„Ich habe Günther Jauch davon überzeugt, dass Versicherungen nicht langweilig sind“

„Wollen wir mal tauschen?“, schlägt Anastasia Golz dem Moderator Günther Jauch vor. „Ich moderiere, Sie antworten, und wir teilen uns die Kohle?“Eigentlich wollte die HDI-Projektleiterin nämlich Fernsehmoderatorin werden. Quelle: TVNOW / Guido Engels

Anastasia Golz, Projektleiterin bei HDI, mischte die Sendung „Wer wird Millionär“auf und nahm 64.000 Euro mit nach Hause. Im Gespräch mit VWheute verrät sie, wie das ihr Leben veränderte und was sie von Versicherern in einer digitalen Zukunft erwartet.

Die Auswahlfrage hat Anastasia Golz in nur 1,98 Sekunden beantwortet – da staunte selbst Moderator Günther Jauch. „Hatte das noch was mit Nachdenken zu tun?“, begrüßte er die Hannoveranerin auf dem Zockerstuhl Ende Dezember 2019. Sie begeistere sich eben für Zahlen, so Golz. Mit viel Glück und Humor kämpfte sie sich schließlich bis zur 125.000-Euro-Frage vor, die sich nicht beantworten konnte.

VWheute: Sie nahmen 64.000 Euro mit nach Hause. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Abschneiden bei der Sendung? Bereuen Sie nicht, dass Sie nicht weitergezockt haben?

Anastasia Golz: Ich bin sehr zufrieden! In der Sendung selbst habe ich mich so gefreut, dass ich es endlich auf den Stuhl geschafft habe, dass danach alles eher nebensächlich war. Ich war so aufgeregt und hatte so viel Spaß, dass ich erst im Nachgang ein Gefühl für den tatsächlichen Wert der Summe bekommen habe. Und die ist doch ziemlich ordentlich! Zudem war meine präferierte Antwortmöglichkeit sogar falsch – ich habe also viel Glück gehabt.

VWheute: Sie haben Herr Jauch gesagt, dass Sie eigentlich TV-Moderatorin werden wollten. Wie sind Sie dann bei einem Versicherer gelandet und was machen Sie dort?

Anastasia Golz: Ich hatte als Kind zum Teil absolut konträre Wunschberufe. Nach dem Abitur lagen Autorin, Moderatorin/Schauspielerin, ein Job im Finanzbereich und Physikerin gleich auf. Nach einigen Gesprächen und einem Praktikum beim Theater habe ich mich tatsächlich für den Finanzsektor und eine Kapitalanlageabteilung in einer Versicherung entschieden. Über das Projektmanagement und ein Studium im London bin ich zur Strategie gekommen. Hört sich etwas komisch an, aber ich fand den Finanzmarkt seit ich klein bin sehr spannend – ich habe sogar noch Einträge in Poesiealben, die das belegen. Ziemlich verrückt. Trotzdem stehe ich bei Präsentationen und Tagungen immer noch gerne auf der Bühne.

In der Runde für 125.000 Euro wäre Golz fast auf tausend Euro abgestürzt. Denn sie wusste nicht, dass der in Köln geborene Leon Draisaitl in Kanada ein erfolgreicher Eishockey-Spieler ist und verortete ihn eher im Bereich Mountainbiken. Günther Jauch konnte die Kandidatin vor dem Zocken jedoch bewahren.  Fotoquelle: TVNOW / Guido Engels

VWheute: Hat sich eigentlich seit Ihrem TV-Auftritt etwas in Ihrem Leben verändert?

Anastasia Golz: Ich war sehr erstaunt, wie viel Feedback ich von allen Seiten bekommen habe. Sehr viele alte Bekannte, Freunde und Kolleginnen/Kollegen haben es gesehen und mir gratuliert. Aber auch sehr viele mir bisher fremde Personen haben mich im Internet auf diversen Social-Media-Seiten angeschrieben. Am nächsten Tag wurde ich sogar auf der Straße angesprochen. Das war schon recht amüsant, ist natürlich aber sehr schnell verflogen.

VWheute: Und wie haben Ihre Kollegen reagiert?

Anastasia Golz: Alle meine Kollegen haben mit viel Humor und Gratulation auf meinen Auftritt und den meines Jokers reagiert. Vor allem alle, die Leon Draisaitl (Eishockeyspieler und die Antwort auf die 125.000-Euro-Frage) gut kennen (lacht).

VWheute: Sie haben Einblick in das Innere eines Versicherers und setzen sich mit der strategischen Ausrichtung aus. Welche Rolle spielt die Digitalisierung dabei?

Anastasia Golz: Die Digitalisierung ist einfach eine Summe neuer technischer Möglichkeiten, die sich stetig weiterentwickeln. Das hat die menschliche Gesellschaft und mit ihr jede Form von Organisation schon oft in ihrer Geschichte erlebt. Es ist also nur bedingt etwas ganz Neues. Wie jeder Organismus muss auch die Organisation flexibel auf neue Gegebenheiten reagieren können, um den richtigen Weg nach diversen (Fehl-)Versuchen zu finden. Die Prinzipien der Evolution greifen nicht nur in der Biologie oder Anthropologie, sondern auch in der Weltwirtschaft.

VWheute: Was bedeutet das für die Versicherungswirtschaft?

Anastasia Golz: Prinzipiell sehe ich daher wie bei jeder neuen Entwicklung sehr viele Chancen für die Versicherungswirtschaft. Damit man diese aber auch profitabel ergreifen und nutzen kann, müssen die Marktteilnehmer vorbereitet sein. Versicherer waren in den vergangenen Jahrzehnten zwar vielen Veränderungen ausgesetzt, aber nicht in einem so hohen Maße und vor allem mit einer deutlich geringeren Dynamik. Das sieht man schon allein daran, wie selten Tarife im Vergleich zu heute angepasst wurden. Genau in dieser bisher geringen Fähigkeit schnell auf Veränderungen zu reagieren, sehe ich im Moment die größten Herausforderungen. Dazu gehören vor allem eine moderne und flexible IT-Infrastruktur mit kurzen Reaktionszeiten, im zweiten Schritt aber auch weiterhin attraktive und trotzdem einfache Produkte und ein wirklich kundenorientiertes Vorgehen bei allen Fragestellungen, die in der Wertschöpfungskette eines Versicherers aufkommen. Und am besten hat man damit schon vor fünf Jahren angefangen.

VWheute: Sie wollten mit dem Geldgewinn ein Projekt fördern. Wie sieht dieses aus?

Anastasia Golz: Seit ich Kinder habe, komme ich täglich mit der meiner Meinung nach katastrophalen Bildungspolitik unserer Regierung in Kontakt. Wir leben in einem sehr reichen Land und schaffen es nicht, die Staatseinnahmen trotzdem sinnvoll und zukunftsgerichtet zu verteilen. Das fängt bei Diäten und unsinnigen Studien der Regierung an und endet bei einem flächendeckenden Pflegenotstand, Hebammenmangel und natürlich unterbesetzten und unterfinanzierten Kitas und Schulen. Da man irgendwo klein anfangen muss, möchte ich eine Stiftung „Nachbarschaft“ gründen, die Sponsorings von an Familien und Kindern interessierten Unternehmen in einem regionalen Pool (Stadtteil- oder Stadtweit) bündelt und an Projekte Kitas und Schulen verteilt. So können die Empfänger mit relativ sicheren Summen planen und die Unternehmen können das Sponsoring/Marketing regelmäßig und rechtzeitig in ihre Budgetierungsprozesse aufnehmen und mit einem vertretbaren Betrag gleichzeitig sehr viele Organisationen für Kinder unterstützen.

VWheute: Von welchen Beträgen sprechen wir hier?

Anastasia Golz: Dabei muss es nicht einmal viel Geld sein, sogar Sachleistungen oder Services helfen. Wenn beispielsweise jede Kita und Schule 500 Euro mehr im Jahr zur Verfügung hätte, dazu Aktionen oder Bastelmaterialien (die viele Pädagogen heute von ihrem eigenen Gehalt bezahlen) wäre das schon eine große Hilfe. Im Gegensatz zu vielen Politikern sind diese Organisationen nämlich effizient und bescheiden.

Interview: David Gorr

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

achtzehn + achtzehn =