und durch weitere Dotierungen ist das durchschnittliche Deckungsvermögen deutlich gestiegen: der Ausfinanzierungsgrad erreicht mit 72% einen Höchststand, sodass sich die Last der Pensionsrückstellungen in den Bilanzen der DAX-Unternehmen erkennbar reduzierte.

Blick in die Gegenwart und Zukunft

Die aktuelle Zins- und Inflationsentwicklung wird erhebliche Konsequenzen für die Rückstellungen der Unternehmen haben. Seit Jahresbeginn sind die Zinsen „deutlich gestiegen“, sie liegen derzeit bei 3 % bis 3,5 %. In aktuellen Quartalsberichten zeigt sich bereits, dass sich durch den Anstieg die Pensionsverpflichtungen in einer Größenordnung von 20 % bis 30 % gegenüber dem letzten Jahresabschluss reduzieren.  Andererseits zeigt die Auswertung entsprechender Risikoanalysen der DAX-Unternehmen innerhalb der Geschäftsberichte, dass der Anstieg der langfristigen Inflationsannahme um 50 Basispunkte die Pensionsverpflichtungen um ca. 4 % erhöhen würde. Der Effekt ist also geringer als bei vergleichbaren Sprüngen beim Rechnungszins. Dennoch sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Unternehmen teils erheblich und reichen von 1 % bis 7%.

„Während der Rechnungszins nach internationalen Rechnungslegungsstandards eine Momentaufnahme zum Bewertungsstichtag darstellt, sind die weiteren Bewertungsparameter langfristige Annahmen für die nächsten Jahre bis Jahrzehnte. Das heißt, dass die aktuelle Inflationsrate von circa 7 Prozent durchaus eine gewisse Rolle bei der Festlegung der nächsten Bewertungsannahmen spielen wird“, erläutert Christoph Tellmann, Senior Consultant bei Aon. Mittel- und langfristig werde man sich jedoch weiterhin an den Prognosen und Zielen der Europäischen Zentralbank orientieren, sodass die inflationsabhängigen Bewertungsannahmen voraussichtlich bei der kommenden Jahresabschlussbewertung moderat im Bereich von 50 Basispunkten steigen werden.

Blick auf den Kapitalmarkt

Der „drastische Zinsanstieg“, der bei der Bewertung der Pensionsverpflichtungen zu geringeren Verpflichtungsumfängen führt, zeigt bei der Entwicklung der Kapitalanlagen seine umgekehrte, negative Wirkung.

Im ersten Halbjahr wurden die Kapitalmärkte von vielen Faktoren, aber insbesondere von den gestiegenen Zinsen, negativ beeinflusst. Ein solcher Zinsanstieg wurde sowohl in seinem Ausmaß als auch in seiner Geschwindigkeit mindestens seit Einführung des Euro, aber auch Jahre darüber hinaus, noch nicht beobachtet. Das Zusammenspiel der geopolitischen Gemengelage und der sich verschlechternden wirtschaftlichen Aussichten verursachte gleichzeitige Kursrückgänge bei nahezu allen gängigen liquiden Anlageklassen (Aktien, Staatsanleihen, Pfandbriefe, Unternehmensanleihen). So haben die großen europäischen Aktienindizes im ersten Halbjahr zwischen –12 % und –18 % an Wert verloren. Die Verluste von eigentlich als schwankungsärmer und weniger risikobelasteten Investments, wie beispielsweise Staatsanleihen aus der Eurozone, beliefen sich im gleichen Zeitraum auch auf ca. –12 % (gemessen an gängigen Indizes). Somit sind die gewohnten Diversifikationseffekte zwischen Aktien- und Anleiheinvestments, die sonst eine risikoreduzierende Wirkung im Portfoliokontext entfalten, in der aktuellen Phasen „weitestgehend ausgeblieben“. Mit dem andauernden Krieg in der Ukraine, den Unsicherheiten bezüglich der Energieversorgung großer Teile Europas und den weiter hohen Inflationsraten scheint derzeit kein Licht am Ende des Tunnels. Das stellt Anleger am Kapitalmarkt vor große Herausforderungen. Mögliche Langfristfolgen der Klimakrise als weitere potenzielle Treiber von Inflation und wirtschaftlichen Risiken sind dabei derzeit noch gar nicht konkret absehbar.

Autor: VW-Redaktion

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