Lanfermann: „Stetig steigende Belastung aus Leitungswasserschäden wird sich weiter verschärfen“

Thomas Lanfermann, Ressortleiter Komposit und Mitglied der Geschäftsleitung Helvetia Deutschland. Quelle: Helvetia

Die Aufwendungen für Schäden durch Leitungswasser haben nach Angaben des Branchenverbandes GDV seit 2011 um ein Drittel zugenommen. Wie die Wohngebäudeversicherer die Kosten im Griff halten können und welche Rolle dabei Data Analytics und das Internet of Things spielen, erläutert Helvetia-Vorstand Thomas Lanfermann im Exklusiv-Interview für VWheute.

Wie groß ist die Gefahr durch Leitungswasser in der HR und WV gegenüber anderen Gefahren und sind die Schäden teurer als andere, bspw. Feuer?

Feuerschäden ziehen im Regelfall höhere Schadenzahlungen nach sich, liegen aber zahlenmäßig glücklicherweise auf einem deutlich niedrigeren Niveau. Bei Sturmereignissen sind meist nur enge lokale Gebiete betroffen. Die Anzahl an Leitungswasserschäden hat im Gegensatz dazu von Jahr zu Jahr zugenommen. Gleichzeitig steigen auch die Kosten je Schadenfall, allein im Zeitraum 2011 bis 2018 nahmen die Aufwendungen gemäß GDV um ein Drittel zu.

Da auch die Bausubstanz immer älter wird, werden immer mehr Leitungen marode und platzen. Saniert wird meist erst, wenn die ersten Schäden eingetreten sind. Und wir sehen einen klaren Trend, dass auch neuere Gebäude häufiger als früher von Leitungswasserschäden betroffen sind.

Das Problem ist nicht nur auf den wohnwirtschaftlichen Bereich beschränkt. Leitungswasserschäden im gewerblichen Bereich sind durch die Beschädigung von hochwertigem Inventar, Maschinen, etc. sowie langen Betriebsunterbrechungen häufig deutlich teurer als im Wohngebäudebereich.

Die WV ist bei vielen anderen Anbietern defizitär, Combined Ratio von über hundert sind nicht selten. Welche Rolle spielen dabei Leitungswasserschäden, auch bei ihnen im Unternehmen?

Die stetig steigende Belastung aus Leitungswasserschäden wird sich weiter verschärfen. Das Prämienniveau dagegen entwickelt sich nicht im gleichen Umfang, hier herrscht ein starker Wettbewerbsdruck. Und die Leidensfähigkeit einiger Marktteilnehmer ist immer noch beachtlich. Für uns ist die Leitungswasserthematik das wichtigste Thema im Portfolio.

Viele Häuser in Deutschland haben anfällige Leitungen, weil zu wenig investiert wird. Wie kann ein Versicherer dem Risiko begegnen? Sind Aufschläge denkbar?

Solange das Prämienniveau derart tief im Markt ist, scheint die Bereitschaft der Wohnungseigentümer gering, Geld in Sanierungen und Prävention zu investieren. Bisherigen präventive Lösungen kosten oft ein mehrfaches der Jahresprämie, benötigen Handwerker und finden daher zu wenig Akzeptanz.

Daher hat Helvetia nach einer preiswerten und einfachen Lösung gesucht, Leitungswasserschäden zu reduzieren. Mit dem belgischen Unternehmen Shayp haben wir einen Partner gefunden, dessen Geräte und Auswertungen Leitungswasserschäden sehr früh erkennen können und dadurch deutlich reduzieren. Dies sehr einfach und ohne Eingriff in das Rohrsystem zu einem attraktiven Preis.

Sie bieten eine Lösung, in der sie Data Analytics mit dem Internet of Things (IoT) zur Reduzierung von Leitungswasserschäden verbinden. Erklären Sie das bitte kurz?

In der Zusammenarbeit mit der Munich Re haben wir einen Index zur Verfügung, der uns zeigt, welche versicherten Objekte eine erhöhte Wahrscheinlichkeit eines Leitungswasserschadens haben. Die Lösung unseres Partners Shayp basiert auf einer IoT Anwendung – die Daten werden im Objekt ausgelesen und dann zur Analyse übermittelt.

Ist die Lösung für alle Häuser geeignet, also auch für solche, die schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel haben?

Insbesondere bei älteren Objekten ist die Wahrscheinlichkeit eines Leitungswasserschadens deutlich höher – daher war es uns wichtig, eine Lösung zu finden, die in (fast) allen Objekten einsetzbar ist.

Wird die Gefahr durch Leitungswasser in der WV und HR in den nächsten Jahren spürbar abnehmen?

Das liegt an den Gebäudeeigentümern – mit präventiven Maßnahmen wird die Gefahr deutlich geringer sein. Wer nur auf seine günstige Gebäudeversicherung setzt, wird spätestens im Schadenfall merken, dass der Schutz nicht den wochenlangen Lärm durch Trockner oder verlorene Kunden durch Betriebsschließungen umfasst.

Wie wird sich die WV und HR entwickeln, in ihrem Haus und branchenweit?

Der Markt als auch die Schadenentwicklung bleiben herausfordernd. Durch unsere neuen Ansätze werden die Risiken für uns aber kalkulierbarer. Helvetia war schon immer ein relevanter Gebäudeversicherer – dieses Standbein wollen wir mit neuen Technologien und Partnern ausbauen. 

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz.

3 Kommentare

  • Sehr geehrter Herr Volz
    Wird dieser Ausbau auch bei Helvetia Schweiz vorangetrieben? Sind Sie da auf dem Laufenden?

  • Sehr geehrter Herr Grand,

    das bin ich leider nicht. Sie müssten beim Unternehmen selbst nachfragen. Tut mir leid. Einen schönen Tag wünsche ich Ihnen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Maximilian Volz

  • Leitungswasserschaden. Schlimm und teuer. Ärgerlich für BEIDE Seiten.
    Was ist wenn es einen mehrmals trifft?
    Was ist ein „Schadenshaus“?,ein Risikohaus 20 Jahre danach?

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