Ergo-CEO Rieß: „Ich habe sieben Lebensversicherungen“

Markus Rieß. Quelle: Ergo

Welche Zukunft hat die Altersvorsorge in Niedrigzinszeiten und hat die Lebensversicherung noch eine Zukunft? “ Die Lage ist herausfordernd, das stimmt, die Zinsen werden wohl langfristig niedrig bleiben. Darauf müssen sich die Versicherer einstellen“, glaubt Ergo-Vorstandschef Markus Rieß.

Besondere Gefahren – beispielsweise den Zusammenbruch eines Lebensversicherers – sieht der Ergo-Manager indes nicht, „schon gar nicht bei uns“. Allerdings solle man bei der Altersvorsorge nicht nur einseitig „auf Aktien zu setzen. An der Börse haben sie nun mal eine deutlich höhere Volatilität. Es kann immer nur eine Komponente sein, sonst ist das wie eine Wette auf den Tag des gewünschten Rentenbeginns. Es ging jetzt lange bergauf an der Börse, aber wer kann vorhersagen, wo die Kurse stehen, wenn Sie in Ruhestand gehen wollen und das Geld brauchen?“, konstatiert Rieß gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ).

Zudem befürchtet der Ergo-Vorstandschef keine Änderung bei der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB): „Ich kann nicht erkennen, dass sich an der EZB-Politik etwas ändert. Und das finden wir nicht richtig. Wenn Geld einen negativen Preis hat, verzerrt das viele Bereiche der Volkswirtschaft. In Deutschland ist das besonders schlimm, weil die Bundesanleihen als sicherer Anlagehafen in unruhigen Zeiten besonders gefragt sind und die Zinsen hier besonders niedrig und sogar im Minusbereich liegen. Die Menschen müssen aber die Möglichkeit haben, fürs Alter vorzusorgen, bei Minuszinsen ist das sehr viel schwieriger und viel riskanter. Für die Volkswirtschaft ist das sehr bedenklich, es steigt die Gefahr von Blasen.“

Staatliche Eingriffe lehnt Rieß hingegen ab: „Diese sollten nur stattfinden, wenn das marktwirtschaftliche System versagt. Das ist hier nicht der Fall, wenn 70 Prozent der Menschen privat vorsorgen, über Riester oder die betriebliche Altersvorsorge. Wir begrüßen die Initiative für eine Reform der privaten Altersvorsorge ausdrücklich, aber Staatsfonds sind immer problematisch.“

Mit Blick auf das eigene Unternehmen gibt sich der Ergo-CEO hingegen zielstrebig: „Unser strategisches Ziel ist es, in jedem Markt, wo wir mitspielen, unter den Top Fünf zu liegen. Dazu sind weitere Übernahmen denkbar. Außerdem wollen wir einen Fuß in der Tür haben in Ländern, die enorm wachsen, wie China und Indien, bevölkerungsreiche Märkte, unterversorgt mit Versicherungen, das ist für uns extrem interessant, deswegen haben wir in diesen Ländern Joint Ventures mit starken lokalen Partnern.“

Entlassungen seien indes nicht mehr zu erwarten, betont Rieß: „Für bislang rund 1500 Stellen ist schon geklärt, dass Mitarbeiter uns entweder schon verlassen haben oder es bis 2021 tun werden, die große Welle im Rahmen des Ergo-Strategieprogramms ist also vorbei“.

Autor: VW-Redaktion

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