Arag: Verkauf der Lebensversicherung schon überwunden

Paul-Otto Faßbender. Quelle: usk

Die Arag SE hat den 2017 durchgeführten Verkauf der Lebensversicherungssparte schon in diesem Jahr überwunden. „Die Beitragsverluste wurden durch einen starken Zuwachs in 2019 klar überkompensiert“, sagte der Vorstandsvorsitzende Paul-Otto Faßbender anlässlich der Vorstellung erster Wirtschaftsdaten. Der Versicherer wird 2019 die Beitragseinnahmen um sechs Prozent auf 1,75 (Vorjahr: 1,65) Mrd. Euro steigern. Der Gewinn vor Steuern soll nach erster Schätzung bei über 100 (Vorjahr: 70,2) Mio. Euro liegen.

„Das ist eine historische Bestmarke“, so Faßbender. Für 2019 rechnet die Arag damit, dass der inländische Rechtsschutzmarkt um 2,5 Prozent wachsen wird. Selbst konnte die Assekuranz ihr Kerngeschäft um 5,8 Prozent steigern. Die Beitragseinnahmen für selbst abgeschlossene Rechtschutzversicherungen in Deutschland stiegen auf 394 Mio. Euro.

Beitragserhöhungen spielen dabei im Gegensatz zu früheren Jahren nur zu rund zehn Prozent eine Rolle. Neue Verträge wurden vor allem durch unabhängige Vermittler und über große Pools abgeschlossen. Ihr Anteil beträgt derzeit 45 Prozent, während die Ausschließlichkeit nur auf 32 Prozent kommt. Die Vertriebsleistung ist angesichts einer Stornoquote von rund sieben Prozent umso bedeutender.

Automatische Schadenregulierung

Die Arag setzt beim Verkauf immer stärker auf digitale Technik, vor allem auf eine bedienungsleichten Direktabschluss über die Homepage des Unternehmens. Noch ist der Anteil der Kunden, die direkt online einen Vertrag abschließen, mit 14 Prozent aber relativ gering. Seit Sommer 2019 gibt es auf der Arag-Homepage eine vollautomatische Prüfung, ob ein Rechtsschutzfall versichert ist. Der sogenannte Bot, ein Computerprogramm, gibt direkt Auskunft, ob die Assekuranz die Kosten für den Streitfall trägt und leitet den Fall dann direkt an einen Anwalt weiter.

„Sollte es zu einer Ablehnung kommen, wird der Fall aber von einem Menschen bearbeitet“, erläuterte Arag-Vorstand Matthias Maslaton. Eine automatische Ablehnung gebe es nicht. Wer bei der Arag krankenversichert ist, kann bei seelischen Erkrankungen ebenfalls schnelle Hilfe über ein Computerprogramm bekommen. „Bei schweren Depression hilft das natürlich nicht“, sagte Roland Schäfer, Vorstand der Arag Krankenversicherung. Daher hat die Arag mit einem Ärztenetzwerk eine Kooperation aufgebaut. „Wir garantieren, dass die Betroffenen dann innerhalb von zehn Tagen einen Termin bei einem Psychotherapeuten erhalten.“

Reiseversicherung mit Rechtsschutz

Ende Januar 2020 wird die Arag eine eigene Reiseversicherung anbieten. Neben Kurzzeitpolicen für 90 Tage und ein spezielles Angebot für Rucksachtouristen gibt es ein Top-Produkt mit Jahresschutz. Teilweise enthalten die Tarife einen zusätzlichen Reisevertragsrechtsschutz. „Wir wissen, dass es um Reisen viel Streit gibt und rechnen hier mit etlichen Schadenfällen“, so Maslaton.

Doch innerhalb der Kombi-Police sei ein solches Angebot möglich. Die Familienpolice Reiseprotect 365 soll pro Jahr rund 300 Euro kosten. Gut entwickelt haben sich neue Tarife in der privaten Krankenversicherung (PKV). Im letzten Quartal konnten bereits rund 1000 der neuen Vollkostentarife abgesetzt werden. Die Arag verweist auf das noch immer große Neugeschäftspotential. Jährlich würden bundesweit rund 280.000 Vollschutzpolicen neu abgeschlossen.

Dieselskandal: Belastung geht weiter

„Wir rechnen damit, dass uns der Dieselskandal mindestens 30 Millionen Euro kosten wird“, sagte Arag-Vertriebsvorstand Maslaton. „Das gilt aber nur, wenn viele der künftigen Verfahren gut verglichen oder gewonnen werden.“ Derzeit hat die Arag Rechtsschutzversicherung fast 10.000 Kunden im Dieselskandal gegen die Automobilindustrie unterstützt. In rund 9.000 Fällen ging es dabei um einen Streit gegen den Volkswagenkonzern. „Der Dieselskandal wird die Rechtsschutzversicherer noch lange begleiten“, schätzt daher Maslaton. Weiterhin gehen allein bei der Arag pro Tag rund 20 neue Fälle zum Dieselskandal ein.

Autor: Uwe Schmidt-Kasparek

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