„Viele Frauen trauen sich nicht zu, sich in der Männerdomäne durchzubeißen“

Allianz-Vertreterin Alexandra Gronkowski

Seit 20 Jahren leitet Alexandra Gronkowski die Allianz-Generalvertretung im niederbayerischen Regen. In dieser Position ist Sie eine der ganz wenigen Frauen. Warum das so ist und was man dagegen tun kann, erklärt Sie in einem Gastbeitrag.

Immerhin steht bei unseren Tagungen, Fortbildungen und Veranstaltungen vor der Damentoilette keiner an. Gleichzeitig bin ich überzeugt davon, dass mehr Frauen in Führungspositionen der Versicherungsbranche guttun würden. Das sehe ich an unserer Agentur: Hier kümmern sich ausschließlich Frauen um die Kunden, ihre Fragen und Anliegen. Drei Vollzeit-Kolleginnen und eine Mitarbeiterin in Teilzeit gehören zu meinem Team. Nein, wir sind keine Feministinnen, nicht testosteronabgeneigt und würden uns über männliche Kollegen freuen. Wenn wir Stellen ausschreiben, bewerben sich aber meist nur Frauen. Auch, weil Teilzeit oder Homeoffice angeboten wird und damit Familie und Beruf gut unter einen zu Hut bringen sind.

Viele Frauen arbeiten bei der Allianz und anderen Versicherungen. Aber verhältnismäßig wenige von ihnen leiten eine Agentur oder übernehmen in einer Generalvertretung Verantwortung. Leider. Dabei schätzen Frauen die Nähe zu den Kunden und das herzliche Miteinander mit den Kolleginnen und Kunden besonders. Sie sind fachlich auf Zack, in neuen Themen schnell drin, können gut zuhören, sich wunderbar in Leute hineinversetzen, einfache und ungewöhnliche Lösungen finden, den Kunden viel Vertrauen vermitteln.

Gerade mit Werten wie Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Empathie könnten Frauen punkten. Zuhören fällt uns ja von Haus aus leichter als den meisten Männern, das kennen wir von zuhause. Als Frau schafft man es in meinen Augen sogar eher, das Image vom „Versicherungsdandler, der einem etwas andrehen will“ über den Haufen zu schmeißen und unbewusst, ohne Zutun Klischees aus den Köpfen der Kunden zu bringen. Unsere Kunden schätzen es sehr, dass wir ihnen nicht nur Versicherungen verkaufen wollen, sondern sie intensiv beraten und ihnen auch bei Dingen helfen, die nicht unsere Baustelle sind.

„Frauen können Ihre Frau stehen, genau wie Männer ihren Mann“

Und bei der Leitung einer Agentur? Stehen sich Frauen oft selber im Weg. Viele trauen sich nicht zu, sich in der Männerdomäne durchzubeißen. Die Scheu Entscheidungen zu treffen, sich selbst und andere zu organisieren oder Verantwortung zu übernehmen, halten viele ab. Manche haben auch Angst, dass sie Familie und Führungsaufgaben zeitlich wegen der Doppelbelastung nicht zusammenbringen. Ich selbst hatte eigentlich auch keine Chefambitionen als ich mich bei der Allianz als Vertriebsassistentin bewarb. Dann zog sich mein damaliger Chef aus gesundheitlichen Gründen mehr und mehr aus dem Agenturbetrieb zurück. Ich übernahm zusätzliche Aufgaben, mehr Verantwortung – und schließlich auf Wunsch des damaligen Chefs seine Nachfolge und die Leitung der Agentur. Ich schlitterte in die Aufgabe eher so rein, habe den Schritt in die Selbstständigkeit aber nie bereut.

Mir war schon klar, dass der Spruch selbst und ständig nicht von nichts kommt. Gerade am Anfang ist es nicht leicht, macht aber unwahrscheinlich Spaß. Als Chefin musst du anders denken, andere Entscheidungen treffen, lernbereiter sein und strukturierter arbeiten. Man ist nicht nur Beraterin, sondern auch Unternehmerin, muss sich auch mit Themen wie Digitalisierung, Vertrieb oder der Vermarktung in sozialen Netzwerken befassen und akzeptieren, dass die männlichen Kollegen bei einer Frau nicht immer Juhu schreien.

Frauen können ihre Frau stehen, genau wie Männer ihren Mann. In der Versicherungsbranche. Und in jedem anderen Fachbereich. Man muss aber auch mal ins kalte Wasser springen.

Autorin: Alexandra Gronkowski

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