Element-Insolvenz: Bestehende Ansprüche können noch nicht ausgezahlt werden
Über die Element Insurance AG wurde am 1. März 2025 das endgültige Insolvenzverfahren eröffnet. Bildquelle: MV
Kunden oder Geschädigte des insolventen Digitalversicherers Element müssen weiter auf die Regulierung ihrer Ansprüche warten. Nach Angaben des Insolvenzverwalters Friedemann Schade läuft die Abwicklung der über 25.000 gemeldeten Schadenfälle noch. Das Amtsgericht Charlottenburg hat mit Beschluss vom 1. März 2025 das Insolvenzverfahren über das Vermögen von Element eröffnet und Rechtsanwalt Schade zum Insolvenzverwalter bestellt.
Die bestehenden Ansprüche könnten derzeit noch nicht ausgezahlt werden, berichtet Schade. Diese Regelung gelte ausnahmslos und auch für unbestrittene Forderungen. Der Verwalter muss zuerst sämtliche angemeldeten Ansprüche umfassend prüfen. Erst nach diesem Abgleich lässt sich verlässlich feststellen, mit welcher Quote die einzelnen Gläubiger am Ende rechnen können.
Während bei der Eröffnung des Insolvenzverfahrens im März 2025 noch von schätzungsweise 15.000 bis 20.000 unregulierten Schadensfällen ausgegangen worden war, sind im Laufe des Verfahrens und durch die nachfolgenden Anmeldungen über das Gläubigerportal über 25.000 konkrete Schadenfälle beim Insolvenzverwalter und dem beauftragten externen Dienstleister eingegangen.
Die Schäden werden aus dem Sicherungsvermögen nach § 125 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) bedient. Auf dieses Sicherungsvermögen, das das Unternehmen zur Absicherung der Ansprüche der Versicherten nach den Vorschriften des VAG zu bilden hatte, haben alle Schadengläubiger einen vorrangigen Anspruch vor den sonstigen Gläubigern im Insolvenzverfahren. Sollte das Sicherungsvermögen zur vollständigen Regulierung aller Schäden nicht ausreichen, werden die Ansprüche quotal bedient.
Es wird betont, dass an einem schnellstmöglichen Abschluss der Prüfungen gearbeitet werde. Um die Datenmengen abzuarbeiten, hat der Insolvenzverwalter einen externen Schadendienstleister mit ins Boot geholt. Dennoch werden im laufenden Jahr voraussichtlich keine Auszahlungen mehr erfolgen.
Die 2017 gegründete Element agierte jahrelang als White-Label-Anbieter am Markt. Über Partnerunternehmen vertrieb das Start-up Policen etwa zu Unfall-, Tier- und Handyschutz. Das Geschäftsmodell geriet ins Wanken, als mit der Hannover Rück ein zentraler Rückversicherungspartner absprang. Ende 2024 zog die Finanzaufsicht Bafin schließlich die Reißleine und stellte Insolvenzantrag für Element. Das Portfolio umfasste zu diesem Zeitpunkt rund 320.000 Verträge.
Als Konsequenz aus der Element-Pleite arbeitet die Bundesregierung an der Einrichtung eines speziellen Sicherungsfonds für die Branche. Während für Lebensversicherungen mit Protektor und für Krankenversicherungen mit Medicator Rettungsschirme existieren, fehlte ein solches Sicherheitsnetz für Sachversicherer bislang komplett.
Autor: VW-Redaktion
