Garantiezinssenkung: Neue Chancen für die Vorsorge

Gastbeitrag von Oliver Suhre, Geschäftsführer Monuta Deutschland.

Die Senkung des Garantiezinses zum 01.01.2022 erhöht den Druck auf die Versicherungswirtschaft. Wie wird sie Rentabilität und Stabilität mit einem Garantiezins von 0,25 Prozent vereinbaren? Während erste Versicherer sich in ihrer Produktpalette von der 100-prozentigen Beitragsgarantie lösen, gehen die Monuta Versicherungen mit einem neuen Prämienmodell bereits einen anderen Weg. Ein Gastbeitrag von Oliver Suhre, Geschäftsführer Monuta Deutschland.

Die erneute Garantiezinssenkung ohne einhergehende Flexibilisierung von Beitragsgarantien missfällt Experten. Sie sei „kein zukunftsfestes Konzept für die kapitaldeckende Altersvorsorge“, sagt etwa Dr. Herbert Schneidemann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Aktuarvereinigung e. V. (DAV). Vielen Versicherern bleibe kaum eine Chance, Kunden vollständige Garantiezahlungen zu gewährleisten. Auch eine Studie des Instituts für Finanz- und Aktuarwissenschaften (ifa) aus dem März 2021 bestätigt, dass hohe Garantien, wie etwa bei der Riester-Rente, derzeit kein angemessenes Renditepotenzial zulassen. Experten wie Schneidemann setzen sich deswegen für die Senkung der 100-prozentigen Sicherheit auf niedrigere Werte ein. Diese gebe Anbietern die Möglichkeit der chancenorientierten Anlage und somit das Potenzial, höhere Renditen zu erzielen.

Sicherheiten für Verbraucher

Die ifa-Studie benennt zugleich den Wunsch der meisten Verbraucher nach Sicherheiten in Form von Beitragsgarantien. Bei der Vorsorge wollen sie keine Risiken eingehen. Weiterhin zeigt jedoch eine aktuelle Studie des Kantar Forschungsinstitutes, dass sich nur jeder Dritte sicher im Umgang mit Finanz-Vorsorgeprodukten fühlt. Das Zusammenspiel aus Niedrigzins, dem Wunsch nach Garantien sowie fehlendem Wissen auf Verbraucherseite heben die Deutlichkeit der drohenden Vorsorgelücke umso deutlicher hervor.

Etwa 40 Prozent der Riestersparer verdienen laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) weniger als 20.000 Euro im Jahr. Risikoreiche Anlagen wie im Bereich der Investmentfonds sind für die Vorsorgeplanung im Bereich Leben für diese Gruppe entsprechend kritisch. Ist doch der typische Riester-Kunde auf fristgerechte Auszahlung der vereinbarten Summe angewiesen. Einerseits reden wir also ganz bewusst von Sicherheit, die auch Garantie haben muss. Andererseits geht es um das Potenzial, das Kapital mit möglichst hoher Rendite anzulegen. Dies ist ein Knoten, den eine integrierte Finanzberatung auflösen muss. Dabei galt gerade die Riester-Rente lange als Königsweg in der Vorsorge – gerade für Menschen mit geringerem Einkommen. Doch schon länger wird an der Rentabilität des Produktes gezweifelt. Die Höhe des Verwaltungsaufwandes ist gemessen an der Rendite sehr hoch. Mit der geplanten Absenkung des Garantiezinses auf maximal 0,25 Prozent erscheint Riester trotz der staatlichen Förderung nicht mehr zeitgemäß. Dabei ist die Vorsorgelösung mit 16 Millionen Verträgen auch im internationalen Vergleich ein Erfolgsmodell.

Vorsorgelösungen auch für Niedrigverdiener schaffen

Doch trotz sinkendem Höchstrechnungszins sehen die Versicherer auch für Menschen aus den unteren Einkommensbereichen noch nicht das Ende aller Sicherheiten. Sowohl die Bayerische als auch die Monuta blicken positiv in die Zukunft. Als Spartenversicherer aus dem Bereich Leben, passt die Monuta die Prämien der Versicherten zinsorientiert an und garantiert damit die Auszahlung der versicherten Summe in der Bestattungsvorsorge ab Tag eins. Mit individuellen Basisprämien kann aktiv auf Änderungen des Garantiezinses reagiert werden. Steigt dieser wieder an, sinken die Beiträge. Bereits seit 2020 erfüllt die Monuta zudem die Solvency II-Richtlinien, unter denen die Regularien für 27 EU-Staaten mit bisher nationalen Aufsichtssystemen vereinheitlicht werden. Zum Schutz der Versicherungsnehmer verlangt das neue System deutlich höhere Rückstellungen – eine Herausforderung für Anbieter in der Tiefzinsphase, die jedoch gerade Niedrigverdienern zugutekommt, wenn sie als Hinterbliebene im Todesfall zügig die entstehenden Bestattungskosten decken müssen.

Für das Beispiel Riester sieht Maximilian Buddecke, Vorstandsmitglied der Bayerische ProKunde AG, die Aufgabe ebenfalls im Prämienbereich: “Ja, es ist eine Herausforderung für Versicherer, bei einem sehr niedrigen Zinssatz die zugesagten Garantien zu erwirtschaften. Durch die Garantiezinssenkung können viele Versicherer Riester nicht mehr oder nur zu langen Laufzeiten oder hohen Beiträgen anbieten. Und das widerspricht dem eigentlichen Konzept von Riester, die Rentenlücke vor allem auch für Geringverdiener auszugleichen.“ Eine Teillösung könne die Entbürokratisierung und Digitalisierung des Produktes darstellen. Die Aufgabe an die Branche muss in der Folge lauten: Sicherheit und Rendite intelligent und bedarfsgerecht zusammenzubringen. Der Gedanke hinter der Vorsorge muss mit Blick auf die Kunden jederzeit lauten, in jedem Produktbereich ein niedrigschwelliges Angebot zu schaffen, dass Menschen die private Vorsorge erleichtert.

Zu Autor und Unternehmen: Oliver Suhre ist der Geschäftsführer Monuta Deutschland. Monuta verfügt über mehr als 95 Jahre Erfahrung und ist seit 1923 der Spezialist für Bestattungsvorsorge. Als Marktführer in den Niederlanden ist Monuta seit 2007 mit der Monuta Sterbegeldversicherung auch in Deutschland aktiv und mit einer eigenen Niederlassung in Düsseldorf vertreten.