Künftige Allianz-Leben-Chefin Katja de la Viña exklusiv: “Was am Ende zählt, ist die Gesamtperformance, die wir erzielen”

Katja de la Viña ist derzeit Finanzvorstädin der Allianz Deutschland AG und der Allianz Lebensversicherung und wird zum 1. Januar 2022 Vorstandsvorsitzende der Allianz Lebensversicherung. Quelle: Allianz

Katja de la Viña ist eine Frau der Zahlen. Als diplomierte Betriebswirtin, Steuerberaterin und Wirtschaftsprüferin war sie 2019 geradezu prädestiniert, das Amt der Finanzvorständin bei der Allianz Deutschland zu übernehmen. In wenigen Wochen erklimmt die Managerin die nächste Karrierestufe. Ab Januar 2022 wird de la Viña als Vorstandschefin dann die Geschäfte der Lebensparte führen. Im Exklusiv-Interview mit der Versicherungswirtschaft spricht die Top-Managerin über Wachstumsdruck und Kritikfähigkeit in der Lebensversicherung.

VWheute: Welche Zwischenbilanz ziehen Sie aus über zwei Jahren an der Spitze des Finanzressorts bei der Allianz? Mit dem Umbau des Lebengeschäfts und der Coronakrise haben Sie bereits einiges erlebt.

Katja de la Viña: Ich ziehe vor allem mit Blick auf eineinhalb Jahre Corona diese Bilanz: Die Allianz hat sich in dieser Krise außerordentlich robust gezeigt. Die Pandemie hatte ja Unruhe an den Kapitalmärkten mit sich gebracht, viele Menschen waren verunsichert und mussten auf ihre Ausgaben achten. Wir alle waren gezwungen, von jetzt auf gleich unsere Kontakte massiv einzuschränken, was natürlich Beratung und Verkauf erheblich beeinflusst hat. Aber wir haben diese Phase hervorragend gemeistert.

Dazu kommt: Die Allianz Lebensversicherung hatte schon zu Beginn der Pandemie im März 2020, als die Turbulenzen an den Kapitalmärkten am heftigsten waren, eine deutliche Botschaft an ihre Kundinnen und Kunden gesendet: Sie können sich auf die Allianz verlassen, sie können auf die Sicherheit ihrer Vorsorge vertrauen. Das ist die Besonderheit unseres Geschäftsmodells! Warum? Wir haben die uns anvertrauten Gelder sicher, attraktiv und breit gestreut in mehr als 50 Anlageklassen sowie in verschiedenen Ländern, Regionen und Währungen angelegt. Dabei richtet sich unser Fokus seit Jahren konsequent auf den Ausbau von alternativen, nicht börsengehandelten Kapitalanlagen. So gleichen wir Kursschwankungen einzelner Segmente aus, können mit einer starken Bilanz Stabilität erzeugen und erwirtschaften attraktive und stabile Renditen für unsere Kundinnen und Kunden – auch in einer solchen Krise.

VWheute: Was hat Sie positiv, was vielleicht negativ in dieser Zeit überrascht?

Katja de la Viña: Was mich und wohl viele überrascht hat: Im plötzlichen Lockdown mussten fast alle Kolleginnen und Kollegen sowohl im Innendienst wie im Außendienst von zu Hause arbeiten. Ich hätte nicht gedacht, dass 80 bis 90 Prozent der Allianzer so schnell und so effektiv im Homeoffice arbeiten können. Wenn wir sagen, dass wir robust durch die Krise gekommen sind, dann auch deshalb, weil Beratung und Verkauf, weil die Verwaltung, ja weil unser gesamtes Geschäft auf der Basis einer stabilen IT weitergelaufen ist. Vieles wird sich in der Arbeitswelt dauerhaft verändern, und die Digitalisierung hat nochmals einen deutlichen Schub erhalten.

“Bezüglich der Kostenquoten stehen wir bei der Allianz Lebensversicherung im Marktvergleich sehr gut da. Wie sich alle einkalkulierten Kosten annualisiert auf die Rendite eines Vertrages auswirken, weisen wir mit der Gesamtkostenquote seit über zehn Jahren transparent in den Vertragsunterlagen aus. Aber der einseitige Blick auf die Kosten stört mich auch: Was am Ende zählt, ist die Gesamtperformance, die wir erzielen.”

Katja de la Viña, Finanzvorständin der Allianz Leben

VWheute: Die Situation der Lebensversicherung sei ernst, aber insgesamt nicht dramatisch, skizzierte Hermann Weinmann von der Hochschule Ludwigshafen einmal bei VWheute. Als Kritikpunkte gelten der hohe Kostenblock, aber auch versteckte Provisionskosten. Wie sieht es bei der Allianz aus und wie steuern Sie dagegen an?

Katja de la Viña: Für die Allianz Lebensversicherung spricht eine aktuellere Aussage von Prof. Hermann Weinmann: In seiner erst im September veröffentlichten Studie zur Stabilität der großen Lebensversicherer hat die Allianz als einziger Versicherer das begehrte Label “betriebswirtschaftlich sehr stark“ und ebenfalls als einziger die Verbrauchernote “sehr gut” erhalten. Hohe Finanzkraft, zeitgemäße Produkte und eine top gemanagte Kapitalanlage sind wesentliche Erfolgskriterien für starke Lebensversicherer. Unsere Altersvorsorgeprodukte eröffnen eine attraktive Balance zwischen Renditechancen und Sicherheit, unsere Biometrieangebote sichern elementare Lebensrisiken ab.

Bezüglich der Kostenquoten stehen wir bei der Allianz Lebensversicherung im Marktvergleich sehr gut da. Wie sich alle einkalkulierten Kosten annualisiert auf die Rendite eines Vertrages auswirken, weisen wir mit der Gesamtkostenquote seit über zehn Jahren transparent in den Vertragsunterlagen aus. Aber der einseitige Blick auf die Kosten stört mich auch: Was am Ende zählt, ist die Gesamtperformance, die wir erzielen. Am Ende zählt der Wert für den Kunden, und der kann sich bei unseren Angeboten sehen lassen – übrigens auch im Vergleich mit anderen Formen der Vorsorge.

VWheute: Wo sehen Sie digitale Chancen im Vertrieb von Lebensversicherungsprodukten?

Katja de la Viña: Das Nutzungsverhalten digitaler Angebote bei Vorsorge und Versicherung zeigt: Wir müssen vor allem den Entscheidungsprozess unserer Kundinnen und Kunden digital unterstützen. Zudem wollen wir ein breites Informationsangebot sowie digitale Tools bieten, die Planung und Steuerung von Versicherung und Vorsorge über Plattformen ermöglichen und vor allem noch mehr Transparenz geben, was der tatsächliche Mehrwert einer Lebensversicherung ist. Gerade für jüngere Menschen startet doch die Information zur Vorsorge nicht mehr mit dem persönlichen Gespräch, sondern am Smartphone. Nur wer hier präsent ist und mit einfachen mobilen Services überzeugt, kommt in die engere Wahl.

Und wir sehen auch Chancen mit Tools, die Menschen die Planung der Vorsorge erleichtern und zugleich die Aufmerksamkeit dafür steigern. Die Allianz Lebensversicherung hat zum Beispiel vor einem Jahr den digitalen Rentenkompass gestartet. Mehr als 300.000 Nutzer haben mit diesem kostenlosen Service mittlerweile ermittelt, wie viel Einkommen sie im Alter nach Steuern und Abzügen voraussichtlich haben werden. Jeden Tag kommen 1.000 neue Nutzer hinzu. Ich kann nur empfehlen, mal selbst zu testen, unter www.rentenkompass.de. Zudem setzen wir auf umfassende Online-Services, zum Beispiel die Plattform “FirmenOnline”, mit der Arbeitgeber die betriebliche Altersvorsorge ihrer Mitarbeiter verwalten können. Neben den Verträgen bei der Allianz ist das nun auch für die Verträge anderer Versicherer möglich.

VWheute: Wie gehen Sie mit der Kritik von Verbraucherschützern um, dass Lebensversicherer zu instabil seien, um dauerhaft verlässliche Partner in der Altersvorsorge zu sein?

Katja de la Viña: Diese Kritik kann ich nicht nachvollziehen. Blicken wir doch nur auf die Allianz Lebensversicherung: Über zehn Millionen Menschen in Deutschland sorgen mit uns vor oder sichern sich gegen Lebensrisiken ab. Und im kommenden Jahr wird Allianz Leben 100 Jahre alt. Wir sind finanzstark, haben ein langfristiges Geschäftsmodell und legen das Vorsorgekapital unserer Kundinnen und Kunden über Jahrzehnte ertragreich an, damit diese im Alter ein zusätzliches Einkommen erhalten, auch in einem Niedrig- und Nullzinsumfeld.

Uns ist jede Kritik willkommen, auf deren Basis wir Verbesserungen umsetzen können. Aber für mich ist auch klar: Die Zukunft der nächsten Generationen betrifft Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in gleichem Maße. Die notwendigen Transformationen können angesichts der demografischen Entwicklungen, der Gesamtverschuldungen, den Auswirkungen der Coronakrise und der Neuausrichtung unserer Wirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit nicht allein Aufgabe des Staates sein – das würde ihn überfordern und wirksame Kräfte aus Wirtschaft und Gesellschaft ungenutzt lassen. Mit Blick auf eine zukunftsfähige Architektur des Rentensystems ist es notwendig, neben der staatlichen Alterssicherung die private und betriebliche Altersvorsorge als zweite und dritte Säule weiterzunutzen und zu stärken. Für ein finanziell selbstbestimmtes Leben müssen die Menschen in Deutschland dazu motiviert und in die Lage versetzt werden, neben der staatlichen Absicherung selbstständig für das Alter vorzusorgen. Dabei geht es nicht nur um Existenzsicherung, sondern auch darum, den Bürgerinnen und Bürgern Wege zu ermöglichen, ihre Ersparnisse bestmöglich anzulegen und abzusichern. Dafür stehen die Lebensversicherer.

Übrigens begleiten wir auch ganze Generationen: In vielen Familien beziehen die Großeltern bereits eine zusätzliche Rente der Allianz, während Eltern und Kinder betrieblich und privat über die Allianz für die Zukunft vorsorgen.

“Die Neuerungen in der Lebensversicherung sind Teil der strategischen Ausrichtung von Allianz Leben über die Mitte des Jahrzehnts hinaus. Denn wir wollen weiter wachsen, und zwar vor allem mit angepassten, innovativen und zukunftsfähigen Vorsorgelösungen für unsere Kundinnen und Kunden.”

Katja de la Viña, Finanzvorständin der Allianz Leben

VWheute: Haben Sie mit der Entscheidung gehadert, die 100-Prozent-Beitragsgarantie bei Neuverträgen abzuschaffen? Immerhin wurde damit für die LV-Branche ein gewisses Tabu gebrochen.

Katja de la Viña: Wir haben diese Entscheidung gut vorbereitet, und uns war auch schnell klar, dass dies der genau richtige Weg ist: Mehr denn je gilt ja: Allein mit sicheren Anlageklassen sind keine nachhaltig attraktiven Renditen möglich. Wenn es unser erklärtes Ziel ist, in einer anhaltenden Nullzins-Phase weiterhin eine attraktive und sichere Altersvorsorge zu bieten und diese langfristig zukunftsfähig zu gestalten, dann müssen wir die Angebote anpassen. Wir müssen also die Altersvorsorge verändern, damit sie bleibt, wie sie ist: Mit attraktiven Renditechancen, echten Mehrwerten für unsere Kundinnen und Kunden über lange Zeiträume, dabei zuverlässig und sicher. Und das ist die konsequente Fortsetzung dessen, was wir als Marktführer schon immer tun: die kontinuierliche Transformation unseres Geschäftsmodells.

Blicken wir doch noch einmal auf die Wünsche der Kunden: Sie möchten mit ihrer Vorsorge doch ein möglichst hohes Gesamtkapital erzielen, aus dem sie später dann ein zusätzliches Einkommen generieren. Dafür ist es in einer Zeit von null Zinsen nötig, höhere Freiheitsgrade in der Kapitalanlage für alternative Anlagen zu schaffen – mit angepassten Garantien. Wir haben uns daher mit unserer Entscheidung genau am Bedarf der Vorsorgesparer ausgerichtet.

VWheute: Welche Ziele verfolgen Sie in den kommenden Jahren? Wie viel Wachstum ist in der Lebensversicherung möglich?

Katja de la Viña: Die Neuerungen in der Lebensversicherung sind Teil der strategischen Ausrichtung von Allianz Leben über die Mitte des Jahrzehnts hinaus. Denn wir wollen weiter wachsen, und zwar vor allem mit angepassten, innovativen und zukunftsfähigen Vorsorgelösungen für unsere Kundinnen und Kunden. Dafür haben wir die richtigen Entscheidungen getroffen und neue Produkte auf den Markt gebracht. Zum Beispiel die PrivateFinancePolice mit Fokus auf chancenreiche alternative Anlagen oder die neue InvestFlex Green mit einem ausschließlich nachhaltigen und qualitätsgeprüften Fondsangebot.

Und ein klares Ja: Es ist weiteres Wachstum in der Lebensversicherung möglich – in der betrieblichen Altersversorgung wie auch privat. Denn der Bedarf an Vorsorge ist da, und die Aufmerksamkeit auf dieses Thema nimmt eher zu. Denken wir nur an die weitere Durchdringung mit betrieblicher Altersversorgung oder an die Rentenlücke zwischen Frauen und Männern, wo wir unter dem Hashtag #equalpension als Allianz Leben nun aktiv werden.

Die Fragen stellten VWheute-Chefredakteur Michael Stanczyk und VWheute-Redakteur Tobias Daniel.

Das vollständige Interview lesen Sie in der aktuellen November-Ausgabe der Versicherungswirtschaft.

Ein Kommentar

  • Dr. Andreas Billmeyer

    Die Aussage, in der Studie von Prof. Hermann Weinmann hätte nur 1 einziger Versicherer die Note “betriebswirtschaftlich sehr stark” erhalten, stimmt nicht ganz – das gilt nur innerhalb der 12 größten Häuser.
    Mit der LV 1871 (und der Hannoversche Leben) gibt es durchaus noch 2 etwas kleinere Häuser mit diesem Qualitätsmerkmal, die allerdings immer erst im Dezember analysiert werden… und da sind, wie der Name schon ausdrückt, bereits 150 Jahre Tradition und Verlässlichkeit gegeben.

    Ansonsten aber stimmt natürlich die Aussage: Die Lebensversicherung in D ist lebendiger denn je und gegenüber anderen sicheren Anlageformen äußerst konkurrenzfähig,

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