Vorstandsbeben bei polnischem Spitzenversicherer PZU

PZU ist der größte und wichtigste Versicherungsplayer in Polen. Quelle: PZU

Letzten Dezember wurde das liberale Kabinett mit dem früheren EU-Ratspräsidenten Donald Tusk als polnischen Regierungschef bestätigt. Die seit 2015 regierende national-konservative Partei „Recht und Gerechtigkeit (PiS) wurde durch ein politisches Dreierbündnis abgelöst. Erwartungsgemäß beginnt jetzt das große Stühlerücken in der Wirtschaft – allen voran beim Spitzenversicherer PZU. Die Chefin und fünf ihrer Vorstandskollegen wurden am Wochenende gefeuert. Mit einer Beteiligung von 34,1 Prozent ist der Staat Hauptaktionär bei der PZU.

Freitag Nacht soll Beata Kozłowska-Chyla von ihrem Amt als Vorstandsvorsitzende der PZU entbunden worden sein. Die 54-jährige Managerin hatte das Amt seit Oktober 2020 inne. Im Vorstand des führenden polnischen Versicherers saß sie seit 2007. Mit Ernest Bejda, Małgorzata Kot, Krzysztof Kozłowski, Piotr Nowak und Małgorzata Sadurska wurden fünf weiter Manager aus dem Führungsgremium gefeuert.

PZU-Ex-Chefin Beata Kozłowska-Chyla. Bildquelle: PZU

Anita Elżanowska bekleidet das Amt der Vorstandsvorsitzenden interimistisch. In nicht mehr als drei Monaten soll eine langfristige Nachfolgelösung stehen. Michał Bernaczyk rückt vorübergehend in den Vorstand. Auch er soll nur für einen Zeitraum von drei Monaten bleiben.

Die Juristin Elżanowska verfügt über 23 Jahre Berufserfahrung in der Rechtsberatung und in der öffentlichen Verwaltung. In ihrer eigenen Anwaltskanzlei spezialisiert sie sich u.a. anderem in den Bereichen Vergabeverfahren und Unternehmensdienstleistungen. Sie leitete Projekte als Expertin der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, war Vizepräsidentin des Amtes für öffentliches Auftragswesen, Leiterin des Ausschreibungsbüros der Liquid Fuels Logistic Operator und arbeitete von 2000 bis 2007 im Amt für öffentliches Auftragswesen.

Bernaczyk ist Rechtsberater und Professor an der Universität Breslau. Er schloss sein Studium der Rechtswissenschaften 2003 mit einem Master ab, promovierte 2007 zum Doktor der Rechtswissenschaften und 2015 zum Doktor der Rechtswissenschaften.

Mitte Februar hat die außerordentliche Hauptversammlung der PZU gravierende Änderungen an der Zusammensetzung des Aufsichtsrats des Versicherers vorgenommen. Sieben Aufsichtsratsmitglieder wurden entlassen und neun neue ernannt. Die Mitglieder des Aufsichtsrates sind Wojciech Olejniczak, Michał Jonczynski, Adam Uszpolewicz, Anita Elżanowska, Michał Bernaczyk, Filip Gorczyca, Andrzej Kaleta, Małgorzata Kurzynoga und Anna Machnikowska.

Bereits in der Vergangenheit hatten politische Machtwechsel in Polen unmittelbare Auswirkungen auf die personelle Besetzung von Spitzenämtern in staatlichen Unternehmen. So auch diesmal. Bei der Wahl im Oktober 2023 wurde die nationalkonservative Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) mit rund 35 Prozent der Stimmen zwar stärkste Kraft im neuen Parlament. Die Opposition schloss jedoch ein Dreibündnis (liberalkonservative „Bürgerkoalition“, christlich-konservativer „Dritter Weg“ und Linksbündnis „Lewica“) und kam zusammen auf 248 der insgesamt 460 Sitze im Sejm.

Mit einer Beteiligung von 34,1 Prozent ist bei der PZU der Staat Hauptaktionär. Der Versicherer sieht sich als größtes Finanzkonglomerat in Mittel- und Osteuropa. Das Unternehmen ist in Polen, Estland, Litauen, Lettland und der Ukraine tätig und verfügt über ein konsolidiertes Vermögen von rund 80 Mrd. Euro.

Allein in Polen zählt PZU rund 22 Millionen Firmen- und Privatkunden. An der Spitze der Gruppe steht der Sachversicherer PZU SA, der seit 2010 an der Warschauer Börse notiert ist. Die PZU-Gruppe nimmt auch auf den Märkten für Bankdienstleistungen, Investitionsdienstleistungen, private Gesundheitsfürsorge und freiwillige Rentenversicherungen eine wichtige Stellung ein.

Autor: VW-Redaktion

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