Chefs auf Abruf: Wie Interim Manager Versicherern helfen können

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Change-Projekte lassen sich neben dem Tagesgeschäft oft nicht stemmen. Interim Manager werden daher zu immer wichtigeren Partnern – ihr Expertenwissen hebt die Erfolgsquote anspruchsvoller Projekte, auch in der Versicherungsbranche.

Transformationen sind für viele Versicherungsunternehmen eine Herausforderung: Es gilt, hierfür eine Strategie zu entwickeln, komplexe Kundenprozesse zu digitalisieren und die Mitarbeiter für die neue Marschrichtung zu gewinnen. Intern lässt sich eine solche Mammutaufgabe oft nicht stemmen.

Es braucht jemanden mit hoher fachlicher Expertise an der Schnittstelle zwischen Business und IT: Für diese Aufgabe ist Thomas Sternkopf als Experte für Change- und Transformationsprozesse mit breiter Branchenerfahrung prädestiniert; er ist einer von deutschlandweit rund 11.250 Interim Managern.

Wurden Interim Manager noch vor einigen Jahren vorwiegend für Sanierungen, Restrukturierungen und Krisenmanagement beauftragt, ist das Aufgabenspektrum heute deutlich breiter gefächert als früher: Change-Management-Projekte, Prozessoptimierungen und Kostenreduktion sind Aufgaben, die in diesem Jahr weiter an Bedeutung gewinnen werden.

Das geht aus der jährlichen Mitgliederbefragung der Dachgesellschaft Deutsches Interim Management (DDIM) bei Managern auf Zeit und Assoziierten Providern hervor. „Viele Unternehmen spüren einen großen Veränderungsdruck, der mit der Geschwindigkeit der digitalen Transformation einhergeht. Interim Manager können aufgrund ihres reichen Erfahrungsschatzes Prozesse stark beschleunigen und neue Sichtweisen einbringen können“, sagt Dr. Marei Strack, Vorstandsvorsitzende der DDIM.

Mit der Aufgabenvielfalt ist ein beträchtliches Marktwachstum einhergegangen, mit einem erwarteten Honorarvolumen von über 2,3 Mrd. Euro für 2020. Der Grund für die hohe Nachfrage: fehlende personelle Kapazitäten für anspruchsvolle Aufgaben. Marei Strack: „Interim Management wird von den Unternehmen als attraktives Modell wahrgenommen, um externes Know-how zeitlich begrenzt einzukaufen.“

Spezialgebiet: Schwierige Aufgaben

Kundenanforderungen verändern sich oft schneller als das Unternehmen: Auch Versicherer müssen neue IT-basierte Produkte auf den Markt bringen. Unter Zeitdruck Veränderungen umzusetzen, das können Interim Manager besonders gut. Von Vorteil ist, dass sie in der Regel aus gehobenen Führungspositionen kommen und viel strategische und operative Erfahrung in den unterschiedlichsten Feldern wie zum Beispiel bei Geschäftserweiterungen oder Fabrikverlegungen mitbringen.

Change-Projekte bergen immer auch Konfliktpotential. Daher ist es wichtig, dass der Manager auf Zeit weit reichende Entscheidungsbefugnisse hat. Thomas Sternkopf legt Wert darauf, über alle Level hinweg transparent zu kommunizieren, was warum zu tun ist: „Wenn ich die Mitarbeiter auf den Kulturwandel vorbereiten will, muss ich sie von Anfang an einbeziehen und das Gewesene wertschätzen. Dann können sie sich auch für neue Perspektiven und Herangehensweisen öffnen.“

Provider sind Bindeglied

Der anspruchsvolle Job hat seinen Preis: Nach Angaben der DDIM erhalten Interim-Manager einen durchschnittlichen Tagessatz von knapp über 1.200 Euro pro Tag bei durchschnittlich rund 160 Einsatztagen. Die sehr gute Auslastung der Interim Manager habe dazu geführt, dass viele die Vertriebsarbeit den Interim Providern überlassen, die sich als Bindeglied zwischen den Managern und ihren Kunden im Markt etabliert haben.

Ein solcher Provider ist die Ludwig Heuse Interim Management GmbH, die über einen großen Pool an Interim-Managern verfügt: „Auf der Grundlage eines detaillierten Kunden-Briefings definieren wir die genauen Anforderungen und Aufgaben des Projekts und können so geeignete Manager identifizieren“, sagt Geschäftsführer Matthias Cropp.

Mit steigender Tendenz erhalten die Manager auf Zeit ihre Aufträge über Provider, die andere Hälfte läuft über Empfehlungen, das eigene Netzwerk oder Eigenakquisition. Der Provider Heuse sorgt unter anderem dafür, dass alle wichtigen Ansprechpartner dem temporären Einsatz des Managers zustimmen und ist während des Mandats Ansprechpartner für das Unternehmen und den Manager auf Zeit.

„Wichtig ist, dass die Rolle des Interim Managers mit den entsprechenden Entscheidungsbefugnissen klar kommuniziert wird. Nur wenn er die notwendige Rückendeckung hat, kann er sein Vorhaben auch gut umsetzen“, nennt Marei Strack einen kritischen Erfolgsfaktor.

Der Erfolg eines Projekts hängt noch von einem weiteren Umstand ab: der Übergabe beziehungsweise der Einarbeitung des Neuen. „Viele Unternehmen holen sich zwar Expertise ins Haus, vernachlässigen dann aber frühzeitig einen Nachfolger zu identifizieren. So kann kein guter Know-how-Transfer gelingen“, weiß Thomas Sternkopf aus Erfahrung.

Die Experten sind sich einig: Für alle Beteiligten muss klar sein, dass der Manager auf Zeit einen zeitlich begrenzten Auftrag erfüllt und sich nach der Projektübergabe überflüssig machen muss. Marei Strack: „Einen Interim Manager dauerhaft zu beschäftigen, ist weder im Sinne des Unternehmens noch des hochqualifizierten Selbstständigen, der die flexible Beschäftigungsform sehr bewusst gewählt hat.“

Autoren: Annette Neumann, freie Pressereferentin bei der Dachgesellschaft Deutsches Interim Management (DDIM) und Michael Stechert, Geschäftsstellenleiter der Dachgesellschaft Deutsches Interim Management (DDIM)

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