Meyerthole Siems Kohlruss: Unternehmensspezifische Parameter im aktuellen Marktumfeld attraktiver
Während die Zahl genehmigter interner Modelle seit Jahren stagniert, steigt die Bedeutung der USP kontinuierlich. Bildquelle: David Schwarzenberg auf Pixabay
Zehn Jahre nach Einführung von Solvency II ermitteln die meisten Schaden- und Unfallversicherer in Deutschland ihren Kapitalbedarf weiterhin mithilfe des Standardmodells. Das Aufsichtsregime eröffnet den Unternehmen jedoch alternative Wege: Neben der Nutzung eines (partiellen) internen Modells nach § 111 VAG können Versicherer gemäß § 109 VAG einzelne Bausteine des Standardmodells durch unternehmensspezifische Parameter (USP) ersetzen und damit ihre individuelle Risikosituation präziser abbilden, berichten die Aktuare von Meyerthole Siems Kohlruss.
Während die Zahl genehmigter interner Modelle seit Jahren stagniert, steigt die Bedeutung der USP kontinuierlich. „Nach unseren Analysen nutzen mittlerweile 14 Unternehmen USP, um ihren Kapitalbedarf zu ermitteln. Zur Einführung von Solvency II im Jahr 2016 waren es noch sieben Versicherer. Die Nutzung (partieller) interner Modelle ist auf fünf Konzerne beschränkt. Hier ist keine Bewegung erkennbar“, erläutert Maxim Brant-Shyian, Experte für regulatorische Fragestellungen bei Meyerthole Siems Kohlruss.
Diese Entwicklung kommt nicht überraschend. USP gelten als eine Art „kleiner Bruder“ des internen Modells: Sie bieten weniger Flexibilität und sind nicht für alle Risikoklassen geeignet, lassen sich dafür aber mit deutlich geringerem Aufwand einführen und betreiben.
Besonders attraktiv sind USP für Spezialversicherer, deren Risikoprofil im Standardmodell nur unzureichend abgebildet wird. „Die Verwendung von USP ist insbesondere für Spezialversicherer interessant, die im Standardmodell mit hohen Risikofaktoren für das Prämien- oder Reserverisiko zu kämpfen haben, jedoch ein vergleichsweise wenig volatiles Geschäft betreiben“, sagt Ralf Assenmacher, Experte für USP-Genehmigungsverfahren und den Betrieb von USP bei MSK. „Bei der Einführung von Solvency II waren das Monoliner in der Sparte Rechtsschutz. Mittlerweile steht beispielsweise die Sparte Tierkranken im Fokus, nachdem die BaFin eine Klarstellung zur Einordnung dieser Sparte unter Solvency II mit entsprechenden Implikationen auf die Risikofaktoren veröffentlicht hat.“
Laut MSK zeige sich zudem, dass das Standardmodell die Risiken einzelner Versicherer nicht immer treffsicher abbilde. In einigen Fällen werden die Risikopositionen überschätzt, in anderen unterschätzt. Vor allem im heterogenen Geschäftsfeld der Feuer- und sonstigen Sachversicherung könne sich eine vertiefte Analyse lohnen, um den potenziellen Nutzen von USP zu bewerten.
Einen flächendeckenden Ansturm auf unternehmensspezifische Parameter erwarten die Experten nicht. „Ein Run auf die USP ist zwar nicht zu erwarten, da der deutsche Markt mit ca. 260 Prozent insgesamt doch gut bedeckt ist. Dennoch gehen wir nicht davon aus, dass das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Nach unserem Kenntnisstand werden wir bei der diesjährigen Jahresmeldung zum 31.12.2025 mindestens zwei weitere Unternehmen mit USP sehen“, sagt Brant-Shyian.
Autor: Michael Stanczyk
