Wasser-Investment in Kanada: Saubere Gewinne aus dem Rohr

Wasseraufbereitungsprojekte in Kanada gelten mittlerweile als lukrative und vor allem nachhaltiges Investment für Versicherer. Wie die Branche davon profitieren kann, erläutern Thomas Flury und Özcan Dalmis.

Mit über 40 Tausend Wasseraufbereitungswerken in Ontario gehört die kanadische Provinz zu den größten Nachfragern innovativer und nachhaltiger Wasseraufbereitung. Dabei ist eine starke Durchmischung von privaten Anbietern mit staatlichen Abnehmern festzustellen. In Kanada kann ein Wasserwerk in privatem Besitz sein und trotzdem vom staatlichen Wasseraufbereiter betreut werden. Die Finanzierung hingegen ist oft privatwirtschaftlicher Natur. Seit dem Clean Water Act 2004 sind Erneuerungsmaßnahmen gesetzlich vorgeschrieben und nach der Finanzkrise wurden viele Investitionen verschoben oder anders verwendet.

Dies hat zur Folge, dass nächstes Jahr die regulatorischen Änderungen und umweltschutzrechtlichen Erneuerungen zwar implementiert sein sollten, jedoch massiv verspätet sind. Dies ergibt eine Opportunität für Investoren, die Erneuerungen zusammen mit implizit staatlicher Unterstützung zu finanzieren. Veolia, Jacobs und andere Anbieter haben sich in den letzten Jahre entsprechend positioniert und etabliert.

Kanada ist staatsrechtlich ähnlich wie Deutschland strukturiert. Es gibt keine direkten Garantien, aber Gemeinden gehen in der Realität nicht Konkurs und Budgets können auf Gemeindeebene nur verhandelt werden, wenn die Provinz dafür auch die Verantwortung übernimmt. Spezifisch im Wasserbereich existiert das Municipial Responsability Agreement (MRA), welches für ein Einspringen des Staates sorgt, wenn es im operativen oder finanziellen Bereich Probleme gibt. Europa ist in diesem speziellen Bereich anders organisiert.

Rechtlich verankerte PPP-Projekte (öffentlich-private Projekte) sind schwierig umzusetzen und wie einzelne Länder oder Firmen wie in Italien im Solarbereich und Abengoa aus Spanien zeigen, ist im Notfall der Private auf sich selber gestellt. Dieser unterschiedliche Aufbau der Finanzierungsstruktur, zusammen mit der seit Jahrzehnten etablierten Privatisierung, hat in Nordamerika für eine stark erhöhte Markttätigkeit gesorgt. Wasseraufbereitungsprojekte werden gehandelt, gebündelt, verkauft und somit eine Wertschriftentätigkeit über sogenannte Income Trusts oder ähnliche börsenkotierte Werte kreiert. Dies hat schon in den 80er-Jahren für eine erhöhte direkte Investitionstätigkeit von institutionellen Investoren gesorgt. Explizit sorgt dieser Umstand bei vermeintlich illiquiden Projekten für bessere Ausstiegs-Szenarien als im europäischen Markt.

Aufgrund ihrer Erfahrung in Kombination mit der regulatorischen und politischen Nachfrage, sieht die Signina Capital eine massive Ausweitung einer Portfoliobildung von mittelgroßen Projekten im Wasseraufbereitungsbereich. Die Nachfrage von zwei bis 20 Mio. US-Dollar Projektfinanzierungen ist exponentiell gestiegen, hauptsächlich im rentablen Kapazitätsausweitungsbereich (keine Greenfield Projekte). Nur ist die Finanzierungsseite von Banken und Großinvestoren praktisch nicht existent.

Dies führt zu einer Arbitragemöglichkeit zwischen erzielender Rendite von über fünf Prozent ohne Hebel bei gleicher politischer Sicherheit, während die Projekte aufgrund ihrer fehlenden Größe entsprechend weniger komplex sind Das Wachstum in diesem Bereich wird von BOAML (Bank of America Merrill Lynch) in ihrem Water-Primer mit über neun Prozent angesehen, während die Finanzierungen in diesem Bereich weniger als einem Prozent der erhältlichen Projektfinanzierungen ausmachen.

Autoren: Thomas Flury und Özcan Dalmis

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der neuen Januar-Ausgabe der Versicherungswirtschaft.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

11 + zwölf =