Bewegung beim Volkswohl Bund

Hauptverwaltung des Volkswohl Bundes. Quelle: Volkswohl Bund

Vergangenen Sommer feierte Dietmar Bläsing sein 40-jähriges Jubiläum beim Dortmunder Maklerversicherer Volkswohl Bund. Im April endet sein Weg in der Assekuranz wie angekündigt kurz vor seinem 65. Geburtstag. Mit dem Abgang des Managers, der sieben Jahre als Vorstandssprecher an der Spitze stand, geht das Unternehmen mit einer seltenen Konstellation in eine neue Phase. Der Vorstand besteht dann aus mehr Frauen als Männern. Als Vorstandssprecher wird Gerrit Böhm künftig das letzte Wort haben.

Denkt man an Versicherungsmanager, die es von der Ausbildung in die Vorstandsspitze geschafft haben, wird die Luft dünn. Spontan fällt Branchenbeobachtern vielleicht der Name Thomas Brahm ein. Der CEO der führenden Krankenversicherers Debeka startete 1982 als Azubi und kämpfte sich Schritt für Schritt nach oben.

Vergleichbar ist die Karriere des weniger bekannten, aber nicht weniger ambitionierten Fachmanns Dietmar Bläsing. Mit Anfang 20 zog es ihn 1983 nach Dortmund, wo er eine Ausbildung bei der Volkswohl Bund Sachversicherung absolvierte. Rasch arbeitete er sich nach oben und stieg 1989 zum Abteilungsleiter Marketing auf. Mit 38 Jahren stieg Bläsing im Jahr 1997 in den Vorstand des Versicherers auf, wo er das Vertriebsressort übernahm.

Dietmar Bläsing, Sprecher der Vorstände der Volkswohl Bund Versicherungen. Bildquelle: Unternehmen

Zu seinem Abschied in den Ruhestand schlägt Bläsing versöhnliche Töne an. Im Gespräch mit der Versicherungswirtschaft bilanzierte der 64-Jährige vor einigen Wochen, dass er rückblickend großes Glück gehabt habe, „auch bei Bauchentscheidungen fast immer richtigzuliegen.“

Ganz aus der Zeit gefallen ist das Karrieremodell Bläsings nicht – zumindest nicht bei der Volkswohl Bund. Stefanie van Holt etwa, die nach dem Abgang des Vorstandssprechers künftig dessen Vertriebsaufgaben im Vorstand übernehmen wird, arbeitet seit über 16 Jahren im Unternehmen. 2007 startete sie als Vorstandsassistentin im Bereich Vertrieb und Marketing und übernahm 2016 ihre aktuelle Rolle als Hauptabteilungsleiterin Vertriebsservice und -systeme. Im Gegensatz zu Bläsing schnupperte sie jedoch nach dem Wirtschaftsstudium für anderthalb Jahre in die Beratungswelt von Boston Consulting hinein. Dort arbeitete sie allerdings nicht im Kerngeschäft Beratung, sondern als Researcher in der Knowledge Group Insurance.

Ab Mai steht van Holt vor der Aufgabe, die Beziehungen zu Maklern zu stärken und den Servicebereich auszubauen.

Künftiges Vorstandstrio Böhm, van Holt, Carstensen-Opitz. Bildquelle: Volkswohl Bund, privat

Auf die zweite Frau im Vorstand trifft van Holt mit Celine Carstensen-Opitz. Die Aktuarin und Diplom-Mathematikerin kam unmittelbar nach dem Studium im Jahr 2009 zum Unternehmen mit Sitz am Dortmunder Südwall.  Bevor Carstensen-Opitz 2022 in den Vorstand von Volkswohl Bund und der Tochtergesellschaft Dortmunder Leben einzog, arbeitete sie unter anderem als Gruppenleiterin betriebliche Altersversorgung und als Abteilungsleiterin Mathematische Bestandsführung. Im obersten Führungsgremium leitet sie die Ressorts Bilanz- und Versicherungsmathematik, Tarifentwicklung Leben und Sach, Privatkunden Leben und Sach, Betriebliche Altersversorgung und Firmenkunden Leben sowie Firmenkunden Sach, Schaden.

Das Amt des Vorstandssprechers, wie der Posten des Vorsitzenden bei der Volkswohl Bund heißt, übernimmt ab 1. Mai Gerrit Böhm. Auch der promovierte Diplom-Kaufmann ist in seinem Berufsleben nur für die Dortmunder tätig gewesen. Seit 2007 arbeitet er für den Maklerversicherer und leitet seit 2017 die Ressorts Rechnungswesen, Controlling, IT, Betriebsorganisation, Revision und Recht. Zuvor hatte Böhm Führungspositionen im Vertrieb sowie im Rechnungswesen und Controlling inne. Seit 2021 ist der Manager zudem Aufsichtsratsvorsitzender des Maklerpools BCA.

Böhm gilt als pragmatisch denkender Versicherungsmanager, der schnelle und unkomplizierte Prozesse in den Vordergrund stellt. Eine strategische Neuausrichtung des Maklerversicherers ist unter der neuen Führungskonstellation nicht zu erwarten. Böhm sieht die Stärke des Volkswohl Bund in der Produktentwicklung und der technischen Anbindung an verschiedene Plattformen und im Service. Das soll so bleiben. In der Vergangenheit betonte der Manager zudem immer wieder, langfristig an Maklerbetreuern und menschlichem Service festhalten zu wollen.   

2022 erzielte der Volkswohl Bund Bruttobeiträge in Höhe von 1,7 Mrd. Euro, was einen Rückgang um 0,4 Prozent (1,705 Mrd. Euro) gegenüber dem Vorjahr bedeutete. Den Beitragsrückgang führte das Unternehmen damals auf eine Verminderung der Beiträge im Bereich der Lebensversicherung um insgesamt 0,6 Prozent zurück. Dieser Entwicklung stand ein Anstieg der Beiträge in der Schaden- und Unfallversicherung von 3,3 Prozent gegenüber.  Der Rohüberschuss im Konzern stieg um 22,5 Millionen Euro auf 305 Millionen Euro.

Vor drei Jahren legte der Versicherer im Rahmen des Gesetzes für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst Zielgrößen für den Frauenanteil fest. Bis 2026 gilt im Vorstand demnach eine Quote von 25 Prozent. In der ersten Führungsebene soll der Frauenanteil bis zur Folgefrist bei 17 Prozent liegen.

Autor: Michael Stanczyk