Axa-Manager sieht ideales Umfeld für Aktien

Quelle: Deutsche Börse AG

Der deutsche Aktienindex legt derzeit einen neuen Höhenflug hin. Warum Anleger derzeit gute Voraussetzungen für entsprechende Investitionen vorfinden, erläutert Achim Stranz, Chief Investment Officer (CIO) bei Axa Investment Managers Deutschland, im Gespräch mit VWheute.

VWheute: Die Konjunktur hat sich zuletzt aufgehellt. Wie bewerten Sie die weiteren Aussichten?

Achim Stranz: Die wirtschaftliche Erholung, die wir in Asien, den USA und auch in Europa zuletzt gesehen haben, ist natürlich auch zu einem guten Teil von Basiseffekten getrieben. Hintergrund ist, dass im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres, insbesondere im April und Mai, das wirtschaftliche Leben quasi zum Erliegen kam. Solche Basiseffekte erschweren Prognosen. Hinzu kommt die hohe Unsicherheit über das weitere Pandemiegeschehen. Die immer stärker um sich greifende Delta-Variante des Coronavirus könnte im Herbst und Winter eine vierte Infektionswelle auslösen. Das gilt insbesondere für Asien, wo die Delta-Variante auf eine Bevölkerung trifft, deren Impfanteil sich im Unterschied zu Europa und den USA vergleichsweise bescheiden ausnimmt.

Das erhöht das Risiko, dass globale Lieferketten erneut durchbrochen werden, was naturgemäß negative Folgen für die europäische und deutsche Wirtschaft hätte. Solche nicht kalkulierbaren Ereignisse, gemeinhin auch als “Schwarze Schwäne” bezeichnet, können Prognosen sehr schnell über den Haufen werfen. Dennoch gehen wir in unserem Basisszenario von einer Erholung der Wirtschaft aus. Wir erwarten zwar eine vierte Welle, rechnen aber nicht damit, dass es erneut zu harten Lockdowns oder einer signifikanten Unterbrechung der globalen Lieferketten kommen wird. Auf Grundlage dieser Annahmen prognostizieren wir für dieses Jahr ein Wachstum der Weltwirtschaft zwischen 4,5 und 5,0 Prozent. Wie gesagt, das ist unser Basisszenario.

VWheute: Und was sind die Treiber des Aufschwungs?

Achim Stranz: Da ist zum einen der unternehmerische Investitionsstau, der sich während der Pandemie gebildet hat und der sich nun nach und nach auflösen dürfte. Hinzu kommen die geringen Lagerbestände. Ein dritter Punkt ist der Nachholbedarf beim privaten Konsum, der durch höhere verfügbare Einkommen noch an Wucht gewinnen dürfte.

VWheute: Derzeit geht an den Kapitalmärkten wieder das Gespenst der Inflation um? Sind die Sorgen berechtigt?

Achim Stranz: Tatsächlich wird das Gespenst eines neuen Inflationszyklus derzeit allerorts an die Wand gemalt. Aber: Eine Lohn-Preis-Spirale, wie sie in Zeiten anhaltend hoher Inflationsraten häufig vorkommt, sehen wir derzeit nicht. Im Gegenteil: Nach langer Zeit von Reallohnsenkungen sind momentan wieder leichte Reallohnsteigerungen zu beobachten. Es mag zwar auf absehbare Zeit zu einer etwas höheren Inflation kommen, vor allem in den USA. Einen Weltuntergang stellt das aber nicht dar. Auch den durch die höhere Inflation ausgelösten Anstieg der US-Bondrenditen am langen Ende der Zinskurve halten wir für verkraftbar. Zwar ist die Zinsstrukturkurve dadurch etwas steiler geworden. Aber ein Spread von 1,5 Prozentpunkten zwischen den zwei- und zehnjährigen US-Staatsanleihen ist aus unserer Sicht kein Anzeichen einer Überhitzung. Kurzfristig rechnen wir daher auch nicht mit Leitzinserhöhungen durch die Zentralbanken.

VWheute: Was Aktien betrifft, herrscht nach der Rallye die Sorge, dass die Kurse überhitzt sein könnten. Teilen Sie diese Ängste?

Achim Stranz: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis zwischen 20 und 25 – je nachdem zugrunde liegenden Index – sind Aktien zwar teurer als in Vergangenheit. Nimmt man die Realzinsen jedoch als Vergleichsmaßstab, sind die Bewertungen noch nicht abgehoben. Außerdem sind die Kurse durch die stark steigenden Unternehmensgewinne in gewisser Weise gedeckt. So gehen wir bei Axa IM in diesem Jahr im Schnitt von einer Steigerung der globalen Unternehmensgewinne um 25 Prozent aus. Vor diesem Hintergrund wäre es für uns überhaupt keine Überraschung, sollten die Aktienmärkte weiterhin nach oben tendieren.

VWheute: Trotzdem werden die Rufe der Crashpropheten immer lauter.

Achim Stranz: In meinen 35 Jahren, die ich im Finanzgeschäft bin, hatte ich immer wieder mit Leuten zu tun, die irgendwelche Crashs prophezeit haben. Und wenn es dann tatsächlich dazu kam, triumphierten sie: “Ich habe es doch gewusst!” Aber wie wir alle wissen, zeigt auch eine kaputte Uhr zwei Mal am Tag die richtige Uhrzeit an. Ich wiederhole mich daher gerne: In unserem Basisszenario erwarten wir eine Erholung der Wirtschaft, eine deutliche Steigerung der Unternehmensgewinne und keine Überhitzung der Zinsstrukturkurve. All das ist im Grunde ein ideales Umfeld für Aktien.

VWheute: Was würden Sie Anlegern generell empfehlen und wie sollten sie sich in diesem Jahr positionieren?

Achim Stranz: Anleger sollten immer wieder die eigene Risikotragfähigkeit analysieren und darauf basierend ihren Anlagehorizont definieren. Bei langen Anlagehorizonten von mehr als zehn Jahren ist man aus meiner Sicht gut beraten – auch weil die Nominalzinsen niedrig und die Realzinsen sogar negativ sind – aktuell nicht in Fremdkapital, also in Bonds, zu investieren. Stattdessen sollte der Fokus auf Realkapital liegen. Dazu zählen für mich in erster Linie Aktien. Immobilien natürlich auch, aber hier sind Investments komplexer, da von Objekt zu Objekt unterschieden werden muss. Etwa, was die Lage oder den Zustand der Immobilie betrifft.

VWheute: Was halten Sie eigentlich von Kryptowährungen?

Achim Stranz: Die den Kryptowährungen zugrunde liegende Blockchain-Technologie erachte ich als hochinteressant. Sie hat das Potenzial, die Kapitalmärkte zu revolutionieren, indem sie Prozesse, wie zum Beispiel die Emission von Anleihen, deutlich effizienter macht. Von Kryptowährungen wie den Bitcoin halte ich dagegen wenig. Sie sind reine Spekulation ohne realen Wert dahinter. Da stellt sich für mich schon die Sinnfrage. Zudem verschlingt das sogenannte Mining von Kryptowährungen Unmengen an Energie, die zudem oftmals „schmutzig“ gewonnen wird. Und selbst, wenn es einmal einen „grünen“ Bitcoin geben sollte, stellt sich die Frage, ob die Erneuerbare Energie, aus der er gewonnen wurde, nicht anderswo besser eingesetzt wäre.

VWheute: Abschließend noch eine Bitte. Könnten Sie für uns folgenden Satz vervollständigen: “2021 wird ein gutes Jahr für Vermögensbildung, weil …”

Achim Stranz: … weil Vermögensbildung einen langfristigen Charakter hat und auf lange Sicht weniger das aktuelle Umfeld, als vielmehr eine vernünftige Anlagestrategie die gewünschten Returns bringt. Abgesehen davon erachten wir – wie ich bereits geschildert habe – das Kapitalmarktumfeld für Aktienanlagen in diesem Jahr durchaus für aussichtsreich.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz

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