Wird die Allianz-Arena zu Ehren von Beckenbauer umbenannt?

Bildquelle: leeminjoon/Pixabay

Die Fußballwelt trauert um Franz Beckenbauer. Die Gedenkfeier findet nächste Woche in der Allianz Arena statt. Einige Spieler und Trainer halten es jedoch für angemessen, das Stadion zu Ehren Beckenbauers umzubenennen. Allerdings kassiert der FC Bayern für den Sponsoring-Deal Millionen von der Allianz. Eine heikle Angelegenheit für beide Seiten – zumal Beckenbauer beim Münchener Versicherer 1959 seine Lehre begann.

Beckenbauer kassierte als Lehrling 90 Mark im Monat. Als Sachbearbeiter in der Kfz-Abteilung verdiente er anschließend 450 Mark. Zum Vergleich: Für seinen ersten Profivertrag erhielt er 400 Mark im Monat. „Glücklicherweise hat er sich klugerweise für einen anderen Karriereweg entschieden“, kommentierte die Allianz gestern den Schritt, eine Profikarriere dem Assekuranz-Job vorzuziehen.

Nach seinem Tod hinterlässt er ein geschätztes Vermögen von 160 Mio. Euro. Dass er beim FC Bayern landete, war ein Zufall. Zu Beginn seiner Karriere hieß die erste Fußballadresse in München damals 1860. Als er mit seinem erstem Fußballklub SC 1906 München gegen 1860 spielte, wurde er von einem Gegenspieler so hart angegangen, dass er zu so einem unsportlichen Verein nicht wechseln wollte. Daher entschied er sich für die zweite Wahl, den FC Bayern. Später wurde er gefragt, wie die Fußballgeschichte verlaufen wäre, wenn das Spiel fairer verlief. „Dann wäre ich heute Löwen-Präsident, und wir hätten dreimal in Folge die Champions League gewonnen“, lautete seine Antwort.

Mit dem FC Bayern München, wo Beckenbauer von 1964 bis 1977 als Spieler aktiv war, gewann er dreimal den Europapokal der Landesmeister (1974, 1975 und 1976), wurde viermal Deutscher Meister (1969, 1972, 1973, 1974), viermal Deutscher Pokalsieger (1966, 1967, 1969 und 1971), gewann den Europapokal der Pokalsieger (1967) und wurde Weltpokalsieger (1976). Zudem: Weltmeister mit Deutschland als Spieler 1974 und als Trainer 1990 – als einer von nur drei Personen, denen das gelang (Mario Zagallo und Didier Deschamps).

„Franz-Beckenbauer-Arena“ und der Verlust von Millionen Sponsorengeldern

Mit dem FC Bayern verbindet die Allianz seit mehr als 20 Jahren eine Partnerschaft. Der Versicherer merkt selbst an: „Beckenbauer war auch ein überzeugter Befürworter und treibende Kraft für den Bau eines reinen Fußballstadions im Norden Münchens. Ohne seine Unterstützung wäre das Stadion, das heute als Allianz Arena bekannt ist, nicht entstanden.“ Gerade um dieses Stadion ist eine Debatte entfacht, ob zu Ehren der Lichtgestalt eine Umbenennung in „Franz-Beckenbauer-Arena“ angemessen wäre.

Ottmar Hitzfeld, der zwischen 1998 und 2008 zweimal Trainer des FC Bayern München unter Präsident Franz Beckenbauer war, schlug im Interview mit dem Kicker genau das vor: „Die Ausstrahlung des FC Bayern hat er zusammen mit Gerd Müller, Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und ein paar anderen mit aufgebaut. Deshalb würde es auch gut passen, wenn man die Allianz Arena in Franz-Beckenbauer-Arena umbenennen würde“, sagte der 74-Jährige. Er wisse aber nicht, ob da der Sponsor mitspielen würde. Zum Redaktionsschluss hat die Allianz zu der Idee noch nicht Stellung genommen.

Theoretisch könnten sich die beiden Parteien darauf einigen, den Sponsorendeal gemeinsam aufzukündigen – wenn sie es nur wollten. Allerdings würde der FC Bayern viel Geld verlieren. Gerade vor einem Jahr wurde der Vertrag mit der Allianz bis zum Jahr 2033 verlängert. Der Verein kassiert dafür 13 Mio. Euro pro Jahr und damit 130 Mio. Euro bis 2033, berichtete die Sport Bild. Davor erhielt der Verein etwa acht Millionen Euro pro Jahr. Das bedeutet ein Plus von 62,5 Prozent. Solche Deals sind willkommene Einnahmen für den FC Bayern. 224,2 Mio. Euro nahm der Klub 2022 durch Werbegelder ein.

Allerdings profitiert auch die Allianz von den Dauererfolgen der FC Bayern. Der Firmenname der Allianz ziert seit der Einweihung 2005 die Fassade des Stadions des deutschen Rekordmeisters. Zudem ist der Konzern seit 2013 Trikotsponsor der Frauenmannschaft und begleitet die Women’s Tour als offizieller Partner. Und seit 2014 ist die Allianz Anteilseigner des Vereins und hält 8,33 Prozent der Anteile.

Es ist also unwahrscheinlich, dass die Allianz Arena demnächst umbenannt wird. Es wäre zu kostspielig für beide Parteien. Womöglich klappt der Namenswechsel erst nach dem Auslaufen des Sponsorenvertrags im Jahr 2033.

Während der kommenden Europameisterschaft werden in Deutschland übrigens die aktuellen Namen der 10 Stadien nicht zu sehen sein. Auf Druck der UEFA müssen die teils riesigen Buchstaben der Namensrechte-Werbepartner von den Stadien entfernt werden – nur beim Olympiastadion Berlin bleibt alles wie gehabt. Die restlichen werden für die Dauer der EM wie folgt heißen: Cologne Stadium, BVB Stadion Dortmund, Düsseldorf Arena, Frankfurt Arena, Arena AufSchalke, Volksparkstadion Hamburg, Leipzig Stadium, Munich Football Arena, Stuttgart Arena.

Autor: VW-Redaktion

Ein Kommentar

  • Das ist doch ganz einfach zu lösen:

    Allianz Arena – Franz Beckenbauer

    Damit sind alle Fliegen gefangen.

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