Niederländischer Versicherer zieht Notbremse bei China-Autos

Zeekr gehört zum riesigen chinesischen Autokonzern Geely (Zhejiang Geely Holding Group). Zu diesem Konzern gehören auch weltbekannte Marken wie Volvo, Polestar, Lotus und die Londoner Taxis. (Bildquelle: Zeekr)

Der niederländische Versicherungsverein Univé nimmt für zahlreiche chinesische Fahrzeugmarken keine Neukunden mehr auf. Als Grund nennt der Assekuranz-Riese erhebliche Lücken in der Ersatzteilversorgung, ausufernde Lieferzeiten sowie ein unzureichend ausgebautes Werkstattnetz. Selbst kleinere Blechschäden drohen dadurch zu einem unkalkulierbaren Kostenrisiko zu werden.

Der Neukunden-Stopp trifft eine Reihe aufstrebender Automarken aus Fernost. So verweigert Univé den Vollschutz unter anderem für Modelle von Hongqi, Changan, Voyah, Leapmotor, Jaecoo, MHero und Omoda. Doch das Problem beschränkt sich nicht nur auf China: Auch andere Markteinsteiger mit schwacher Service-Infrastruktur – wie VinFast aus Vietnam oder der südkoreanische Hersteller KGM – stehen auf der Blacklist, das berichtet L’Automobile Magazine.

Bei weiteren Herstellern wie Nio, Zeekr, Dongfeng, Firefly oder der US-Marke Lucid zeigt sich der Versicherer ebenfalls zurückhaltend: Für sie wird lediglich die gesetzlich vorgeschriebene Kfz-Haftpflicht angeboten, eine Kaskodeckung für Schäden am eigenen Fahrzeug wird abgelehnt. Bestandskunden sind von den Verschärfungen vorerst nicht betroffen; ihre Policen laufen unverändert weiter.

„Wenn Ersatzteile, technischer Support und ein gutes Reparaturnetz fehlen, können selbst kleinere Schäden zu langen Wartezeiten und unerwarteten Kosten führen“, begründet Univé-Manager Henkjan Matthijs den Schritt. Die hohe Unsicherheit bei der Abwicklung mache eine vollumfängliche Absicherung derzeit unmöglich. Nicht alle chinesischen Hersteller werden über einen Kamm geschoren. Große Marken wie BYD und vor allem MG sind von den Beschränkungen ausgenommen, da sie in den vergangenen Jahren bereits eine solide Logistik und ein starkes Kundendienst-Netzwerk in Europa aufgebaut haben.

Das Vorgehen hat Signalwirkung für ganz Europa, denn auch in Deutschland kommen chinesische Autos bei der Kfz-Versicherung häufig schlecht weg. Den Assekuranzen fehlen oft schlicht Erfahrungswerte zu Schadenhäufigkeit, Diebstahlrisiko und Reparaturaufwand.

Nach Untersuchungen von Auto Bild und dem Vergleichsportal Verivox waren ein Großteil der untersuchten China-Modelle in der Versicherung spürbar teurer als vergleichbare europäische oder etablierte asiatische Konkurrenten. Der Grund liegt in den hohen Typklassen: Bricht die Lieferkette ab oder müssen Ersatzteile teuer eingeflogen werden, treibt das die Reparatur- und Mietwagenkosten massiv in die Höhe.

Autor: VW-Redaktion