Willis warnt vor politischer Polarisierung
Bild von mohamed Hassan auf Pixabay.
Die weltweite politische Polarisierung hat einen historischen Höchststand erreicht. Damit verbunden sind zunehmende Gewalt und unberechenbare Schwankungen in der Regierungspolitik vieler Staaten. Auch auf Unternehmensebene birgt das neue Risiken. Das zeigt der aktuelle Political Risk Index von Willis.
„Polarisierung und Populismus nehmen sowohl in den USA und Europa als auch in den Schwellenländern zu“, sagt Silja-Leena Stawikowski, Senior Account Manager Special Risks bei Willis. „Für Betriebe ergeben sich daraus eine Reihe von Risiken.“
Der halbjährlich erscheinende Political Risk Index nimmt die weltweite Polarisierung in den Fokus und analysiert ihre Ursachen und Folgen. „Polarisierung mag nicht so offensichtlich bedrohlich wirken wie der Ukrainekrieg oder so unmittelbar wirtschaftlich spürbar wie Zollveränderungen“, erklärt Stawikowski. „Doch sie ist persönlicher – das erschwert nicht nur die Risikobewertung und Schadenvermeidung für Unternehmen, sondern beeinflusst auch das Miteinander, etwa in Belegschaften, unter Geschäftspartnern oder in Netzwerken.“
Besonders auffällig: Menschen entwickeln gegenüber Anhängern gegnerischer Parteien oder Gruppen zunehmend feindselige Einstellungen. Diese „affektive Polarisierung“ hat seit 2000 deutlich zugenommen und erreicht 2025 einen Höchststand. „Für Unternehmen rückt damit das Thema Polarisierung unter den politischen Risiken auf Platz zwei vor – direkt hinter dem geostrategischen Wettbewerb zwischen rivalisierenden Großmächten“, so Stawikowski.
Am stärksten polarisiert sind Länder mit gewaltsamen politischen Konflikten. Doch gerade in Demokratien nimmt die affektive Polarisierung derzeit am schnellsten zu. Nicht nur in Schwellenländern wie Brasilien, Indien, Peru oder Südafrika, sondern auch in etablierten Demokratien wie Deutschland, Spanien oder den USA.

Die Risikoexperten von Willis haben Daten aus rund 200 Ländern seit 1900 ausgewertet. Zentrale Ergebnisse:
- In Demokratien folgten Polarisierungsschübe meist auf Wirtschaftskrisen oder Korruptionsskandale, häufig begleitet von einer Zunahme populistischer Bewegungen und politischer Gewalt.
- Besonders hoch ist die Polarisierung in Staaten, in denen der politische Wettbewerb ethnisch oder religiös geprägt ist.
- Lang regierende Politiker und populistische Führungsfiguren verschärfen die Spaltung, etwa in Pakistan, Tunesien oder Thailand.
- Auch geopolitische und außenpolitische Differenzen wirken polarisierend.
„Gewalt, Bürgerkrieg, innere Unruhen – das sind die klassischen Risiken, bei denen eine Versicherung gegen politische Risiken greift“, sagt Stawikowski. „Trotz wachsender Nachfrage sind risikoangemessene Prämien möglich – dank verfügbarer Kapazitäten und neuer Anbieter.“ Auch Finanzierungsinstrumente wie Bürgschaften und Garantien zur Unterstützung internationaler Geschäfte verzeichnen eine steigende Nachfrage.
Neben Sachschäden mahnt Willis, auch nicht-physische Risiken ernst zu nehmen. Dazu zählen nachträgliche Steuerforderungen, Lizenzentzug, erzwungene Geschäftsaufgaben, Kapitalverkehrsbeschränkungen oder administrative Blockaden staatlicher Stellen. Solche Eingriffe können die Geschäftskontinuität erheblich gefährden und die Reputation von Unternehmen beschädigen.
Autor: VW-Redaktion
