Warum Hochzinsanleihen ihrem Namen wieder alle Ehre machen

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Steigende Renditen machen Hochzinsanleihen wieder attraktiv. Die in Spreads eingepreisten Ausfallraten sind historisch hoch und schaffen einen attraktiven Puffer. Außerdem scheint der Markt die Folgen einer möglichen Rating-Herabstufungswelle zu pessimistisch einzuschätzen. Einblicke eines Experten.

Nach dem Ausverkauf von Risiko-Assets im ersten Quartal 2020 rentieren europäische Hochzinsanleihen zu mehr als sieben Prozent. Damit rücken diese Papiere wieder ins Blickfeld von Anlegern, nachdem sie während der vergangenen fünf Jahre infolge des Zinstiefs und zusammengelaufener Spreads ihrem Namen nicht wirklich gerecht wurden.

In den wegen der Furcht vor höheren Ausfällen nach oben geschnellten Spreads europäischer High-Yield-Indizes auf 757 Basispunkte sind erwartete kumulierte Fünf-Jahres-Ausfallraten von 40 Prozent eingepreist. Dieser Wert liegt acht Prozentpunkte über dem jemals erreichten Wert. Für Anleger ist es durchaus ein positives Zeichen, dass der Break-Even-Spread mehr als das historische kumulierte Ausfallniveau kompensiert.

Vergleichsweite gute Perspektiven für gefallene Engel

Eine Sorge von Anlegern ist, dass das High-Yield-Segment sowohl in den USA als auch in Europa durch die Herabstufung von Unternehmen aus dem Investment-Grade-Segment um mehr als 30 Prozent anwachsen könnte. Auch wenn erheblich verschlechterte Ratings zu erwarten sind, gibt es zwei Aspekte, die die Entwicklungen relativieren:

Erstens preisen die Märkte den Abstieg ins High-Yield-Universum bereits im Vorfeld ein. Ein Beispiel dafür ist Ford mit einer aktuellen Rendite von mehr als zehn Prozent im Vergleich zu sechs Prozent für Euro High-Yield-BB-Anleihen. Zweitens schaffen die Abstiegskandidaten branchenübergreifend relativ häufig den Wiederaufstieg ins Investment-Grade-Universum. Beispiele der jüngeren Vergangenheit sind Fiat, Lafarge, Tesco und Anglo American. Dies belegt auch die Wertentwicklung des Euro High Yield Fallen Angel Index, der den Euro High-Yield-Index während der vergangenen 20 Jahre um 528 Prozent bzw. 5,8 Prozent p.a. übertroffen hat.

Politik sollte Finanztitel stützen

Interessant ist zudem, dass der europäische High-Yield-Markt einen hohen Anteil von Bank- und Finanztiteln hat. Anleger sollten im Allgemeinen keine Rettungsaktionen durch die EZB oder einzelne Staaten im Hochzinsbereich erwarten. Im Gegensatz zur Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 sind aber zwei Unterschiede zu beachten. So betrifft die aktuelle Liquiditätskrise Unternehmen branchenweit.

Banken werden dabei derzeit eher als Lösung und nicht wie in der Finanzkrise 2008/2009 als das Problem gesehen. Die Regierungspolitik wird sich somit darauf konzentrieren, die Banken liquide zu halten. Positiv für Anleger im europäischen High-Yield-Markt ist, dass Branchen wie Energie und Fluggesellschaften unterrepräsentiert sind.

Risikobereinigte Renditen sprechen für Unternehmensanleihen

Während einige Kapitalmaßnahmen wie Aktienrückkäufe oder hohe Dividendenzahlungen auf der Aktienseite aktuell zurückgeführt werden, sind Anleihekupons weniger betroffen. Dies würde nämlich als Kreditausfall gewertet werden. In der vor uns liegenden Konsolidierungsphase sollten Unternehmen zudem ihre Verschuldungsquoten senken und sich stärker auf solide Bilanzen fokussieren.

Selbst nach dem aggressiven Ausverkauf haben europäische HY-Indizes in den letzten zehn Jahren fünf Prozentergleich zu 3,5 Prozent für den Eurostoxx) und in den letzten 20 Jahren 4,3 Prozent p.a. (im Vergleich zu 0,4 Prozent für den Eurostoxx) erwirtschaftet. Es ist davon auszugehen, dass die Zinssätze nach der aktuellen Krise weiterhin niedrig bleiben und Anleger weiterhin auf der Suche nach Rendite sein werden. Dies sollte das strukturelle Interesse an Hochzinsanleihen als einkommensgenerierende Anlageklasse untermauern, insbesondere wenn die Dividendeneinnahmen eingeschränkt werden.

Last but not least spricht für einen Einstieg ins europäische High-Yield-Segment, dass die Spreads die Talsohle der Wirtschaftsdaten vorwegnehmen und eine Rückkehr zum Durchschnitt erwarten lassen. Historisch gesehen haben High-Yield-Anleger über einen Zeitraum von zwei Jahren noch nie Geld verloren, wenn die Spreads über 800 Basispunkten lagen.

Autor: Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege bei Fidelity International

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