Nach Staudammbruch: Angehörige verklagen Manager von TÜV Süd
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Trocknender Schlamm liegt hoch in einem Haus, das von der Schlammlawine betroffen ist, die durch den gebrochenen Staudamm "Córrego do Feijão" des Bergbauunternehmens Vale ausgelöst wurde. Das Unglück hat viele Menschen getötet. Quelle: dpa / Picture-Alliance

Der verheerende Staudammbruch in Brasilien Anfang des Jahres 2019 könnte nun auch ein juristisches Nachspiel: Hinterbliebene der mindestens 251 Toten verklagen nun einen deutschen Manager des TÜV Süd. Ihm wird fahrlässige Tötung, die fahrlässige Herbeiführung einer Überschwemmung und Bestechung vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft München entscheidet nun über die Zulassung der Klage.

Wie das Nachrichtenmagazin Spiegel Online berichtet, haben fünf Ehefrauen, Mütter und Töchter mehrerer Opfer gemeinsam mit dem Europäischen Zentrum für Verfassungs- und Menschenrechte (ECCHR) sowie dem katholischen Hilfswerk Misereor eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft München eingereicht. Auch der TÜV Süd steht im Fokus der Ermittlungen: Die Kläger werfen dem Unternehmen “Verletzung von Aufsichtspflichten” vor, was allerdings als Ordnungswidrigkeit gewertet wird.

Im Januar 2019 war bei einem Lawinenunglück der Abraumdamm I der Eisenerzmine Corrégo do Feijão des Rohstoffmultis Vale nahe der Stadt Brumadinho gebrochen. Bei der darauffolgenden Schlammlawine kamen mindestens 251 Menschen ums Leben. Weitere 21 Menschen gelten seitdem als vermisst, sind aber wohl ebenfalls bei dem Unglück ums Leben gekommen.

Noch einige Monate vor dem Unglück hatten brasilianische TÜV-Mitarbeiter den Staudamm begutachtet und als stabil zertifiziert. Deren Vorgesetzter war der beschuldigte deutsche TÜV-Süd-Manager. Sowohl das Unternehmen selbst als auch der betroffene Manager wollten sich laut Bericht nicht zu den Vorwürfen äußern.

Von dem Unglück in Brasilien sind auch einige deutsche Versicherer betroffen. Medienberichten zufolge war der betroffene Bergwerkkonzern Vale bei einem Rückversicherungskonsortium unter der Führung der Allianz versichert. Die Höhe der Police soll dabei zwischen 500 Mio. und zwei Mrd. Euro liegen. Zudem habe sich Vale auch gegen Schäden an eigenen Einrichtungen und Betriebsunterbrechungen versichert.

Allerdings sei die Höhe der Zahlungen durch die betroffenen Versicherer – unter anderem auch wegen hoher Selbstbehalte – auf 100 Mio. Euro beschränkt. Daher verwundert es wenig, dass sowohl Vale als auch die Geschädigten entsprechende Entschädigungszahlen beim TÜV Süd geltend machen.

Für den betroffenen TÜV-Süd-Manager bleibt im Falle einer Zulassung der Klage zu hoffen, dass dieser auch über eine gute D&O-Police verfügt.

Autor: VW-Redaktion

Ein Kommentar

  • Aus meiner Sicht dürfte dieser Sachverhalt eher ein Thema für die Betriebshaftpflichtversicherung sein, in der typischerweise auch die persönliche gesetzliche Haftpflicht von Mitarbeitern versichert wird.

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