Allianz-Chefökonom Subran: „Eine schnelle Rückkehr zum Tagesgeschäft steht nicht an“

Allianz-Chefökonom Ludovic Subran, Quelle: Allianz

Das Coronavirus wird Wirtschaft und Gesellschaft noch lange beschäftigen. Davon geht der Münchener Versicherer aus. “Wir befinden uns mitten in dieser Krise, der Phase 2 des Virus, mit lokalen und leichten Beschränkungen; verglichen mit der schweren großen Lockdown-Rezession wird diese Phase lang, holprig und darwinistisch sein und je nach Land, Sektor und Anlageklasse sehr unterschiedliche Auswirkungen haben”, sagt Ludovic Subran, Chefökonom des Unternehmens.

Seit April operiere die Weltwirtschaft mit einer Auslastung von nur 70 bis 80 Prozent. Diese Situation soll aufgrund lokaler Beschränkungen und Auflagen zur Bekämpfung neuer Covid-19-Ausbrüche voraussichtlich bis zum vierten Quartal 2020 andauern.

Allianz Research erwartet für dieses Jahr ein Minus in der globalen Wirtschaftsleistung um 4,7 Prozent. Für 2021 sehen die Analysten eine Rückkehr auf den Wachstumspfad und ein Plus von 4,8 Prozent.

“Obwohl Deutschland die Pole-Position für die Erholung der Wirtschaft inne hat, steht eine schnelle Rückkehr zum Tagesgeschäft nicht an: Obwohl der private Konsum in Deutschland dank des zusätzlichen Rückenwindes durch die Mehrwertsteuersenkung und den Kindergeldbonus auf einem V-förmigen Erholungskurs ist, werden die Aussichten der exportabhängigen deutschen Wirtschaft durch die schleppende und asynchrone Konjunkturerholung der Weltwirtschaft und damit auch des Handels gedämpft”, so Subran.

Insgesamt dürfte die deutsche Wirtschaft nach einem Rückgang von sieben Prozent im Jahr 2020 im Jahr 2021 nur um 4,5 Prozent zulegen. Angesichts der nur allmählichen Erholung wird das deutsche BIP erst zur Jahreswende 2022/23 das Vorkrisenniveau erreichen.

Die monetären und fiskalischen Stimuli als Reaktion auf die Covid-19-Krise beliefen sich im Jahr 2020 auf mehr als 18 Billionen US-Dollar, das 1,3-fache des chinesischen BIP. Die geldpolitischen Impulsindizes von Allianz Research zeigen Rekordniveaus in den USA, der Eurozone und Großbritannien; China hingegen ist noch weit von den Rekordsummen nach der Finanzkrise von 2009 entfernt.

Europa dürfte sein Vorkrisen-BIP-Niveau erst Ende 2022/23 erreichen, während China und die USA dieses Niveau ein Jahr früher erreichen könnten, abhängig vom Management der zweiten Welle. Alles hängt ab von der Stärke der weiteren Unterstützung der Erholung zusammen mit gezielten Hilfen für die am stärksten betroffenen Sektoren bis Jahresende. “Angesichts höherer Solvenzrisiken im 2. Halbjahr 2020 und 2021 erwarten wir einen Anstieg der weltweiten Insolvenzen um plus 35 Prozent in 2020-21”, sagte Subran.

Autor: VW-Redaktion