Mängel bei Datenaustausch und Antrag: Vermittler stellen Versicherer an den digitalen Pranger

Die Versicherer haben bei der Digitalisierung erheblichen Nachholbedarf, sagen die Vermittler. Bild von Andrew Martin auf Pixabay.

Die Versicherer präsentieren sich häufig als Digitalisierungskönige. Doch offenbar weichen Selbst- und Fremdbild voneinander ab, denn mehr als 70 Prozent der Vermittler wünschen sich bessere Unterstützung durch digitalisierte Prozesse ihrer Produktgeber.

Meistgenannte Probleme sind Medienbrüche im Antragsprozess, der digitale Datenaustausch mit Versicherern bzw. zwischen Versicherer und Vermittler sowie Hürden beim Zugang zu Portalen, zeigt die Digitization Study der Managementberatung EY Innovalue, künftig EY-Parthenon. „Weniger administrative Tätigkeiten und mehr vertrieblicher Support sind die klaren und nachvollziehbaren Erwartungen der Vermittler an die Digitalisierungsinitiativen der Produktgeber“, sagt Tobias Schulz, Director bei EY Innovalue. Allerdings sei es mit der reinen Bereitstellung von Lösungen nicht getan. Die Versicherer müssen die Vermittler intensiver bei deren Einsatz begleiten. Dies gilt insbesondere für das „digital unterstützte Beratungsgespräch“.

Vermittler von ihrer Digitalität überzeugt

Fast ein Drittel der befragten Vermittler sieht sich als Vorreiter in der Nutzung digitaler Lösungen ihrer Produktgeber. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg um 15 Prozent-Punkte. Grund für diese Steigerung ist die veränderte Einstellung gegenüber neuen digitalen Medien im Zuge der COVID-19-Pandemie. Mehr als 60 Prozent der Vermittler gaben an, dass sie eher bereit sind, die digitalen Angebote zu nutzen als dies vor der Pandemie der Fall war.

Durch Lockdowns und Kontaktbeschränkungen konnten klassische Beratungstermine nur eingeschränkt stattfinden. Deshalb haben 62 Prozent der befragten Vermittler neue digitale Beratungsformen eingeführt. Vor allem Videoberatung (47 Prozent), Live-Chats (22 Prozent) und Co-Browsing via Telefon (13 Prozent) waren hier die beliebtesten Optionen. Insgesamt geben 81 Prozent der Vermittler an, zufrieden mit ihrem digitalen Angebot zu sein.

Rund 15 Prozent der Beratungsgespräche finden über Onlinekanäle statt. Die Kunden schätzen die Online-Beratung insgesamt signifikant positiver ein als die Vermittler. Die Vermittler sind dahingehend deutlich zurückhaltender. Über die Hälfte schätzt die Beratung als schlechter ein, 41 Prozent als gleichwertig und nur 3 Prozent halten den Prozess für eine bessere Alternative. 

Online oder in Person, die Meinungen gehen auseinander. Quelle: EY Digitization Study; 2021.

Veränderungen bleiben

Insgesamt gehen 76 Prozent der Vermittler davon aus, dass die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie dauerhaft sein werden. Dabei rechnet nur ein Drittel mit positiven Folgen, 42 Prozent gehen von negativen Auswirkungen aus. „Durch die Pandemie hat sich das Tempo der Veränderungen in den Vertriebsprozessen deutlich erhöht“, sagt Schulz. „Besonders wichtig“ wird es sein, die stärkere Verbindung von digitalen Lösungen und persönlicher Beratung so auszugestalten, dass sie für die Vermittler „eine echte Lösung darstellt“.

Zur Studie: Über die EY Innovalue Digitization Study 2020 die Managementberater von EY Innovalue haben für die Datenerhebung der siebten Digitization Study über 70 Vermittler und 3.000 Endkunden befragt. Schwerpunkte der Studie sind Customer-Journey-Erfahrungen bei zuletzt getätigten Versicherungsabschlüssen, Erfahrung rund um COVID-19 sowie die Einstellung zu Insurtechs und digitalem Unterstützungsbedarf.

Autor: VW-Redaktion

Die Versicherer haben bei der Digitalisierung erheblichen Nachholbedarf, sagen die Vermittler. Bild von Andrew Martin auf Pixabay.

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