W&W plant Segmentwechsel an der Börse und gibt Rechnungslegung nach IFRS auf

Campus von W&W in Stuttgart. Bildquelle: W&W

Die Wüstenrot & Württembergische stellt ihre Börsenpräsenz um. Der Bauspar- und Versicherungskonzern beantragt die Einbeziehung seiner Aktie in das Freiverkehrssegment Scale der Frankfurter Wertpapierbörse. Mit dem Schritt zieht sich das Unternehmen aus dem regulierten Markt zurück und steht vor dem Abschied aus dem SDAX. Die W&W will Verwaltungskosten einsparen und administrative Hürden abbauen. Wirksam werden soll der Wechsel voraussichtlich zum 6. Oktober.

Der Wechsel in das Mittelstandssegment Scale verspricht eine spürbare Entlastung. Im Vergleich zu den strengeren Vorgaben des regulierten Marktes entfallen zahlreiche formale Anforderungen, die bislang hohe Aufwände und Komplexität verursachten, heißt es in einer Mitteilung. Künftig soll die Rechnungslegung nach dem Handelsgesetzbuch (HGB) anstelle der bisherigen IFRS-Standards erfolgen.

Die Aktie der Wüstenrot & Württembergische AG (W&W) war bislang im regulierten Markt im Teilbereich mit den höchsten Transparenzanforderungen, dem Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse, notiert und im Kleinwerte-Index SDAX vertreten. Zusätzlich bestand eine Zulassung an der Börse Stuttgart sowie Handelsnotierungen im Freiverkehr anderer Börsenplätze (wie Düsseldorf).

„Für den Vorsorgekonzern stehen langfristige Unternehmensziele und nachhaltiges Wachstum im Vordergrund. Die bisherige Verpflichtung zur IFRS-Rechnungslegung sowie umfangreiche Berichtspflichten bieten für die Unternehmensgruppe nur einen begrenzten Mehrwert“, berichtet der Konzern. Die aktuelle Eigentümer- und Unternehmensstruktur der Gesellschaft entspreche stärker den Anforderungen eines auf den Heimatmarkt ausgerichteten Konzerns.

Von den angestrebten Kosteneinsparungen sollen auch die Investoren profitieren. Vorstand und Aufsichtsrat wollen der Hauptversammlung ab dem Jahr 2027 (rückwirkend für das Geschäftsjahr 2026) eine Dividendenerhöhung um 10 Cent auf 0,75 Euro je dividendenberechtigter Aktie vorschlagen.

Die Aktie der W&W bietet eine Dividendenrendite von etwa 4,5 Prozent. Mit 67,4 Prozent ist die Wüstenrot Stiftung größter Aktionär der W&W. Lutz Helmig, Gründer der Klinikketten Asklepios und Helios, hält mehr als zehn Prozent. Rund ein Fünftel der Papiere befindet sich derzeit im Streubesitz.

W&W hat im ersten Halbjahr 2026 von Zuwächsen in den Versicherungssparten profitiert und seinen Konzerngewinn nach IFRS auf 105 Mio. Euro gesteigert (Vorjahr: 91 Mio. Euro). Mit dem Halbjahresergebnis liegt die Gruppe im Rahmen der eigenen Erwartungen. Für das Jahresziel (zwischen 120 Mio. und 150 Mio. Euro) fehlen im gesamten zweiten Halbjahr also nur noch 15 Mio. Euro. Dennoch wurde die Jahresprognose nicht angehoben. Die Immobilienkrise beim Bausparen und Schwächen in der Krankenversicherung belasten das Geschäft.

Autor: VW-Redaktion