„In der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank gibt es Denkfehler“

Oliver Bäte. Quelle: Allianz

Die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ist den Versicherern weiterhin ein Dorn im Auge. Allianz-Konzernchef Oliver Bäte wirft den europäischen Notenbankern vor allem gravierende „Denkfehler“ vor. Zudem kann sich der Versicherungsmanager die Übernahme eines Lebensversicherers vorstellen.

„Erstens hat sie sich ein Inflationsziel gegeben, das nicht erreicht wurde, ohne dass sich die Deflation eingestellt hätte. Zweitens wollte sie die Investitionen ankurbeln. Auch das hat sich nicht ergeben. Dafür haben wir enorme Verwerfungen in den Anleihemärkten bekommen. Weil die EZB permanent Anleihen aufkauft, ist der Markt an risikofreien Papieren um 25 Prozent kleiner geworden. Jetzt trifft ein gestiegener Anlagebedarf auf ein sinkendes Angebot, was die Preise total verzerrt“, moniert Bäte im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ).

Dabei zwinge diese negative Abwärtsspirale die „Investoren in risikoreichere Anlageklassen. All das geht zu Lasten der privaten Sparer in einem unerhörten Ausmaß. Vor allem diejenigen, die ihr Geld in hochbesicherten Anlagen angelegt haben, und das sind oft Menschen mit niedrigem Einkommen. Während sich Vermögende Kredite für Immobilien besorgen oder sich einen Vermögensberater leisten können, zahlt der einfache Bürger drauf.“

Gefordert sei demnach eine intelligente Fiskalpolitik. „Es hilft allerdings nicht, permanent Geld ins Feuer zu schmeißen, wenn sich an den Wachstumsdynamiken in den einzelnen europäischen Ländern nichts tut. Für letzteres sind politische Reformen nötig. Und da hat Finanzminister Olaf Scholz einige gute Vorschläge gemacht, zum Beispiel zur Bankenunion“, konstatiert Bäte.

Insgesamt rechnet der Allianz-Vorstandschef mit einer weiteren Konsolidierung der Versicherungsbranche. „Der Druck zur Konsolidierung entsteht durch die notwendigen Investitionen in neue Technologien, in die Marke und den Kundenzugang. Versicherer, die nicht innovativ und nicht schnell sind, und denen es an Größe mangelt, werden es schwer haben“, konstatiert Bäte.

Zu größeren Zukäufen wollte sich der Allianz-Chef hingegen nicht konkret äußern: „Alle großen Deals in der Finanzbranche sind unglaublich teuer geworden und wir werden nichts machen nur wegen der schieren Größe. Da ist der Markt unerbittlich. Aber wir werden uns bestimmt alles anschauen.“

Allerdings könne er sich durchaus die Übernahme eines Lebensversicherers vorstellen. „In den nächsten drei bis vier Jahren wird es den einen oder anderen Lebensversicherer geben, dem Eigenkapital fehlt und der dann einen neuen Partner braucht, um nicht abgewickelt zu werden. Das könne eine Chance für die Allianz sein“, so Bäte.

Autor: VW-Redaktion

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