Universa-Chef Baulig: 36 Prozent LV-Wachstum soll 2020 übertroffen werden

Michael Baulig, Vorstandsvorsitzender der Universa. Quelle: Universa.

Die Universa hat kürzlich gute Zahlen präsentiert. Doch solides Zahlenwerk erzählt selten die ganze Geschichte. Zeit für ein Gespräch mit Michael Baulig. Besonders im Bereich der Vollversicherung erwartet der Vorstandsvorsitzende der Universa Zuwächse. Weiteres Wachstum prognostiziert er zudem in Leben. Der Bedarf an Vorsorge sei unverändert vorhanden.

VWheute: Wie erklären Sie sich die guten Zahlen, was war ausschlaggebend?

Michael Baulig: Zum einen konnten wir bei den Beitragseinnahmen in der Kranken- und Lebensversicherung zulegen, aber auch bei den Ergebnissen aus Kapitalanlagen über alle drei Unternehmen. Sowohl die Renten- als auch die Aktienmärkte haben sich im Geschäftsjahr 2019 sehr positiv entwickelt.

Deshalb erzielten insbesondere die Anlagen in Investmentfonds hohe Ergebnisbeiträge. Auch unsere vorsichtigen Bewertungsansätze in der Vergangenheit führten zu Zuschreibungen. Unsere Strategie, vermehrt Investitionen in Beteiligungen wie beispielsweise Infrastrukturprojekte, Erneuerbare Energien oder Immobilien zu tätigen, zahlte sich ebenfalls aus und führte zu nachhaltig guten Ergebnissen.

VWheute: 2017 war ein Rekordjahr, der aktuelle Zuwachs im Geschäftsergebnis ist groß. War 2018 eine Delle und werden künftig Ergebnis wie das von diesem Jahr Standard?

Michael Baulig: In unserem Rekordjahr erzielten viele Ergebnisquellen einen überdurchschnittlich positiven Wert. Bereits im Rahmen der Planungen war absehbar, dass dieses Rekordergebnis im Folgejahr kaum erreicht werden kann. Das Jahr 2018 war generell kein gutes Anlagejahr.

Hinzu kam ein bilanzieller Stichtagseffekt, durch den am 31. Dezember die relevanten Kapitalmarktindikatoren eher ungünstige Stände aufgewiesen haben. Das Geschäftsjahr 2019 verlief sehr positiv, vor allem auch bei den Ergebnissen aus Kapitalanlagen. Unsere strategischen Planungen und operativen Maßnahmen sind auf kontinuierliches Wachstum ausgerichtet. Schwankungen sind aber je nach wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Entwicklung der Kapitalmärkte möglich.  

VWheute: Die Bruttobeitragseinnahmen in der Krankenversicherung konnten um 3,9 Prozent auf 613,6 Millionen Euro gesteigert werden, gleichzeitig sank die Anzahl der Vollversicherten. Sind die Zuwächse auf Beitragserhöhungen oder das Zusatzgeschäft zurückzuführen?

Michael Baulig: Der Zuwachs ist auf beides zurückzuführen. Bedingt durch allgemeine Kostensteigerungen im Gesundheitswesen und durch die Leistungsausweitungen der Pflegestärkungsgesetze gab es auch bei uns Beitragsanpassungen im Bestand, die aber auf Branchenniveau lagen und die wir aufgrund guter Geschäftsergebnisse durch Einmalbeiträge für unsere Bestandsversicherten limitieren konnten. 

Im vergangenen Jahre hatten wir aber auch einen starken Zuwachs bei der Zusatzversicherung, die wir in allen Bereichen – sei es Ambulant, Stationär oder Zahn – ausbauen konnten. Vor allem unsere Zahnzusatzversicherung, die ohne Gesundheitsfragen abschließbar ist, konnte hier enorm zulegen.  Sie ist leistungsstark und vertriebsorientiert abschließbar.

Entweder per Prospektantrag, in dem alle nach dem Versicherungsvertragsgesetz erforderlichen Unterlagen enthalten sind, was das Handling für Versicherte und Berater erleichtert. Oder per Onlineabschluss ohne Unterschrift, den Vertriebspartner auch auf ihrer Homepage einbinden können. In der Vollversicherung zeichnet sich eine Trendwende ab. Die Nachfrage hat hier wieder zugenommen. Zudem haben wir eine Beratungsoffensive im Vertrieb gestartet, von der ich mir einiges erwarte.

VWheute: In der Lebensversicherung, wie viel Prozent des Wachstums gehen auf laufenden Beitrag zurück und wie viel auf Einmalbeitrag?

Michael Baulig: Von dem Beitragswachstum in der Lebensversicherung in Höhe von 4,1 Millionen Euro entfielen 3,4 Millionen Euro auf die laufenden Beitragseinnahmen und 0,7 Millionen Euro auf Einmalbeiträge. Der Zuwachs bei den laufenden Beiträgen mit 3,3 Prozent liegt deutlich über der Branche, die hier im Vergleich nur um 0,2 Prozent zulegen konnte. Das ist ein erfreulicher Wert und zeigt, dass sich immer mehr Verbraucher bei der langfristigen Vorsorge für unsere vorteilhaften Produkte entscheiden. Insgesamt konnten wir die Beitragssumme des selbst abgeschlossenen Neugeschäfts im Vergleich zum Vorjahr um 36,6 Prozent steigern.

VWheute: Was erwarten Sie im Jahr 2020 im Bereich LV?

Michael Baulig: Weiteres Wachstum, denn der Bedarf an Vorsorge ist weiter vorhanden und hier sind wir mit unseren Produkten sehr gut aufgestellt. Bei der Berufsfähigkeitsversicherung kommt unser Doppeltarifansatz für einen qualitativ hochwertigen Berufsunfähigkeitsschutz, der sich variabel gestalten und flexibel ausbauen lässt, sehr gut an. Kunden und Berater können damit die Arbeitskraftabsicherung individuell zusammenstellen und mehrere Preis-Leistungs-Optionen nutzen. Sehr starkes Wachstum haben wir auch bei der fondsgebundenen Rentenversicherung. Dort überzeugt vor allem unsere Flexibilität und hochwertige Fonds-/ETF-Auswahl und das wählbare, aktiv gemanagte Feri-Strategiedepot.  

VWheute: Welche Ziele und Meilensteine wollen Sie dieses Jahr erreichen?

Michael Baulig: Das Fundament unserer Geschäftspolitik bleibt Langfristigkeit, Verlässlichkeit und Unabhängigkeit. Wir orientieren uns als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit nicht am kurzfristigen Marktgeschehen, sondern konsequent am langfristigen Nutzen für unserer versicherten Mitglieder. Mit einem umfassenden Strategieprogramm zur digitalen Transformation haben wir die Weichen für die Zukunft gestellt, um uns weiter als moderner, serviceorientierter Anbieter am Markt zu behaupten.

Hier arbeiten wir weiter konsequent und mit Hochdruck daran. In der Krankenversicherung erwarte ich mir eine Belebung des Vollversicherungsgeschäftes. Für den Vertrieb sehe ich hier günstige Absatzchancen. Aber auch bei unserer neuen Privathaftpflichtversicherung, die gleich zum Start zum Produkt des Monats von Focus Money Versicherungsprofi ausgezeichnet wurde und von Ascore mit 44 von 45 möglichen Scoring-Punkten die Bestbewertung erhielt, sehe ich enormes Potenzial. Hier haben wir zur Spitzenklasse im Markt aufgeschlossen und sind auch für Makler interessant, für die wir eine Onlinedeckungsauftrag anbieten.  

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz.

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