Altersvorsorge-Reform: Die Gefahr steckt nicht im Neugeschäft, sondern im Bestand

Das Altersvorsorge-Reformgesetz eröffnet ab Januar 2027 Millionen Kunden den Wechsel in das neue Altersvorsorgedepot samt Mitnahme des im Riester-Vertrag angesparten Kapitals. In Bewegung
geraten könnten damit bis zu 64,8 Milliarden Euro bzw. rund 29 Prozent des Riester-Kapitalstocks, wovon 49 Mrd. auf die Lebensversicherungsbranche entfallen. Je nach Struktur der Kapitalanlage besteht für Lebensversicherer das Risiko, dafür stille Lasten realisieren zu müssen, warnen Patrick Dahmen und Christoph Sindezingue im Gastbeitrag für VWheute. Die Herausforderungen erstrecken sich von der Kapitalanlage über das Bestandsmanagement bis zur Vertriebssteuerung.

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Debatte zur Altersvorsorge: „Wir werden uns über die Verbreitung freuen – und das Thema Altersarmut wieder verbocken“

Auf dem MCC-Kongress in Frankfurt bezogen die Manager Dr. Guido Bader, Dr. Gerrit Böhm und Uli Rothaufe Klartext zur geplanten Altersvorsorge-Reform: Diese rücke zwar die Kapitalmärkte ins Bewusstsein, drohe aber, die lebenslange Absicherung aus den Augen zu verlieren. Die Vorstände diskutierten scharf über Schwachstellen im Gesetzentwurf, unfaire Vergütungspläne und die Frage, ob Bürger bei der Vorsorge falsche Prioritäten setzen. Müssen die Deutschen für das Alter auch mal auf einen Urlaub verzichten? Genau das forderte einst Ex-Finanzminister Peer Steinbrück – und löste damit eine hitzige Debatte aus.

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Allianz-Leben-CEO Kubat frohlockt über staatliche Zulage: „30 Prozent Rendite sofort und garantiert“

Ruedi Kubat, Chef der Allianz Lebensversicherungs-AG, erhofft sich von der Altersvorsorgereform, dass die Branche neue Kundengruppen erschließt. „Es gibt ab 2027 etwa 30 Millionen Förderberechtigte in Deutschland, die bislang keinen Riester-Vertrag haben“, sagte Kubat auf dem Versicherungstag des GDV. Hierzu zählten insbesondere Selbstständige und Freiberufler. Vom Gesetzgeber fordert er Nachbesserungen beim Sicherungsvermögen und erwartet ein Entgegenkommen bei den Kapitalanlagevorschriften für die Branche.

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GDV-Vize Schumann kontert Neobroker-Pläne: „Wir müssen schauen, ob sich Scalable wirklich zum karitativen Verein weiterentwickelt“

„Wir machen das Standarddepot gebührenfrei“, gab Scalable-Chef Erik Podzuweit kürzlich in der Bild-Zeitung bekannt – der angriffslustige Neobroker will Riester-Sparer mit einem kostenlosen Wechselservice zu sich hinüberlocken. Beim Versichererverband GDV reagiert man scheinbar gelassen auf die Kampfansage: „Wenn man so etwas verspricht, dann muss das auch bilanziell dargestellt werden“, sagte Moritz Schumann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des GDV, bei einer Branchenveranstaltung. Komplett kostenlos sei die Offerte am Ende eben doch nicht, befand Schumann.

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Gewinner der Altersvorsorgereform: „Der eigentliche Wettbewerb wird sich weniger bei der Produktgestaltung als vielmehr im Vertrieb entscheiden“

Die Altersvorsorge-Reform ist für Banken, Finanzberater und Vertriebe der perfekte Anlass, das Thema Vorsorge wieder aktiv bei ihren Kunden zu platzieren. Wer am Ende als Gewinner hervorgeht, entscheidet sich auf der Vertriebsebene – davon ist Walter Reinl von Oliver Wyman überzeugt. In seinem Gastbeitrag erläutert er, warum Asset-Manager bei den Kosten die Nase vorn haben und weshalb Lebensversicherer trotz neuer Konkurrenz dank ihrer riesigen Riester-Bestände ein echtes Ass im Ärmel halten.

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Bäte über Altersvorsorgereform: „Vielleicht gründen wir einen Lebensversicherer, der komplett ohne Altlasten auskommt und rein digital agiert“

Oliver Bäte sieht rund um den KI-Hype historische Parallelen zum Eisenbahn-Boom des 19. Jahrhunderts und warnt vor extremen Bewertungen profiloser Firmen. Gleichzeitig ist er überzeugt, dass LLMs im Versicherungsvertrieb „die klassischen Vergleichsportale überholen werden“. Neben neuen Wegen in der Altersvorsorge räumte Bäte bei einem Pressegespräch auch die Frage ab, wie es für ihn nach dem Vertragsende an der Allianz-Spitze persönlich weitergeht.

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Finanzexperte Weinmann hadert mit Altersvorsorgedepot: „Stellen Sie sich vor, die gesetzliche Rentenversicherung würde mit 85 Jahren die Zahlung einstellen“

Die Lebensversicherung werde „jetzt vom Sockel gestoßen“, kommentiert Finanzwissenschaftler Hermann Weinmann die Reform der geförderten privaten Altersvorsorge – wozu auch ein „Eigenverschulden“ der Branche beigetragen habe, wie er in einem Interview hinzufügt. Dass eine lebenslange Rente kein zwingend förderwürdiges Kriterium mehr ist, bedauert Weinmann. Mit Blick auf das geplante Altersvorsorgedepot wähnt er Versicherer mit eigener Fondsgesellschaft im Vorteil – diese könnten künftig „aus allen Rohren schießen“. Als große Reform-Verlierer sieht der Finanzexperte die Versicherungsvermittler, womöglich drohe ein „Vermittlerproletariat“.

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Vermittler und Verbraucherschützer liegen bei Kostendeckel über Kreuz, GDV weiter gegen Beratungspflicht

Die Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge nimmt Fahrt auf – und im Vorfeld der wichtigen Anhörung im Finanzausschuss ist nun noch einmal deutlich geworden, dass die Interessen von Vermittlern und Verbraucherschützern weit auseinanderliegen: Während der Branchenverband AfW einen möglichen Kostendeckel von 1,5 Prozent beim geplanten Standardprodukt als zu hoch kritisiert, fordert die Finanztip-Stiftung eine deutlich strengere Begrenzung auf 0,5 Prozent. Unterdessen bekräftigt der Versichererverband GDV seine Forderung nach einem Wegfall der Beratungspflicht beim Standardprodukt – und setzt sich damit über den Widerstand der Vermittler hinweg.

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Kritik an Altersvorsorgereform: Vermittler warnen vor Qualitätsverlust

Am morgigen Donnerstag debattiert der Bundestag in erster Lesung über das neue Altersvorsorgereformgesetz (BT-Drucksache 21/4088). Während das Ziel einer gestärkten privaten Vorsorge fraktionsübergreifend Zustimmung findet, kommt aus der Praxis deutliche Kritik. Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute sieht durch die aktuellen Pläne den Verbraucherschutz und die Beratungsqualität in Gefahr.

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