Coenen: „Erste Initiativen zur Integration von KI – etwa in Form digitaler Assistenten – bleiben häufig isolierte Insellösungen“
Hans-Gerd Coenen (Bildquelle: Coenen)
„Anpassungsfähigkeit ist keine Option mehr.“ Vertriebsexperte Hans-Gerd Coenen über die Notwendigkeit, KI-Lösungen ganzheitlich statt fragmentiert einzusetzen. Wer die technologische Exponentialität ignoriert, verliert den Anschluss an den Markt von morgen.
Als Gordon Moore, Mitgründer von Intel, seine bekannte Prognose formulierte, dass sich die Anzahl der Transistoren auf einem Mikrochip etwa alle zwei Jahre verdoppeln würde, legte er den Grundstein für das später als Moore’sches Gesetz bekannte Prinzip. Über Jahrzehnte hinweg erwies sich diese Annahme als zutreffend und ermöglichte das exponentielle Wachstum der Rechenleistung, das sowohl die Verbreitung des Personal Computers als auch die Entwicklung des Internets maßgeblich vorantrieb.
Heute scheint sich die Geschwindigkeit technologischer Entwicklungen jedoch noch einmal deutlich zu erhöhen. Getrieben durch massive globale Investitionen in künstliche Intelligenz entwickeln sich Rechenkapazitäten in einem Tempo, mit dem viele Organisationen und ganze Branchen, kaum Schritt halten können. Schätzungen zufolge verkürzen sich die Innovationszyklen kontinuierlich, während sich sowohl algorithmische Effizienz als auch spezialisierte Hardware rasant weiterentwickeln. Gleichzeitig verdeutlichen Nutzungszahlen die Dynamik dieses Wandels: Anwendungen wie ChatGPT erreichen innerhalb kürzester Zeit Hunderte Millionen Nutzer.
Die Softwareindustrie nimmt bei der Nutzung dieser Entwicklungen eine Vorreiterrolle ein. Während vereinzelt die vollständige Substitution von Softwareentwicklern durch KI prognostiziert wird, zeigt sich in der Praxis ein differenzierteres Bild: Künstliche Intelligenz wirkt vor allem als Verstärker menschlicher Fähigkeiten. Ihr effektiver Einsatz erfordert weiterhin Fachwissen, Kontextverständnis und Urteilsvermögen. Die Qualität der Ergebnisse hängt somit unmittelbar von den Fähigkeiten derjenigen ab, die diese Technologien einsetzen.
Diese Erkenntnis ist insbesondere für die Versicherungswirtschaft von Bedeutung. Im Vergleich zu anderen Branchen bestehen hier nach wie vor strukturelle Herausforderungen in der IT-Landschaft. Viele Versicherer arbeiten mit historisch gewachsenen, fragmentierten und mehrschichtigen Systemarchitekturen. Was in der Vergangenheit funktional war, erweist sich im Kontext von KI zunehmend als limitierender Faktor.
Die Konsequenzen sind deutlich spürbar: eingeschränkter Datenzugang, Medienbrüche in Prozessen, begrenzte Automatisierungsmöglichkeiten und inkonsistente Kundenerlebnisse über verschiedene Kanäle hinweg. Erste Initiativen zur Integration von KI – etwa in Form digitaler Assistenten – bleiben häufig isolierte Insellösungen. Werden diese lediglich an bestehende Systeme „angedockt“, entsteht nicht selten zusätzliche Komplexität, anstatt nachhaltiger Effizienzgewinne oder einer verbesserten Customer Experience.
Um das volle Potenzial von KI zu erschließen, bedarf es daher eines grundlegenderen Umdenkens. Der größte Mehrwert entsteht dann, wenn KI in ein durchgängiges, integriertes System eingebettet ist. Dies erfordert einen ganzheitlichen Softwareansatz, bei dem eine zentrale Plattform das Rückgrat des Unternehmens bildet. In einem solchen Umfeld können Kunden, Vermittler und interne Fachbereiche nahtlos interagieren, während digitale Agenten als integraler Bestandteil der Prozesse agieren und gezielt Mehrwert schaffen.
Diese Transformation gewinnt zusätzlich an Bedeutung vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. Mit dem Ausscheiden erfahrener Fachkräfte verschärft sich der Fachkräftemangel in der Branche weiter. Künstliche Intelligenz sollte daher nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung menschlicher Expertise verstanden werden – als Werkzeug – das es qualifizierten Mitarbeitenden ermöglicht, effizienter zu arbeiten und sich auf wertschöpfende Tätigkeiten zu konzentrieren.
Dass ein solcher Ansatz in der Praxis funktionieren kann, zeigen erste Beispiele im Markt. Ein neuer Akteur im deutschen Versicherungsumfeld, Brezel Digitaler Assekuradeur, hat demonstriert, wie sich Innovationszyklen durch eine moderne, integrierte Plattform signifikant verkürzen lassen. So wurde ein Nischenversicherungsprodukt innerhalb weniger Wochen konzipiert und auf den Markt gebracht. Die technische Umsetzung, die sämtliche Aspekte der Versicherungsprozesse über alle Fachbereiche hinweg umfasste, erfolgte dabei innerhalb von nur einer Woche. Kurz darauf wurde das Angebot durch Co-Branding-Lösungen erweitert. Solche Beispiele verdeutlichen das Potenzial eines ganzheitlichen Technologieansatzes in Kombination mit dem gezielten Einsatz von KI. Sowohl in der Entwicklung als auch im operativen Betrieb.
Der Blick nach vorn zeigt eine klare Richtung: Künstliche Intelligenz wird die technologischen und operativen Grundlagen der Versicherungswirtschaft nachhaltig verändern. Der entscheidende Unterschied wird jedoch nicht im Zugang zu KI liegen, dieser wird zunehmend zum Standard, sondern in der Fähigkeit, diese effektiv in eine konsistente Systemlandschaft zu integrieren.
Für Versicherer stellt sich daher nicht mehr die Frage, ob KI eingesetzt werden sollte, sondern wie. Unternehmen, die auf integrierte Plattformen setzen, ihre IT-Landschaft ganzheitlich neu denken und ihre Mitarbeitenden befähigen, KI sinnvoll einzusetzen, werden langfristig im Vorteil sein. Organisationen hingegen, die an fragmentierten Strukturen festhalten, riskieren, den Anschluss an die Geschwindigkeit der Entwicklung zu verlieren.
In einer Zeit exponentiellen technologischen Fortschritts ist Anpassungsfähigkeit keine Option mehr, sondern eine Grundvoraussetzung für nachhaltigen Erfolg.
Autor: Hans-Gerd Coenen

Hallo Hans-Gerd,
realistischer Beitrag in der ganzen KI- Übersteigerungsphase, aktuell sind alle KI Experten die schon mal etwas bei einer KI Plattform gegooglet haben.
Würde mich freuen wenn wir mal wieder sprechen, ich setze mich gerade im Deutsches Netz Büro für gesunde und inspirierende Wissensarbeitswelten ein. Wäre schön in Dir einen realitätsbezogenen Mitstreiter zu finden.
Liebe Grüße
Wolfgang