Einfachheit statt Preiskampf: Joonko geht mit Ping-An-Power in die Offensive

Carolin Gabor. Quelle: lie

Das neue, zur Berliner FinTech-Gruppe Finleap gehörende Vergleichsportal Joonko stellt den Autoversicherern eine höhere Bestandsfestigkeit ihrer Verträge in Aussicht. Statt des Preiskampfs setze man auf die Kunden, die zu faul seien, beim Internetvergleich 70 oder mehr Felder zu beantworten. „Wir versprechen den Kunden: Es geht einfach, wir verarschen Dich nicht und bieten Dir die beste Customer Experience“, sagte Carolin Gabor, CEO Joonko und Partner von Finleap, am Dienstag auf der SZ-Fachkonferenz „The Digital Insurance: Wie digital ist der Kunde?“ in Köln.

Seit 24. Oktober ist Joonko im Kraftfahrtgeschäft aktiv. Dabei will der neue Vergleicher es aber nicht belassen, sondern hofft darauf, den Kunden auch weitere Finanzdienstleistungen vermitteln zu können. Dazu sollen die Kunden Joonko Einsicht in andere Konten wie beispielsweise Google Maps etc. geben. Daraus will Joonko dann möglichst passgenaue Angebote schaffen. Dass die Kunden diese Einsichten erlauben, ist für den Marketingchef Andreas Schroeter nur eine Frage des „klaren Mehrwerts“ für den Kunden.

Dieser könne beispielsweise auch darin liegen, dass Vergleichsfelder automatisch ausgefüllt werden könnten. „Wir wollen so viel Vorauswahl treffen wie möglich, weil dies die Produkte vereinfacht und Zeit spart“, so Schroeter. Nur fünf bis zehn Prozent der Nutzer änderten Vorauseinstellungen. Für Kraftfahrt habe man so die Zahl der nötigen Formfelder von 54 oder mehr auf 22 reduzieren können.

Zur Vereinfachung habe man an einigen Stellen die schlechteste Möglichkeit unterstellt. Das verteuere zwar die Tarife um ein bis drei Prozent, aber benötige der Abschluss auch nur 60 Sekunden. „Es ist eine sehr große Gruppe, die diesen Convenience-Faktor will und so begleitet werden möchten“, ist man sich bei Joonko sicher.

Joonko will auf Preiskämpfe in Kfz verzichten

Joonko wolle „fair und transparent“ sein und dazu gehöre auch, auf Preiskämpfe in Kfz zu verzichten, die nur zum Nachteil des Kunden eine Abwärtsspirale in Gang setzten. Man werde die Angebote nicht nach Provisionshöhen ranken. Zudem verlange Joonko keine Abschluss-, sondern nur Bestandsprovisionen von den Anbietern. „Wir listen den Kunden zudem auf, wer sich bei uns vergleichen lässt und wer nicht“, so Schroeter. Neun Prozent der Nutzer schauten sich diese Internetseite an. 15 Versicherer lassen aktuell ihre Angebote vergleichen.

Gabor rechnet damit, dass Joonko in den nächsten drei bis fünf Jahren im wachsenden Markt der Vergleicher einen Marktanteil im „zweistelligen Prozentsatz“ haben wird. „Es ist sinnvoll, den Platzhirsch Check 24 anzugreifen, weil die Distribution noch lange nicht da ist, wo sie sein könnte“, so Gabor. Zudem fehle im Konzern Finleap, der auf Ökosysteme setze, noch eine Distributionsplattform.

Dass die Investoren von Joonko größtenteils aus Asien (Japan und China) stammen, begründet Gabor damit, dass diese den Wert von Ökosystemen bereits verstanden hätten. Ping An beteilige sich an Joonko und Finleap, weil der chinesische Versicherungsriese an Europa interessiert sei. In China habe Ping An rund 50 Wettbewerbern Technologien zur Verfügung gestellt. Dies strebten sie auch hier an. „Es macht Spaß mit ihnen, weil sie Technik verstehen“, sagte Gabor.

Allianz: IT-Kosten sinken seit 2018 um zweistellige Millionenbeiträge pro Jahr

Allianz-Deutschland-Chef Klaus-Peter Röhler berichtete auf der SZ-Fachkonferenz von den Fortschritten seines Haus bei der Digitalisierung. „Anders als Startups können wir als traditioneller Versicherer nicht auf der grünen Wiesen beginnen, aber wir können technologisch auf Augenhöhe und gleicher Vorgehensweise bei der Verjüngung und beim Neubau des Geschäftsmodells ins Rennen gehen“, sagte er.

Der Vorteil sei die breite Kundenbasis, welche eine schnelle und wirtschaftlich nachhaltige Skalierung von Produkten und des Geschäftsmodells ermögliche. Damit könne die konsequente Decommissioning von Produkten und Systemen finanziert werden. Diese Außerbetriebnahme soll in den nächsten fünf Jahren „weitgehend abgeschlossen“ sein. Die Allianz Deutschland habe 20 Entwicklungsprojekte mit agilem Ansatz gestartet, diese seien durchschnittlich 15 bis 20 Prozent effizienter bei mindestens gleicher Qualität als herkömmliche Arbeitsweisen.

Die IT -Kosten der deutschen Allianz sinken Röhler zufolge seit 2018 um zweistellige Millionenbeiträge pro Jahr. Freiwerdendes Kapital werde investiert, um die Abschaltung der Altsysteme und die systematische Cloudifizierung zu beschleunigen. Bis 2021 sollen 40 Prozent der Altsysteme und bis 2025 drei Viertel abgeschaltet sein.

Bei den Produkten wurde die Vielfalt von über 2.500 auf inzwischen 200 reduziert. Und diese Zahl soll weiter sinken. „Wir wollen einfache und intuitive Produkte, die die Kunden begeistern und dies immer zu wettbewerbsfähigen Preisen“, so Röhler. Wie bei „Lego“ sollen sich die Produkte für andere Märkte anpassen lassen. Röhler sagte aber auch, dass die Allianz auf den hybriden Kunden setze. Dieser erwarte nicht nur digital, sondern einen persönlichen Kundenzugang. Das Segment der Hybridkunden sei mit etwa 80 Prozent das größte und am schnellsten wachsende Kundensegment im deutschen Versicherungsmarkt.

Autorin: Monika Lier

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