Ökosysteme: Gefahr des Scheiterns ist schon groß

Gruppenbild auf der Digitalization in Insurance von Sollers_Lier

„Wohnen“, „Mobilität“, „Gesundheit“ und „B2B“ könnten für die Assekuranz die wichtigsten Ökosysteme werden. Zu dieser Einschätzung gelangten die Teilnehmer der Kundenveranstaltung „Digitalization in Insurance“ des Integrators Sollers Consulting. Doch die Gefahr des Scheiterns ist bereits sehr groß, warnt Sollers-Manager Grzegorz Obszański. Beispielsweise sei Amazon im Themenbereich “Wohnen“ nicht zuletzt mit dem cloud-basierten Sprachdienst Alexa schon weit.

„Die Versicherer müssen sich vorbereiten und sich auf ihre IT und Technologie fokussieren. Die Vernetzung ist die Voraussetzung für digitale Ökosysteme“, sagte Sollers-Managing-Partner Michał Trochimczuk. Ohne ein leistungsstarke Kernsysteme, dem Aufbrechen von Silostrukturen und einer offenen Architektur würden solche Vorhaben scheitern. Sollers bietet mit der digitalen Plattform RIFE eine offene Architektur, die auf Integrierbarkeit ausgerichtet ist, um schnell in neue oder etablierte Unternehmensökosysteme eingebunden zu werden.

Auch auf dieser Veranstaltung wurde die McKinseyStudie zitiert, wonach bis 2025 rund 30 Prozent des weltweiten Prämienvolumens in Komposit in „Ökosysteme“ fließen könnte. Agieren die Versicherer auf solchen Plattformen nur im Hintergrund, laufen sie Gefahr austauschbar zu sein, weil die Kundenschnittstelle bei anderen, beispielsweise den großen Tech-Giganten liegt. Daher scheint die Lösung im Aufbau eigener Ökosysteme zu liegen, um für den Kunden relevant und sichtbar zu bleiben.

Für Dr. Alexander Bernert, Head of Innovation & Market Management von der Zurich Deutschland, geht es bei den Ökosystemen vor allem um „Kundenbegeisterung“. Wenn Versicherer sich zuvorderst auf Prämienerträge konzentrierten, sei dies „ein Schritt zu schnell.“ Ein Thema werde aus seiner Sicht noch die Datenregulierung. Für die Versicherer werde es sicherlich etwas geben wie die Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 (Payment Services Directive 2) für die Banken. „Viele Regeln zu Privacy werden einfach noch gemacht werden müssen“, so Bernert. Dr. Witold Jaworski,seit 1. September CIO International der Ergo Technology & Management Services AG und CEO des Startups NIO, berichtete, dass die Banken in Polen für die Teilnahme an Ökosystemen Geldzahlungen vorab für die nächsten fünf Jahre geleistet hätten. Da die Zahl der Ökosysteme begrenzt sei, sei die Verhandlungsstärke der Versicherer, wenn sie sich beteiligen wollten, nicht sehr groß. Welche Rolle der Vermittler in einer Vertriebswelt spielen wird, die zunehmend über Plattformen abgewickelt wird, war bei den Teilnehmern der Podiumsdiskussion umstritten.

Von Monika Lier

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