Tierkrankenversicherung verlässt die Nische

Die Bestandskennzahlen des GDV zeigen eine Expansionsphase im Tierversicherungsgeschäft. Bildquelle: Miroslav Gecovic auf Pixabay

Nach Angaben des GDV hat sich der deutsche Markt für Tierkrankenversicherungen innerhalb von fünf Jahren von einem Nischensegment zu einem eigenständigen Geschäftsfeld entwickelt. Entscheidend dafür sind mehrere Entwicklungen – sowohl aufseiten der Versorgung als auch bei den Tierhaltern.

Die Bestandskennzahlen des GDV zeigen eine Expansionsphase im Tierversicherungsgeschäft. Im Jahr 2019 lag die Zahl der versicherten Hunde, Katzen und sonstigen Haustiere bei rund 845.000 Policen. Bis zum Jahr 2024 stieg dieser Wert auf mehr als zwei Millionen Verträge, womit sich der gesicherte Tierbestand innerhalb des Fünfjahreszeitraums mehr als verdoppelte. Nach einer starken Wachstumsphase zwischen 2020 und 2022 konsolidierte sich der Zuwachs auf hohem Niveau, heißt es.

Die Bruttobeitragseinnahmen der Erstversicherer stiegen von 173 Millionen Euro im Jahr 2019 auf 720 Millionen Euro im Jahr 2024. Dies entspricht mehr als einer Vervierfachung des Beitragsaufkommens.

Umsatzseitig beruht der Anstieg nicht allein auf der Zunahme von Neukunden, sondern auch auf gestiegenen Durchschnittsbeiträgen. Zwei Faktoren prägen diese Entwicklung. Zum einen erweiterte der medizinische Fortschritt das Diagnose- und Therapiespektrum der Veterinärmedizin. Komplexe Verfahren, die vor wenigen Jahren unüblich oder technisch nicht verfügbar waren, gehören heute zum Behandlungsstandard und werden von Haltern vermehrt nachgefragt.

„Die Tiermedizin kann heute weit mehr leisten als noch vor wenigen Jahren. Das ist eine gute Nachricht für Tier und Halter. Das macht Behandlungen allerdings auch teurer. Eine Tierkrankenversicherung stellt sicher, dass die Entscheidung für eine Behandlung nicht am Geldbeutel scheitert“, berichtet Anja Käfer-Rohrbach, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des GDV.

Auf der anderen Seite schlägt sich die Ende 2022 in Kraft getretene Novellierung der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) in den Bilanzen nieder. Die Anpassung der Sätze an veränderte Kostenstrukturen führte zu einem Preissprung bei ambulanten und stationären Behandlungen. In der Folge verzeichnete die Branche in den Jahren 2023 und 2024 jeweils zweistellige Beitragszuwächse von rund 40 Prozent pro Jahr.

Neben der reinen Bestandsausweitung zeigt sich eine Verschiebung der Produktnachfrage. Während der Markt historisch stark von rein selektiven Operationskostenversicherungen geprägt war, die ausschließlich chirurgische Eingriffe nebst Vor- und Nachbereitung abdecken, verlagert sich der Schwerpunkt in Richtung eines breiteren Schutzes. Eine umfassende Tierkrankenversicherung deckt zusätzlich auch ambulante und stationäre Behandlungen, Diagnostik sowie Medikamente ab.

Im Jahr 2020 belief sich der Anteil der Tiere mit einer solchen umfassenden Tierkrankenversicherung auf knapp 22 Prozent. Bis 2024 stieg diese Quote auf fast 40 Prozent. Der Markt wandelt sich damit von einer Absicherung punktueller Großrisiken hin zur Deckung laufender Gesundheitskosten, berichtet der GDV.

Der Wettbewerb unter den Anbietern verschiebt sich von der reinen Kostenerstattung hin zu begleitenden Serviceleistungen. Das Angebot umfasst vermehrt Pauschalen für Vorsorgeleistungen, den Zugang zu telemedizinischen Erstberatungen sowie digitale Abrechnungs- und Rechnungsprüfungsstrukturen, die zur Kostenkontrolle im System beitragen sollen.

„Wir beobachten, dass Halterinnen und Halter immer öfter eine umfassende Absicherung wählen und nicht mehr nur einzelne Risiken abdecken. Das zeigt, dass die Gesundheit des Tieres ganzheitlich gedacht wird. Die Versicherung wächst mit diesem Anspruch mit“, so Käfer-Rohrbach.

Nach einer Studie von Nordlight ist die Allianz Marktführer bei Tierversicherungen für Hunde und Katzen. Die Uelzener bekleidet als Spezialversicherer Platz 1 im Marktsegment Pferde. Spitzenpositionen in puncto Bekanntheit, Relevant Set und Anbieterpräferenz nehmen bei den Universalversicherern die Allianz, HanseMerkur und Barmenia ein. Unter den spezialisierten Tierversicherern liegen Agila, PetProtect, Uelzener und Petolo vorn.

Autor: VW-Redaktion