Gallagher Re: Unwetterschäden in Q1 vergleichsweise niedrig

Wie aus dem aktuellen „Natural Catastrophe and Climate Report“ des Rückversicherungsmaklers Gallagher Re hervorgeht, summierten sich die wirtschaftlichen Gesamtschäden aus Naturkatastrophen im ersten Quartal 2026 auf mindestens 58 Milliarden US-Dollar. Bildquelle: Jim Black auf Pixabay

Das erste Quartal 2026 bescherte der Weltwirtschaft zwar zahlreiche Naturkatastrophen, doch die finanzielle Bilanz für die Versicherungswirtschaft fällt überraschend moderat aus, berichtet Gallagher Re in einem Report. Während Rekordtemperaturen und schwere Winterstürme gesellschaftliche Spuren hinterließen, blieben die versicherten Schäden unter dem langjährigen Mittel. Doch Experten warnen: Mit dem heraufziehenden Wetterphänomen El Niño könnte sich das Blatt im Sommer wenden.

Die globale Versicherungswirtschaft blickt auf drei Monate relativer Entspannung zurück. Wie aus dem aktuellen „Natural Catastrophe and Climate Report“ des Rückversicherungsmaklers Gallagher Re hervorgeht, summierten sich die wirtschaftlichen Gesamtschäden aus Naturkatastrophen im ersten Quartal 2026 auf mindestens 58 Milliarden US-Dollar. Das klingt nach einer gewaltigen Summe, liegt jedoch signifikant – nämlich um 12 Prozent – unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre, der bei 67 Milliarden Dollar notiert.

Noch deutlicher zeigt sich die Entlastung bei den versicherten Schäden. Die private und öffentliche Versicherungswirtschaft musste für Schäden in Höhe von mindestens 20 Milliarden Dollar aufkommen. Dies entspricht einem Rückgang von 26 Prozent gegenüber dem Dekadendurchschnitt von 26 Milliarden Dollar. Damit festigt sich ein Trend: Es ist das vierte Quartal in Folge, in dem die versicherten Schäden unter der Marke von 40 Milliarden Dollar blieben. Die längste derartige Ruhephase seit dem Zeitraum von Anfang 2019 bis Mitte 2020.

Für die Branche ist dies eine willkommene Atempause. Die Katastrophenbudgets der (Rück-)Versicherer sind für das restliche Jahr noch weitgehend unangetastet. „Die Branche befindet sich nun in einer noch stärkeren Position, um potenzielle künftige Großereignisse oder die Anhäufung häufigerer mittelgroßer Ereignisse zu verkraften“, heißt es in dem Bericht. Die Kapazitäten am Rückversicherungsmarkt sind auf Rekordniveau, was bei schadenfreien Programmen bereits zu Prämiensenkungen von 15 bis 25 Prozent führte.

Doch die Analysten mahnen zur Vorsicht. Es bedürfe lediglich eines einzelnen Ereignisses oder einer Serie großer Stürme mit einem versicherten Schaden von 115 bis 125 Milliarden Dollar, um die Preisspirale im Sachversicherungssektor wieder nach oben zu drehen.

Europa: Windstürme ohne den „großen Knall“

Trotz der insgesamt moderaten Zahlen gab es regional heftige Ausschläge. Besonders Europa erlebte einen stürmischen Jahresbeginn. Die Serie der europäischen Winterstürme sorgte für das wirtschaftlich teuerste erste Quartal seit dem Jahr 1999. Allein die Stürme „Kristin“ (Ende Januar) sowie „Leonardo“ und „Stephie“ (Anfang Februar) verursachten wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe.

Interessant ist jedoch die Diskrepanz zwischen ökonomischem Schaden und versicherter Last: Während die wirtschaftlichen Kosten für die europäischen Windstürme auf 22 Milliarden Dollar geschätzt werden, blieb ein „Billion-Dollar-Event“ für die Versicherungsindustrie in dieser Sparte aus. Das letzte Ereignis dieser Größenordnung in Europa war der Sturm „Kyrill“ im Jahr 2007. Dies wirft in der Branche die Frage auf, ob das Risiko europäischer Windstürme weiterhin als sogenanntes „Peak-Peril“ – also als eines der bedrohlichsten Spitzenrisiken – eingestuft werden muss.

USA: Winterwetter und ein heißer März

In den Vereinigten Staaten war das Bild zweigeteilt. Der Januar und Februar waren geprägt von massiven Winterstürmen. Mit versicherten Schäden von über 6,6 Milliarden Dollar ist 2026 bereits jetzt das drittteuerste Jahr für US-Winterwetterschäden überhaupt. Besonders ein Arktis-Einbruch Ende Januar („North American Storm Complex“) hinterließ in über zwei Dutzend Bundesstaaten eine Spur der Verwüstung und forderte mindestens 174 Todesopfer. In Florida führten Frostperioden zudem zu schweren Verlusten in der Landwirtschaft; der Schaden an Zitrusfrüchten und Zuckerrohr wird auf 3,2 Milliarden Dollar beziffert.

Im März wendete sich das Wetterextrem: Während die Ostküste zitterte, erlebte der Westen eine historische Hitzewelle. An vier Stationen in Kalifornien und Arizona wurden Rekordwerte von 44,4 Grad Celsius (112 °F) gemessen – ein Allzeitrekord für den Monat März. Gleichzeitig stieg die Aktivität schwerer Gewitter. Ein schwerer Ausbruch zwischen dem 10. und 12. März, der 106 Tornados in 14 Bundesstaaten hervorbrachte und Hagelkörner von der Größe einer Grapefruit produzierte, kostete die Versicherer allein 2,3 Milliarden Dollar.

El Niño im Anmarsch

Die meteorologischen Daten des ersten Quartals unterstreichen den langfristigen Erwärmungstrend. Laut der US-Klimabehörde NOAA war es das viertwärmste erste Quartal seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1850. Die globale Temperatur lag um 1,39 Grad Celsius über dem vorindustriellen Durchschnitt.

Besorgniserregend blicken Wissenschaftler und Versicherer auf die kommenden Monate. Es besteht eine 90-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass sich bis Juni oder Juli ein starkes El-Niño-Phänomen ausbildet. Während dies historisch oft zu einer geringeren Hurrikan-Aktivität im Atlantik führt, steigt das Risiko für schwere Stürme im Pazifik und extreme Wetterereignisse in anderen Teilen der Welt. Die Wahrscheinlichkeit, dass 2026 als eines der fünf wärmsten Jahre der Geschichte endet, liegt laut NOAA bei fast 99 Prozent.

Für die Versicherungswirtschaft bedeutet dies: Die aktuelle Ruhe ist trügerisch. Die strukturellen Risiken durch Inflation, steigende Baukosten und die zunehmende Besiedlung gefährdeter Gebiete sorgen dafür, dass selbst moderate Wetterereignisse heute deutlich höhere Kosten verursachen als noch vor zwei Jahrzehnten.

Autor: VW-Redaktion