„Viele Gesellschaften verwenden relevante Daten nicht systematisch genug“

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Welche Bedeutung hat Dynamic Pricing in der Versicherungsbranche? Den Unternehmen „kann die intelligente und dynamische Anpassung der Preise einen Vorsprung verschaffen“, konstatiert Gero Nießen von Willis Towers Watson im Interview mit VWheute.

VWheute: Dynamische Preisgestaltung – eine Technik, um profitables Wachstum zu erzielen. Bisher kennen wir diese Methode eher aus der Tourismus- oder Handelsbranche. Welche Chancen bietet der Ansatz für Sachversicherer?

Gero Nießen: Auch Versicherern kann die intelligente und dynamische Anpassung der Preise einen Vorsprung verschaffen. Die Unternehmen heben sich mit individueller Preisgestaltung aus der Masse ab und stärken neben ihrer Profitabilität auch die Kundenzufriedenheit.

Als Grundlage der Berechnung dient in der Versicherungsbranche jedoch nicht, wie in anderen Branchen, die Änderung des Risikos – vielmehr geht es bei Sachversicherern um die Reaktion auf Marktveränderungen, um sich ergebende Opportunitäten bestmöglich zu nutzen.

VWheute: Wann und wie können Versicherer Dynamic Pricing anwenden?

Gero Nießen: Die Möglichkeit bietet sich nicht nur bei Abschluss einer Police, sondern auch jeweils bei Erneuerung des Vertrages nach Ablauf der ursprünglichen Laufzeit – im oft beispielhaft angeführten Kfz-Versicherungsmarkt also in der Regel jährlich.

Aber unabhängig davon, ob Dynamic Pricing im Neu- oder Bestandsgeschäft angewendet wird – die wichtigste Grundlage bilden immer die Daten eines Versicherers zu Schäden, Angebotsanfragen, Abschlüssen und Kundenverhalten.

Auf deren Basis und mithilfe intelligenter Algorithmen können Verträge analysiert und nach Profitabilität eingestuft werden. Leider zeigt sich dabei, dass immer noch viele Gesellschaften Teile der relevanten Daten erst gar nicht speichern oder sie noch nicht systematisch genug verwenden.

VWheute: Lohnt sich dieser Aufwand denn überhaupt?

Gero Nießen: Die Möglichkeiten sind vielversprechend und in der Realität erprobt: So können Anbieter durch die geeignete Kombination von Schaden- und Stornoprognosen im Rahmen der Beitragsanpassung ihre Schadenkostenquote senken und profitables Wachstum generieren. Deswegen würde ich sagen: Ja, der Aufwand lohnt sich durchaus, nicht nur um sich im Markt abzuheben, sondern wirtschaftlich. Einige deutsche Versicherer haben dies schon erkannt und weitere werden folgen.

Autor: VW-Redaktion

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