Buffett spendet sein gesamtes 148-Milliarden-Vermögen bis 2034 – Das sind die Folgen für Berkshire und den Versicherungs-Float
Berkshire Hathaway-Chef Warren Buffett traf Pat Egan, CEO von See´s Candies, beim 2024 Aktionärstreffen. Der Süßigkeitenhersteller gehört seit 1972 zum Firmenkonglomerat aus Omaha. Bildquelle: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | John Peterson
Warren Buffetts Vermögen von rund 148 Milliarden Dollar steckt fast vollständig in Aktien von Berkshire Hathaway. Nun kündigte der Starinvestor an, bis 31. Dezember 2034 den kompletten Wert seiner Anteile auf vier ausgewählte Familienstiftungen zu übertragen. Droht damit ein Kapitalabfluss aus dem Konzern?
Ein Paukenschlag mit Ansage: Die Nachricht platzte mitten in eine der größten Spendenaktionen des 95-Jährigen. Buffett wandelte 8.000 seiner stimmrechtsstarken A-Aktien in 12 Millionen B-Aktien um, um sie an vier gemeinnützige Stiftungen zu übertragen. Der Löwenanteil von 9 Millionen Aktien ging an die Susan Thompson Buffett Foundation, während die von seinen drei Kindern geleiteten Stiftungen (Sherwood, Howard G. Buffett und Novo) jeweils eine Million Aktien erhielten. Nach dieser Transaktion hält Buffett noch 188.290 A-Aktien und 1.162 B-Aktien.
In einem Statement zur millionenschweren Spende stellte Buffett klar, dass sein verbleibendes Vermögen innerhalb der nächsten acht Jahre komplett abfließen soll. Stichtag ist der 31. Dezember 2034. Zwar gäbe es angesichts der Unberechenbarkeit des Lebens keine Garantien, doch der Plan stehe fest: Bis Ende 2034 werden seine restlichen Anteile den Stiftungen überschrieben sein – „so oder so“. Die jährlichen Zuwendungen an die Stiftungen seiner Kinder sollen kontinuierlich steigen, wobei die Stiftung seiner verstorbenen Ehefrau Susan das größte Plus verzeichnen wird.
Der Ablauf der Spende und die Folgen für den Konzern
Nach seinen jüngsten Schenkungen besitzt Buffett noch 188.290 Aktien der extrem wertvollen Klasse A (Class A) sowie eine kleine Restmenge von 1.162 Aktien der Klasse B (Class B). : Da eine einzige Aktie der Klasse A mehrere hunderttausend Dollar wert ist, entspricht dieser Aktienbestand exakt seinem geschätzten Gesamtvermögen von rund 148 Milliarden Dollar.
Buffett verkauft seine Aktien aber nicht, sondern spendet sie direkt an die Stiftungen. Konkret wandelt er seine teuren Klasse-A-Aktien schrittweise in die deutlich günstigeren Klasse-B-Aktien um (die ein Stimmrecht-Verhältnis von 1:1500 haben) und überträgt diese direkt auf die Depots der Stiftungen. Die Stiftungen selbst verkaufen die erhaltenen Aktien nach und nach an der Börse, um flüssiges Geld für ihre wohltätigen Projekte zu generieren. Auf diese Weise wird der Markt nicht auf einen Schlag mit Verkäufen überschwemmt, und der Wert von Berkshire Hathaway bleibt stabil. Da der exakte Wert der Spende vom zukünftigen Kurs der Berkshire-Hathaway-Aktie abhängt, kann die tatsächliche Summe bis 2034 sogar noch deutlich höher oder niedriger ausfallen als die aktuellen 148 Milliarden Dollar.
Wenn Buffett seine privaten Aktien spendet oder die Stiftungen diese an der Börse verkaufen, wechselt lediglich der Eigentümer der Aktien. Es fließt dabei kein einziger Dollar aus den Bankkonten oder den Versicherungsreserven von Berkshire Hathaway ab. Die rund 160 bis 170 Milliarden Dollar an Float verbleiben eins zu eins im Unternehmen und werden vom Management weiterhin nahtlos in Aktien, Anleihen oder Firmenübernahmen investiert.
Der Markt weiß im Grunde seit Jahrzehnten von diesem Plan. Da die Stiftungen die Aktien nur sehr langsam und dosiert verkaufen, droht kein Kurssturz. Bereits im vergangenen Jahr hatte Buffett das Tempo seiner Zuwendungen spürbar verschärft. Die drei von seinen Kindern geführten Familienstiftungen erhielten zunächst Anteile im Wert von jeweils rund 320 Millionen Dollar. Kurz darauf versprach Buffett ihnen weitere Tranchen im Wert von je rund 200 Millionen Dollar. Künftig sollen diese Schenkungen von Jahr zu Jahr weiter wachsen – damit das Geld dort ankommt, wo Buffett die volle Kontrolle über die Verwendung behält.
Der Bruch mit Bill Gates wegen Epstein
Die größte Überraschung dieses historischen Erbe-Abkommens betrifft die Bill & Melinda Gates Foundation. Zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten hat sich Buffett entschieden, seine traditionellen Spenden zur Jahresmitte an die Organisation des Microsoft-Gründers auszusetzen. Mehr noch: Auch in Zukunft soll die Gates-Stiftung keinen Cent mehr aus Buffetts Vermögen erhalten. Der Grund für den plötzlichen Kurswechsel liegt in den Verbindungen von Bill Gates zu dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Ursprünglich wollte er die Gates-Stiftung bis zu seinem Tod unterstützen. Nun wartet er die Ergebnisse einer internen Überprüfung ab, mit der die Gates-Stiftung ihre früheren Kontakte zu Epstein aufarbeiten und ihre Richtlinien für künftige Partnerschaften verschärfen will.
Autor: VW-Redaktion
