Versicherer sparen Millionen durch Steuersenkung

Quelle: Bild von Markus Winkler auf Pixabay

Die Versicherer sparen Millionen von Euro durch die für das zweite Halbjahr geplante Senkung der Umsatzsteuer. Sie sinkt ab dem 1. Juli von 19 auf 16 Prozent. Dadurch müssen die Assekuranzen weniger für Schäden zahlen. Vermittler profitieren weniger von der Absenkung. Für die Versicherungskunden fallen Vorteile sogar ganz flach, denn die Versicherungssteuer wird nicht gesenkt.

Dreistelliger Millionenbetrag erspart

Einen dreistelligen Millionenbetrag dürften die deutschen Schadenversicherer einsparen, wenn Reparaturbetriebe die Senkung der Umsatzsteuer an die Versicherer weitergeben. Nach einer Hochrechnung der R+V Versicherungen können rund 0,5 Prozent des Gesamtschadenaufwandes eingespart werden. Für 2019 schätzt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), dass die Versicherer 53 Mrd. Euro an Leistungen erbracht haben. Rein rechnerisch würden die Assekuranzen somit 265 Mio. Euro durch die Steuersenkung sparen.

Ersparnis unsicher

Die Schätzung ist mit vielen Unsicherheiten verbunden. So ist schon das Schadenvolumen für das zweite Halbjahr 2020 unbekannt. Skeptisch ist beispielsweise der Branchenverband. So teilt der GDV mit, dass man abwarten müsse, ob es überhaupt positive Effekte in der Schadenregulierung gebe. Auch der größte Autoversicherer, die HUK-Coburg Gruppe und der Ergo-Konzern, einer der größten Schadenversicherer, wollen keine Prognose für die Entlastung abgeben. Demgegenüber beziffert die R+V Gruppe die eigene Ersparnis mit rund zehn Mio. Euro. Spürbar sei die Entlastung vor allen in der Auto-, Sach- und Haftpflichtversicherung.

Ersparnis an Kunden weitergeben

Auch die R+V ist skeptisch, ob gegenläufige Effekte nicht die Ersparnis zunichtemachen. So stellt die Assekuranz aus Wiesbaden fest, dass sich die Schadenaufwendungen coronabedingt durch Lieferengpässe und die Zahlung von Desinfektionsmitteln erhöht haben. Zudem würden die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie noch mindestens bis Ende des Jahres wirken.

Umsatzsteuerpflichtige Leistungen führen die Assekuranzen zudem eher in geringerem Umfang aus, sodass sich nach Einschätzung der HUK-Coburg Gruppe „hier nur ein überschaubarer Effekt ergibt.“ Immerhin verspricht der Versicherer: „Wir beabsichtigen, unsere Versicherungsnehmer an Pandemie-bedingten Aufwandsminderungen partizipieren zu lassen.“

Versicherungsverträge unterlieben nicht der Umsatzsteuer, sondern der Versicherungssteuer. Da eine Änderung der Versicherungssteuer im Konjunkturpaket nicht vorgesehen ist, bleibt die Belastung der Versicherungskunden durch die Versicherungssteuer unverändert hoch.

Vermittler könnten indirekt profitieren

Auch auf die Versicherungsvermittlung dürfte die beschlossene Umsatzsteuersenkung kaum Auswirkungen haben, da Versicherungsvermittler umsatzsteuerfreie Leistungen ausführen. „Nur indirekt könnte eine Wirkung eintreten, denn Kunden können durch die beschlossene Mehrwertsteuersenkung Waren günstiger einkaufen und hätten so mehr finanziellen Spielraum, um Versicherungsverträge abzuschließen“, erläutert der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) Michael Heinz.

Dieser Effekt könne jedoch zurzeit nicht abgeschätzt werden. Vermittler als Unternehmer, also als Einkäufer von Gütern und Dienstleistungen, könnten hingegen profitieren. Das gelte, wenn sie Waren, wie Autos und Büromöbel kaufen oder Dienstleistungen, wie Renovierungen nutzen. Heinz: „Denn hier fällt dann die niedrigere Mehrwertsteuer an, die bei größeren Anschaffungen von mehreren tausend Euro durchaus spürbare Entlastungen bietet.“ Entscheidend sei hier, dass die Leistung in dem Absenkungszeitraum erbracht wird.

Ähnlich sieht der Bundesverband Deutscher Versicherungsmakler (BDVM) die Situation für seine Klientel. Auch Versicherungsmakler könnten nur von eigenen größeren Investitionen profitieren. Insgesamt hätte die Steuerabsenkung für Versicherungsmakler keine große Auswirkung. „Denn ihre Einnahmen enthalten ja regelmäßig keine Mehrwertsteuer“, erläutert der BDVM-Vorstand Hans-Georg Jenssen.

Autor: Uwe Schmidt-Kasparek

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