Versicherte wollen keine höhere Prämie für mehr Nachhaltigkeit zahlen

Die Transformation zur nachhaltigen Wirtschaft ist mit vielen Vorteilen aber auch Risiken verbunden. (Quelle: Getty Images / R+V)

Nachhaltigkeit wird bei den Versicherern derzeit großgeschrieben. Allerdings sind die Versicherten nicht bereit, höhere Prämien für nachhaltige Produkte zu zahlen. Dies geht aus einer aktuellen Analyse von BearingPoint hervor.

Dass Versicherungsunternehmen eine wichtige Rolle bei der Förderung von Nachhaltigkeit spielen sollen, bejahen in diesem Jahr deutlich weniger Verbraucher. So meinen 53 Prozent der Deutschen, 64 Prozent der Österreicher und 67 Prozent der Schweizer, dass Versicherer mit ihren Produkten nachhaltiges Verhalten fördern sollten. Im Vorjahr lag die Mehrheit mit 71, 80 und 81 Prozent noch deutlich höher.

Eine weitere Erkenntnis: 48 Prozent der Deutschen, 59 Prozent der Österreicher und 58 Prozent der Schweizer halten eine externe Zertifizierung – z.B. durch ein Siegel – bei der Entscheidung zugunsten eines nachhaltigen Produkts für wichtig.

Zwar sind die Zustimmungswerte in der jungen Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen deutlich höher. In der Gesamtbevölkerung wären in Deutschland aber nur 32 Prozent, in Österreich 41 Prozent und in der Schweiz 46 Prozent bereit, für mehr Nachhaltigkeit auf Versicherungsleistungen zu verzichten.

Quelle: BearingPoint

Insgesamt wären nur 27 Prozent der Deutschen, 39 Prozent der Österreicher und 36 Prozent der Schweizer dazu bereit, eine höhere Prämie für nachhaltige Zwecke zu zahlen. Über 50 Prozent lehnen in allen drei Ländern eine erhöhte Prämie ab, um damit eine nachhaltige Produktausrichtung abzubilden. Schon im Vorjahr stimmten weniger als ein Drittel der Idee zu, etwa den Versicherungsschutz für weniger umweltfreundliche Fahrzeuge (zum Beispiel große SUV) zugunsten von Fahrzeugen mit guter Klimabilanz zu verteuern.

Die größere Skepsis deutscher Verbraucher im Vergleich zu Versicherungskunden in Österreich und der Schweiz zeigt sich auch im Hinblick auf die Beurteilung von nachhaltigen Anlageprodukten von Versicherungen. In Deutschland ist der Anteil derjenigen, die im Vergleich zu herkömmlichen Anlageprodukten bei nachhaltiger Ausrichtung langfristig mit einer niedrigeren (47 Prozent) und einer höheren Rendite (46 Prozent) rechnen, nahezu gleich verteilt. Anders in Österreich und der Schweiz: Mit 57 Prozent der Österreicher und 56 Prozent der Schweizer rechnen deutlich mehr Verbraucher mit einer höheren Rendite nachhaltiger Versicherungsprodukte als in Deutschland.

„Nachhaltigkeit setzt sich in den Köpfen der Verbraucher fest. Mit vermeintlich steigendem Verständnis für das Thema nimmt aber auch die Skepsis hinsichtlich der Rolle von Versicherungen und Versicherungsprodukten beim Thema Nachhaltigkeit zu. In Deutschland scheint das Thema aktuell besonders schwierig. Die traditionellen Vorbehalte deutscher Verbraucher gegenüber Finanzinstituten scheint sich zudem beim Thema Nachhaltigkeit fortzusetzen. Bei anlageorientierten Produkten allerdings setzt sich die Einschätzung durch, dass auf längere Sicht die nachhaltige Ausrichtung sich zumindest nicht nachteilig auf die Rendite auswirkt.“

Giso Hutschenreiter, Partner und Versicherungsexperte bei BearingPoint

Dass Produkte mit nachhaltiger Ausrichtung bereits grundsätzlich im Markt angeboten werden, glauben 47 Prozent der Deutschen, 56 Prozent der Österreicher und 57 Prozent der Schweizer. Für nur noch 29 Prozent der Deutschen (Vorjahr: 34 Prozent) würde inzwischen das Angebot nachhaltiger Produkte die Versicherungswahl beeinflussen, während 51 Prozent dies verneinen (Vorjahr: 48 Prozent). In Österreich und in der Schweiz sind die Zahlen zwar höher, aber im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls rückläufig.

Autor: VW-Redaktion

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