Haftpflicht-Paranoia: Praedicat warnt vor Schadenserien in den USA

Monte Carlo. Quelle: Bild von Luka Nguyen auf Pixabay

Zu den spannendsten diesjährigen Veranstaltungen des virtuellen Rendez-vous de Monte Carlo gehörte die des in Los Angeles ansässigen Analyse-Unternehmens Praedicat Inc. (Latein: “er sagt voraus bzw. warnt”). Der Ansatz von Praedicat ist die statistische Auswertung der juristischen und naturwissenschaftlichen Fachpresse.

Aus der Frequenz der Artikel zu einzelnen möglichen Haftpflicht-Ansätzen leitet Praedicat im Sinne eines Frühwarnsystems die Wahrscheinlichkeit und die Kosten künftiger von grassierender sozialer Inflation getragener Klagewellen “mass litigation” ab, die dann im Sinne eines “litigation tracking” weiter verfolgt werden.

CEO und Mitgründer Bob Reville warnte vor dem zu beobachtenden Trend zum rein statistischen, modellbasierten Beweis der angeblichen Kausalität, dies könne auch in anderen Jurisdiktionen Schule machen. Es reicht US-Geschworenengerichten aus, wenn die tatsächlichen gegenwärtigen Verhältnisse mit einer hypothetischen Situation verglichen werden, bei der das angeblich schädigende Verhalten nicht existierte. Auf dem Radar von Praedicat befinden sich u.a. die folgenden Klagewellen, von denen jede für einen Marktschaden von 50 bis 100 Mrd. Dollar gut sein dürfte.

Eine gewisse Abschottung der Assekuranz vor derartigen Schadenserien bedeuten vertragliche Klauseln:

  • Ausschluss von Allmählichkeitsschäden, Deckung nur von “sudden and accidental”
  • In zeitlicher Hinsicht: claims made basis somit kein stacking of policy limits über mehrere Haftpflicht-Policenjahre, es kann nur ein Deckungsjahr getriggert werden. 

Nach Auffassung von Praedicat sind von diesen Trends sämtliche Haftpflicht-Untersparten betroffen. Es geht insbesondere auch um Exponierungen hinsichtlich von consultants Verwaltungsratsmitgliedern, die bei fehlender disclosure Aktionärsklagen mit Schadenersatzansprüchen befürchten müssen.

Im April 2021 wählte Lloyd’s Praedicat als den Kooperationspartner aus, der die von den das Casualty-Geschäft betreibenden Syndikaten periodisch hinsichtlich der potenziellen Auswirkungen zu betrachtenden realistic casualty scenarios festlegen wird, derzeit sechs an der Zahl. Solche Standardszenarien, etwa für Erdbeben in Kalifornien, gibt es im Bereich property bereits seit vielen Jahren.

Ihre Einführung im Bereich Casualty dürfte dort eine wesentlich größere Underwriting-Disziplin erzwingen sowie auch den Einkauf von weiterem Retrozessionsschutz. Exponierungs-Einschätzungen durch Praedicat werden also künftig unmittelbare Auswirkungen auf die Haftpflichtbranche zeitigen. Die Syndicate sind hinfort gehalten ihre Portefeuille-Angaben in die Praedicat-Software upzuloaden, wo dann automatisch Kumulwerte für die einzelnen Szenarien errechnet werden.

Autor: Philipp Thomas

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