Hannover Re macht Gewinnsprung, Rückversicherungsumsatz sinkt

Clemens Jungsthöfel ist seit 1. April 2024 CEO der Hannover Rück. Quelle: Hannover Rück

Die Hannover Rück startet trotz eines kräftig gestiegenen Konzernergebnisses mit einem Knick in das Geschäftsjahr 2026. Wie der DAX-Konzern mitteilte, kletterte der Nettokonzerngewinn in den ersten drei Monaten um 47,9 Prozent auf 710,6 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatten noch außergewöhnliche Großschäden infolge der Waldbrände in Kalifornien das Ergebnis belastet. Diesmal profitierte der Konzern von einer vergleichsweise milden Schadenbilanz und einer starken Performance in der Personen-Rückversicherung. Der Brutto-Rückversicherungsumsatz sank um rund 500 Mio. Euro auf 6,5 Mio. Euro.

Das operative Konzernergebnis der Hannover Rück stieg in Q1 um 39,4 Prozent auf 971,1 Millionen Euro, während das Ergebnis je Aktie einen Wert von 5,89 Euro erreichte. Beim Umsatz zeigt sich jedoch ein differenzierteres Bild, das die Herausforderungen der Branche widerspiegelt. Der Brutto-Rückversicherungsumsatz sank insgesamt auf 6,5 Mrd. Euro, verglichen mit 7,0 Mrd. Euro im Vorjahr. Dieser Rückgang ist vor allem auf die Schaden-Rückversicherung zurückzuführen, wo der Umsatz bei konstanten Wechselkursen um 4,7 Prozent nachgab.

Während die traditionelle Rückversicherung ein währungskursbereinigtes Wachstum von 2,1 Prozent verzeichnete, fiel das Volumen in der Strukturierten Rückversicherung infolge der Reduktion einzelner größerer Verträge deutlich ab, heißt es in einer Mitteilung. Im Gegensatz dazu erwies sich die Personen-Rückversicherung als Wachstumstreiber und steuerte ein währungskursbereinigtes Plus von 15,0 Prozent bei.

Dass die Hannover Rück ihre Profitabilität hier derart steigerte, liegt wie bei der Konkurrenz an einer glücklichen Fügung bei den Großschäden. Mit realen Belastungen von 206,9 Millionen Euro blieb das Unternehmen weit unter dem kalkulierten Quartalsbudget von 480,3 Millionen Euro. Die teuersten Einzelereignisse waren der Wintersturm „Fern“ in Nordamerika sowie die Stürme „Kristin“ und „Leonardo“ in Marokko und auf der Iberischen Halbinsel.

Das Management in Hannover bleibt aber vorsichtig: Das nicht verbrauchte Budget wurde nicht ergebniswirksam aufgelöst, sondern für die Berechnung des Quartalsergebnisses vollständig beibehalten. Da die wirtschaftlichen Auswirkungen des Irankriegs derzeit noch nicht verlässlich abzuschätzen sind, dient dieser Puffer zur Absicherung möglicher künftiger Schadenaufwendungen.

Schwächer zeigte sich die Profitabilität des neu gezeichneten Geschäfts. Die vertragliche Netto-Servicemarge (CSM) aus dem Neugeschäft, die künftige Gewinne abbildet, reduzierte sich um 26,8 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Dies ist ein Indiz dafür, dass der Markt unter Druck gerät. Die Vertragserneuerung in der Schaden-Rückversicherung zum 1. Januar 2026 verzeichnete ein um 3,3 Prozent gestiegenes Prämienvolumen bei einem inflations- und risikoadjustierten Preisrückgang für das erneuerte Geschäft von 3,2 Prozent.

Die kombinierte Schaden-Kostenquote in der Sachsparte verbesserte sich auf 83,6 Prozent und lag damit deutlich unter der Zielmarke von 87 Prozent. Auch die Eigenkapitalrendite unterstrich mit 21,2 Prozent die aktuelle Ertragskraft und übertraf den strategischen Zielwert von 14 Prozent, wird berichtet.

Für das Gesamtjahr bleibt die Konzernführung optimistisch und bestätigt die Prognose eines Nettokonzerngewinns von mindestens 2,7 Milliarden Euro. Unterstützung kommt aus der jüngsten April-Erneuerung, bei der das Prämienvolumen um 18,8 Prozent gesteigert wurde. Für die Hannover Re nährt das die Zuversicht, das Wachstumsziel im traditionellen Geschäft auf Jahressicht zu erreichen.

In der Personen-Rückversicherung wird zudem ein Serviceergebnis von rund 925 Millionen Euro angestrebt. Voraussetzung für das Erreichen dieser ambitionierten Ziele bleibt, dass die Großschadenbelastung das Jahresbudget von 2,3 Milliarden Euro nicht wesentlich übersteigt und es zu keinen unvorhergesehenen Verwerfungen an den globalen Kapitalmärkten kommt.

Autor: VW-Redaktion