Ex-Chef Hofmann geht juristisch gegen Rauswurf bei Merkur Versicherung vor

Ingo Hofmann ist nicht länger Chef der österreichischen Versicherers Merkur und will gegen die Entscheidung klagen. (Bildquelle: Marija Kanizaj)

Die österreichische Merkur Versicherung hat sich von ihrem langjährigen Vorstandsvorsitzenden Ingo Hofmann mit sofortiger Wirkung getrennt. Auslöser seien „Auffassungsunterschiede über die Führung des Unternehmens“ gewesen. Der 53-jährige Manager, der aus dem Ruhrgebiet stammt, will das nicht akzeptieren und kündigt rechtliche Schritte gegen seine Abberufung an – in den sozialen Medien.

Dem Zerwürfnis zwischen dem langjährigen Merkur-Chef und dem Aufsichtsratsvorsitzenden des Grazer Versicherers Alexander Lechner ging ein verheißungsvoller Start voraus: „Wir sind davon überzeugt, dass Ingo Hofmann gemeinsam mit dem starken Merkur-Team die Herausforderungen der Zukunft bestens bewältigen wird“, kommentierte Lechner im November 2019 die Berufung Hofmanns zum Jahresbeginn 2020.

Gut vier Jahre später ist zu konstatieren: Die Herausforderungen der Zukunft wird Hofmann fortan woanders bewältigen müssen. Der Manager werde das Unternehmen verlassen, teilte Aufsichtsrat Lechner am Dienstag in einer Presseerklärung mit. „Sein Vertrag wurde aufgelöst. Grund dafür sind Auffassungsunterschiede über die Führung des Unternehmens“, so Lechner.

Die Geschicke des laut eigener Angaben siebtgrößten Versicherungsanbieters und zweitgrößten privaten Krankenversicherers des Landes liegt Lechner nun in die Hände des „bewährten, bereits gut eingespielten“ restlichen Vorstandsteams: Dazu gehören Christian Kladiva, der für das Ressort Risiko zuständig ist, Vertriebsvorstand Markus Spellmeyer sowie Finanzvorstand Andreas Gaugg.

Doch die „drastische Maßnahme“, wie es in österreichischen Medien heißt, dürfte die Merkur nicht so schnell zur Ruhe kommen lassen – denn der geschasste Manager will seinen Rauswurf juristisch anfechten. Hofmann stört sich vor allem daran, dass der Aufsichtsrat nicht das persönliche Gespräch mit ihm gesucht habe, „sondern vielmehr eine direkte Beendigung der Zusammenarbeit beschlossen hat“, wie der Manager via LinkedIn mitteilte.

„Trotz meiner wiederholten Angebote sich an einen Tisch zu setzen und eine partnerschaftliche Lösung zu finden, wollte man sich auf kein weiteres Gespräch einlassen. Das ist aus meiner Sicht unverständlich und bedauerlich“, heißt es in dem Post. Er werde daher „mangels fehlender Bereitschaft und Einigungswillen des Aufsichtsrates nach dieser gemeinsamen erfolgreichen Zeit leider den Gerichtsweg beschreiten müssen“, schreibt Hofmann, was aus seiner Sicht „ebenso bedauerlich“ sei.

Zu den Gründen für die gescheiterte Zusammenarbeit bleibt Hofmann vage, liefert keine Details: Leider sei man nach vier gemeinsamen und erfolgreichen Jahren in wichtigen und entscheidenden Zukunftsthemen und damit der zukünftigen strategischen Ausrichtung des Unternehmens nicht mehr einig, hieß es. Trotz offener und wiederholter Kommunikation seiner Ziele sei es ihm nicht mehr gelungen, „den Aufsichtsrat wie auch meine Vorstandskollegen von meiner und bisher erfolgreichen Zukunftsvision und Strategie für die Merkur zu überzeugen“, so Hofmann.

Hofmann, geboren 1970 in Frankreich, stammt ursprünglich aus dem Ruhrgebiet und ist seit etwa 30 Jahren in der Assekuranz tätig. Seine Branchenlaufbahn begann er bei der Ergo, wo er bis 1999 sechs Jahre lang tätig war. 2000 wechselte Hofmann als Leiter der Makler-Geschäftsstelle NRW zum Volkswohl Bund. Zwischen 2002 und 2008 übernahm der Experte den Posten als Regionaldirektor bei der Bayerischen. Dort führte er die Bereiche Sach-, Lebens- und Krankenversicherung bei freien und unabhängigen Geschäftspartnern in NRW, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Nord-Bayern. Zudem war Hofmann neun Jahre lang für die Gothaer tätig, u.a. als Leiter der Niederlassung Österreich.

Merkur ist der siebtgrößte Versicherungsanbieter und der zweitgrößte private Krankenversicherer Österreichs. Das Prämienvolumen 2022 belief sich auf rund 764,2 Millionen Euro. Das Unternehmen ist neben seinem Heimatmarkt auch in Italien und Südosteuropa mit etwa 1.500 Mitarbeitern aktiv.

Autor: VW-Redaktion

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