„Je mehr es um ein Standard-Massengeschäft geht, desto mehr wünschen sich Berater eine vollständig digitale Lösung“

Swen Köster. Quelle: Moventum

In Deutschland gilt seit 1. August die Finanzanlagenvermittlungsverordnung. Für Berater ein großer Mehraufwand, der durch unterschiedliche Hilfestellungen verringert wird. „Dabei zeigen sich zwei Trends. Rein digitale Unterstützungsleistungen haben genauso ihren Platz wie analoge, aber die Mischung kommt am besten an. Zudem gilt: Je größer die Umsätze, desto mehr wünschen Berater persönlichen Kontakt“ sagt Swen Köster, Head of Sales Germany bei Moventum S.C.A. Im Gespräch mit VWheute skizziert er die Folgen für den Finanzanlagenvermittler.

VWheute: Eine Erkenntnis ihrer Umfrage ist, dass Berater keine volldigitalen Lösungen wünschen. Ist das nicht verständlich, denn sonst wäre sie ja obsolet – oder?

Swen Köster: Es ging gar nicht darum, ob die persönliche Beratung durch digitale Lösungen abgelöst werden soll. Wir haben vielmehr gefragt, ob die Pflichten der Finanzanlagenvermittlungsverordnung (FinVermV) in digitalen oder halbdigitalen Checklisten bearbeitet werden sollen. Dabei haben wir in verschiedenen Gesprächen festgestellt, dass es für beide Lösungen zur Umsetzung der FinVermV Befürworter gibt.

Der Wunsch nach volldigitalen Lösungen kam dabei vermehrt von den Beratern, bei denen das Investmentfondsgeschäft nicht im Vordergrund ihres eher kleinteiligen Geschäftsmodelles steht. Berater, die überwiegend oder sogar ausschließlich im Bereich mit mittleren bis größeren Mandaten aktiv sind, waren offener für den „hybriden“ Ansatz, der durch Teil-Digitalisierung mehr Flexibilität und Platz für Individualität bietet.

VWheute: Ist die volldigitale Finanzlösung die Zukunft der Branche?

Swen Köster: Vieles spricht dafür, dass Berater auf vollständig digitalen Lösungen zur Umsetzung der FinVermV zumindest im Massengeschäft zurückgreifen werden. Das haben wir bei der Nutzung von Robo-Advisors schon beobachtet: Je mehr es um ein Standard-Massengeschäft geht, desto mehr wünschen sich Berater eine vollständig digitale Lösung für regulatorische Anforderungen, bei der sie am Ende nur noch auf einen Knopf drücken müssen und alles ist erledigt.

VWheute: Bieten komprimierte Informationen und Checklisten wirklich Rechtssicherheit?

Swen Köster: Die Kernpunkte beziehungsweise Obliegenheiten der FinVermV liegen vor. Daher müssen die Anforderungen in der digitalen Strecke genauso umgesetzt werden wie in Checklisten und Protokollen. Bei der Einführung neuer regulatorischer Themen hat sich bisher aber immer gezeigt, dass es in der Anfangszeit noch Spezifizierungen und Änderungen bei der Prozessdefinition gegeben hat.

VWheute: Wie wird sich der Markt für Finanzanlagevermittler ihrer Meinung nach entwickeln?

Swen Köster: Im Finanzbereich wie in vielen anderen Bereichen kommt durch strengere Vorschriften ein immer höherer Dokumentations-, Administrations- und Kostenaufwand hinzu. Doch es gibt bereits erste Stimmen in den Regierungen und bei den Aufsichtsbehörden, die den Aufwand praxistauglich reduzieren wollen. Finanzberater, die sich einen Partner suchen, der sie bei den vorgeschriebenen Dokumentationen unterstützt, werden ihr Geschäft ohne große Einschränkungen weiterführen können und gut aufgestellt sein, wenn aufsichtsrechtliche Prüfungen bevorstehen.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz.

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