Pooth verklagt Makler: „Ich habe meine Beiträge immer bezahlt, und die waren hoch. Trotzdem heißt es heute, ich sei unterversichert gewesen“

Verona Pooth und Sohn San Diego Pooth (Bildquelle: Free press image (c) Sabine Brauer/Hubert Burda Media/flickr/https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/deed.de)

Bei Verona Pooth wurde 2021 an Heiligabend in ihre Villa in Meerbusch bei Düsseldorf eingebrochen. Der Gesamtschaden durch den Diebstahl von Schmuck, Bargeld und Wertsachen wurde auf etwa eine Million Euro geschätzt. Der Versicherer Helvetia erstattete nur einen Teilbetrag. Pooth gibt dafür ihrem Versicherungsmakler die Schuld und verklagt ihn wegen angeblicher Falschberatung.

Es sollte ein besinnliches Fest werden, doch der Heiligabend 2021 endete für Verona Pooth in einem Albtraum. Ein Einbruch raubte der 57-jährigen Unternehmerin ihren gesamten Schmuck – ein Millionenvermögen. Trotz der Sicherung von DNA-Spuren kurz nach dem Einbruch führten die Ermittlungen zu keiner konkreten Bande. Im Juli 2022 stellte die Staatsanwaltschaft Düsseldorf die Ermittlungen ein, da die Täter nicht identifiziert werden konnten. Die gestohlenen Wertgegenstände blieben verschwunden.

Da der Versicherer Helvetia nur einen Teil des Schadens regulierte, wurde am Montag vor dem Landgericht Düsseldorf geklärt, ob ihr Versicherungsmakler sie falsch beraten habe. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf ein Problem, das viele Besitzer von Sachwerten unterschätzen: die Unterversicherung. Laut Pooth belief sich der Wert der gestohlenen Stücke – darunter Diamanten, Gold und Markenuhren von Rolex und Cartier – auf über eine Million Euro. Die Helvetia Versicherung zahlte jedoch nur einen Bruchteil dieser Summe. Der Grund: Der bestehende Vertrag deckte den tatsächlichen Wert der Sammlung offenbar nicht ab.

Gegenüber Bild betonte die Moderatorin, dass es bei dem Rechtsstreit nicht um oberflächlichen Glanz gehe. „Ich habe über 25 Jahre mein ganzes Geld in Schmuck investiert. Das war mein Lebenswerk“, so Pooth. Während andere in Immobilien oder Aktien investieren, habe sie gezielt auf hochwertige Sachwerte zur Altersvorsorge gesetzt – alles selbst erarbeitet, ohne Erbe oder wohlhabenden Hintergrund.

Im Zentrum des Prozesses steht Dietmar B., der Pooth über ein Jahrzehnt lang als Makler betreute. Die Unternehmerin zeigt sich tief enttäuscht: Sie habe sich auf seine Expertise verlassen und fühle sich nun im Stich gelassen. Die 57-Jährige und ihr Mann fordern laut einer Sprecherin des Landgerichts Düsseldorf knapp 700.000 Euro vom Makler. Ihr Vorwurf: Der Makler habe es versäumt, die Versicherungssumme den steigenden Werten ihrer Sammlung anzupassen. Es sei nur Schmuck im Wert von rund 650.000 Euro versichert gewesen. Der Makler bestreitet die Vorwürfe der Falschberatung vehement. Sollte das Gericht jedoch Pooth recht geben, müsste dessen Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung für die Differenz aufkommen. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass es zu einem Vergleich kommt.

Der Vorwurf: Listen im Nirvana verschwunden?

Für Verona Pooth war Prozessbeginn am Montag eine enorme psychische Belastung. Sie ist persönlich vor Gericht erschienen und schilderte ihre Version der Dinge. Im Zentrum ihrer Ausführungen stand ein ganz bestimmtes Objekt: Ein Schnellhefter mit Klarsichtfolien. Laut Pooth enthielt dieser Ordner eine akribisch aktualisierte Liste ihrer wertvollen Schmuckstücke und Luxusuhren. Diesen habe sie ihrem langjährigen Makler Dietmar B. bereits vor sechs oder sieben Jahren – etwa zum Zeitpunkt ihres Einzugs in die Villa in Meerbusch – persönlich übergeben. „Ich glaube, dass das nicht richtig eingereicht wurde“, gab Pooth im Gerichtssaal zu Protokoll. Die Geschäftsbeziehung zu dem Makler reiche bis in das Jahr 2015 zurück; bereits damals sei eine erste Liste übermittelt worden. Für Pooth war klar: Jedes neue Diamantcollier und jede neue Rolex sei durch die Übergabe des Schnellhefters ordnungsgemäß „angemeldet“ gewesen.

Die Helvetia hat ihr inzwischen gekündigt, was Pooth als weiteren Schlag empfindet. „Ich sehe mich in dieser Situation tatsächlich als Opfer“, erklärt sie der Bild. Mit Quittungen, Zertifikaten und Fotos will sie nun vor den Düsseldorfer Richtern beweisen, dass sie alles richtig gemacht hat – und die Verantwortung für die Unterversicherung allein bei ihrem Berater liegt. „Ich habe meine Beiträge immer bezahlt, und die waren hoch. Trotzdem heißt es heute, ich sei unterversichert gewesen.“

Autor: VW-Redaktion

Ein Kommentar

  • Horst-Ulrich Richter

    Das ist ein Problem. Auch des Nachweises des Wertes.Nicht bekannt ist, wo der Schmuck gelagert wurde.
    Was sagen die Prokolle? Ich bin lange Jahre Versicherungsmakler gewesen und hätte dieses Risiko wahrscheinlich nicht versichert.
    UND: einer meiner Kunden hatte eine 100% Hausratpolice nach Wohnfläche
    einen Schmuckschaden von 100.000 €, limitiert war Schmuck versichert jedoch nur bis max. 20.000 €.
    Ich zeigte ihm den deutlich sichtbaren Passus. Darauf wollte er den Makler verklagen.

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