Wenn der Rentner die Personallücke beim Versicherer schließen muss

Hanspeter Mangold, Quelle: privat.

Die Bevölkerung schrumpft und damit auch der Pool an Fachkräften. Das gilt natürlich auch in der Versicherungsbranche. Hanspeter Mangold, Geschäftsführer Bildungsinstitut der Versicherungswirtschaft Württemberg, will diesem Umstand mit nachberuflicher Beschäftigung im Projekt „InIn“ begegnen. Die Pensionäre sollen es also richten.

Offenbar suchen die Versicherer händeringend Personal. Bei Michael Niebler, Geschäftsführer Arbeitgeberverband der Versicherungen, habe ein Geschäftsführer angerufen, der einen Leiter für sein Rechnungswesen suchte, erklärte selbiger gegenüber dem Verbandsmagazin vis a vis (Juli / August 2019). Der Kandidat könne auch ruhig bereits „im Ruhestand“ sein. Fälle wie dieser zeigen, dass Jugend nicht alles ist und Mangolds Pläne durchaus greifen könnten.

VWheute: Was ist denn so interessant an diesem Thema?

Hanspeter Mangold: Es gibt aktuell in der Branche zwei Trends. Unternehmen haben Vakanzen, wie das Beispiel von Herr Niebler zeigt. Dies liegt auch daran, dass zunehmend Personal – sei es über Vorruhestandsprogramme oder Strukturänderung – abgebaut wird. Auf der anderen Seite gibt es vermehrt Rentner, die im Job aufhören, sich noch nicht zum alten Eisen zählen und sich noch engagieren wollen. Oder die schlicht zur Rente noch was hinzuverdienen wollen.

VWheute: Aber gibt es das nicht bereits?

Hanspeter Mangold: Sie haben Recht, bei Großfirmen im Raum Stuttgart werden bei Daimler und Bosch ehemalige Mitarbeiter als „SpaceCowboys“ nach Verrentung in ihren Fachgebieten temporär eingesetzt. Gerade das über viele Jahre angeeignete Fachwissen der Rentner ist für die Unternehmen Gold wert, weil sie kurzfristig auf bewährtes Fach-Knowhow zugreifen können.

VWheute: Welchen Mehrwert bieten Sie dann mit Ihrer Dienstleistung?

Hanspeter Mangold: Es gibt einen Haken bei der Sache: Die Unternehmen können die Ruheständler in der Regel nur unbefristet einstellen. Da die Rentner aber vor allem projektbasiert und befristet eingesetzt werden sollen, gibt es nur den Weg über die Arbeitnehmerüberlassung, sprich: Zeitarbeit. Und eigene Zeitarbeitsfirmen wie Bosch und Daimler können oder wollen die Versicherungsunternehmen nicht aufbauen.

VWheute: Und wie funktioniert dann Ihr Modell?

Hanspeter Mangold: Wir möchten die Unternehmen ermuntern, mit ihren ausscheidenden Mitarbeitern, die für das Unternehmen von Interesse sind, ins Gespräch zu kommen. Können sie sich einen befristeten Einsatz nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses vorstellen, dann stellen wir den Kontakt zu ihnen her und vermitteln sie bei Bedarf an die Unternehmen. Und, wir stiften Nutzen auf beiden Seiten in dem wir zum ausgeschiedenen Mitarbeiter Kontakt halten und ggf. auch Schulungsbedarf befriedigen.

VWheute: Gibt es bereits erste Erfahrungen?

Hanspeter Mangold: Ja, und zwar durchaus erfreuliche. Wir konnten eine ehemalige Sachbearbeiterin Gehaltsabrechnung platzieren. Sie selbst wollte eigentlich nur Teilzeit arbeiten, auch der suchende Vorgesetzte hatte Vorbehalte zum Einsatz. Dann ging alles so reibungslos, dass das Arbeitsverhältnis auf Vollzeit aufgestockt wurde. Nach einem halbjährigen Einsatz ist die Dame wieder in Vollzeit tätig.

Mehr zum Projekt „InIn“ finden Sie HIER.

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