Zahl der gesprengten Geldautomaten sinkt um fast 70 Prozent

Die R+V schützt Geldautomaten mit Stahlpavillons gegen Sprengungen, wie dieses Foto von 2021 zeigt. Bildquelle: R+V

Die Fallzahlen im Bereich der Geldautomatensprengungen in Deutschland sind stark rückläufig. Nach aktuellen Daten der R+V Versicherung sank die Zahl der geknackten Automaten innerhalb der vergangenen zwei Jahre um fast 70 Prozent. Als Hauptgrund für diese Entwicklung identifiziert die Analyse die flächendeckende Implementierung von passenden Sicherheitskonzepten.

Zu den Sicherheitskonzepten zählen vor allem moderne Geldfärbesysteme, automatische Vernebelungsanlagen sowie die Auslagerung von Automaten in frei stehende Pavillons aus Stahlbeton. Da die R+V Versicherung rund ein Viertel aller Geldautomaten in Deutschland absichert, besitzen die vorliegenden Daten eine hohe statistische Repräsentativität für den Gesamtmarkt.

Die historische Betrachtung des Phänomens zeigt eine kontinuierliche Anpassung der Täterstrukturen an die bestehenden Sicherheitsbarrieren. „Die Kriminellen haben in den vergangenen Jahren immer wieder ihren Modus operandi geändert“, berichtet Friedrich Schneider, Risikoberater bei der R+V Versicherung. Die statistische Auswertung verdeutliche den strukturellen Wandel der Tatbegehung: „Für die Angriffe auf Geldautomaten haben die Bankräuber bis 2019 vor allem Gas genutzt. Danach ist die Zahl der Sprengungen mit festen Explosivstoffen sprunghaft gestiegen.“

Dieser Trend erreichte im Jahr 2023 den bisherigen Höchststand. Der Wechsel des Tatmittels hin zu Festsprengstoffen korreliert dabei mit einem deutlich höheren Schadensausmaß. Die durch diese Explosivstoffe freigesetzte kinetische Energie führte über die Zerstörung des eigentlichen Zielobjekts hinaus zu erheblichen Kollateralschäden an der Bausubstanz. In den betroffenen Bankfilialen resultierte dies regelmäßig in zerstörten Glasfronten, Trümmerflug und strukturellen Schäden an Gebäudeteilen, was wiederum ein erhöhtes Gefährdungspotenzial für die Bewohner angrenzender Wohneinheiten bedeutete, berichtet die R+V.

„Auf das veränderte Vorgehen der Bankräuber haben wir reagiert“, erklärt Schneider. Die Strategie basiert auf einer stärkeren Kooperation zwischen Versicherern und Kreditinstituten, um Schwachstellen durch koordinierte Sicherheitskonzepte zu minimieren. Dies umfasst die Überprüfung von Meldeanlagen, Tresorräumen und Kundenschließfächern sowie die physische Härtung der Automateninfrastruktur. Schneider führt dazu aus: „Wir entwickeln unsere Sicherheitskonzepte ständig weiter – gemeinsam mit den Volksbanken und Raiffeisenbanken, die wie wir zur genossenschaftlichen FinanzGruppe gehören.“

Für das Geschäftsjahr 2025 wurde eine Reduktion der Delikte um fast 70 Prozent im Vergleich zum Basisjahr 2023 dokumentiert. „Dieser Erfolg ist nur durch intensive Präventionsanstrengungen der Banken möglich geworden“, sagt Schneider. Im ersten Quartal 2026 verzeichnete die R+V rund 60 Prozent weniger Angriffe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Der wesentliche Wirkungsmechanismus liegt in der Reduktion des ökonomischen Anreizes für die Tätergruppen, primär erzielt durch moderne Geldfärbesysteme. Schneider erläutert das technische Prinzip: „Die modernen Systeme werden durch die Sprengung ausgelöst. Dann verteilt sich die Farbe und die Geldscheine werden unbrauchbar.“ Trotz der messbaren Erfolge bleibt die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Risikoanpassung bestehen. Der Risikoberater schließt mit einer Perspektive auf die künftige Lageentwicklung: „Auch wenn wir jetzt eine sehr positive Bilanz ziehen können, dürfen wir uns in Sachen Prävention nicht zurücklehnen. Die Bankräuber werden nach neuen Wegen suchen, um an das Geld zu kommen. Es gibt also guten Grund, wachsam zu bleiben.“

„Auch wenn wir jetzt eine sehr positive Bilanz ziehen können, dürfen wir uns in Sachen Prävention nicht zurücklehnen“, sagt der Risikoberater der R+V. „Die Bankräuber werden nach neuen Wegen suchen, um an das Geld zu kommen. Es gibt also guten Grund, wachsam zu bleiben.“

Der GDV beziffert die Gesamtschäden für Geldautomatensprengungen im Jahr 2024 auf bis zu 40 Millionen Euro. Der Anteil der versicherten Schäden ist nicht bekannt.

Auffällig sind die regionalen Unterschiede der Fälle. In Nordrhein-Westfalen etwa sank die Zahl der Sprengungen um 71 Prozent auf 44 Fälle. Das bevölkerungsreichste Bundesland ist weiterhin ein Schwerpunkt für die Täter. Der GDV verweist auf die Nähe zu den Niederlanden, von wo viele Tatverdächtige stammten.

In Berlin dagegen hat sich das Bild umgekehrt. Dort stieg die Zahl der Sprengungen von 24 auf 44 Fälle. Experten führen dies auf mehrere Faktoren zurück: eine hohe Automatendichte von rund 2.500 Geräten, die vielfach „leicht zugänglich in SB-Zonen oder älteren Gebäuden mit unzureichender baulicher Sicherung“ untergebracht seien. Hinzu komme eine aktive, bandenmäßig organisierte Szene. Die Täter agieren oft in Serie und nutzen die geografischen „Fluchtmöglichkeiten über die Stadtgrenzen hinaus“. Nach Einschätzung des GDV besteht in Berlin außerdem teils noch Nachholbedarf bei der technischen Ausstattung mit Einfärbesystemen und Nachtschließungen.

Autor: VW-Redaktion