Union-Investment-Manager Stobbe im Interview: „Effekte auf die Performance der Immobilienfonds lassen sich nicht vermeiden“

Jörn Stobbe. Quelle: Union Investment

Immobilien gehören derzeit zu den beliebtesten Anlagemöglichkeiten für Versicherer – dann kam das Virus. Im Exklusiv-Interview mit dem E-Magazin Der Vermittler spricht Jörn Stobbe, Vorsitzender der Geschäftsführung Union Investment Real Estate, über offene Immobilienfonds und die Coronazeit.

VWheute: Offene Immobilienfonds sind eigentlich eine krisensichere Anlage. Mit dem Shutdown in der Coronakrise sind jedoch viele Mieteinnahmen weggebrochen. Wie hart trifft das die Branche der Immobilienfonds?

Jörn Stobbe: In einem weltweiten Krisenszenario lassen sich Effekte auf die Performance der Immobilienfonds nicht vermeiden. Dennoch sind offene Immobilienfonds nach wie vor ein solides Investment für langfristig orientierte Anleger. Die aktuelle Krise hat ihren Ursprung in der Realwirtschaft und betrifft sowohl die Angebots- als auch die Nachfrageseite. Derzeit sind die humanitären und wirtschaftlichen Effekte und Folgen noch nicht vollständig abschätzbar.

Gerade die Immobilienmärkte reagieren erfahrungsgemäß erst mit zeitlicher Verzögerung. Folglich ist es für eine verlässliche Prognose zur Entwicklung der Investment- und Mietmärkte noch immer zu früh. Gleichwohl gibt es schon jetzt Entwicklungen auf den Märkten, die sich abzeichnen und im Blick behalten werden müssen. Die konjunkturellen und gesellschaftlichen Wirkungszusammenhänge ergeben sich aus erhöhter Unsicherheit, Kaufzurückhaltung, Besucherrückgängen, unterbrochenen Lieferketten oder auch Insolvenzen.

VWheute: Mit welcher Rendite kann man 2020 rechnen?

Jörn Stobbe: Alle unsere Bemühungen und Anstrengungen sind darauf gerichtet, die Auswirkungen der Corona-Krise bestmöglich abzufedern. Es können heute jedoch keine finalen Aussagen darüber getroffen werden, wie sich die vielen verschiedenen Faktoren in ihrem ungewissen Zusammenspiel auf die Fondsperformance auswirken werden. Die Offenen Immobilienfonds von Union Investment sind insgesamt sehr gut aufgestellt und verfügen über ein robustes Portfolio. Die Vermietungsquote liegt aktuell bei 97 Prozent. Zudem wurde in den vergangenen Jahren sehr viel in die Modernisierung unserer Objekte investiert.

Zudem weisen die Immobilienwerte im Durchschnitt im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten ein eher konservatives Bewertungsniveau auf. Unsere Immobilienexperten sind zuversichtlich, dass mögliche Marktkorrekturen sich nur in bedingtem Umfang in unseren Immobilienfonds niederschlagen werden. Maßgeblich für die wirtschaftliche Stabilisierung ist die Rückkehr zur Normalität unter Vermeidung weiterer Lockdowns sowie die konjunkturelle Erholung.

VWheute: Welche Auswirkungen hat die Krise bei den Preisen der Gewerbeimmobilien und den Wohnimmobilienmarkt? Gibt es einen Rückgang bei den zuletzt überhöhten Mietpreisen?

Jörn Stobbe: Die Nachfrage nach Büroflächen hängt – und das gilt nicht nur in diesen herausfordernden Zeiten – in entscheidendem Maße von den Konjunkturerwartungen der Nutzer ab. Die zu erwartende Rezession wird demnach auch in diesem Segment zumindest zeitverzögert zu Miet- bzw. Mieterausfällen führen. Dadurch könnten sich Mieten und Immobilienwerte neu kalibrieren. Die Flächennachfrage wird generell etwas schwächer ausfallen, da Anmietentscheidungen wegen der Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung vertagt werden und mögliche bereits geplante Expansionen ausgesetzt werden.

Dieser Entwicklung stehen allerdings aktuell niedrige Leerstandsquoten und eine überschaubare Neubautätigkeit positiv gegenüber. Büroobjekte in guten bis sehr guten Lagen dürften auch in der aktuellen weltwirtschaftlichen Krisenphase auf der Nachfrageseite eine sehr stabile Entwicklung zeigen und robust durch die Krise kommen. Die Wohnungsmieten haben in der Vergangenheit auch in Zeiten erhöhter wirtschaftlicher Unsicherheit in der Regel nicht signifikant nachgegeben, sodass davon ausgegangen werden kann, dass sich Wohnimmobilien selbst in einer länger andauernden Rezession als relativ krisensicher erweisen werden.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur David Gorr.

Das vollständige Interview lesen Sie in der aktuellen Juli-Ausgabe des E-Magazins Der Vermittler.

Quelle: VVW GmbH

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