Hagelgilde: Parametrische Versicherung kommt an und greift

Quelle: Bild von Pete Linforth auf Pixabay

Die indexbasierte Niederschlagsversicherung „Hagelgilde Plus Aqua Flex“ hat im ersten Jahr nach Markteinführung schon ihre „präzise Wirksamkeit“ bewiesen. Die Erwartungen in die parametrische Versicherung, die Landwirten Einkommensverluste durch Nässe und/oder Trockenheit absichert, hätten sich voll bestätigt, schreibt der Hagelgilde Versicherungs-Verein im Geschäftsbericht 2020. Das Produkt werde verstärkt nachgefragt. Aufgrund der zunehmenden Wetterextreme wird mit einer weiteren Sensibilisierung der Landwirte für die Notwendigkeit dieser einzelbetrieblichen Risikoabsicherung gerechnet.

Für den regionalen Pflanzenversicherer in Norddeutschland war 2020 ein „ungewöhnlich ruhiges“ Schadenjahr. Insgesamt gingen nur 96 Schadenmeldungen ein, davon wurden 38 Fälle mit Gesamtauszahlungen von 0,266 Mio. Euro abgeschlossen. Darunter waren auch „einige“ Aqua Flex-Schäden. Dieses Produkt wurde mit der E+S Rückversicherung AG entwickelt. Dabei tritt der Schadenfall ein, wenn die Niederschlags-Verhältnisse vom Durchschnitt der letzten 30 Jahre abweichen, unabhängig vom tatsächlichen Schaden. Dem Index liegen die Daten des Deutschen Wetterdienstes zugrunde. Mithilfe einer Berechnungsplattform können die Kunden verschiedene Parameter nach ihrem Bedarf festlegen. Obergrenze für die Versicherungssumme ist der Wert im Anbauverzeichnis Hagel. Der Abschluss einer Hagelversicherung ist Bedingung für „Plus Aqua Flex“.

Für 2020 weist die Hagelgilde in Form der Umlage erhobene Bruttobeiträge von 2,29 Mio. Euro (2019: 2,68 Mio. Euro) aus. Laut Geschäftsbericht soll auf vom Umlageverfahren im Voraus festgelegte Prämiensätze umgestellt werden. Damit könne besser auf den wechselnden Kapitalbedarf für Schäden reagiert werden. Bei geringerem Jahresschadenverlauf soll es dann Beitragsrückerstattungen geben. Der Gilde gehören 2.802 Mitglieder an, die 5.277 Verträge (2019: 5.499 Verträge) mit einer versicherten Fläche von 431.097 Hektar (2019: 432.024 Hektar) und einer Versicherungssumme von knapp 633 Mio. Euro (2019: 641,3 Mio. Euro) abgeschlossen haben. Die Rückgänge sind im Wesentlichen dem Strukturwandel und der Entwicklung der Marktpreise für die Ernten geschuldet.

Der Jahresüberschuss von 0,98 Mio. Euro (2019: 0,13 Mio. Euro) wird der Verlustrücklage zugeführt. Das Eigenkapital erreicht zum Bilanzstichtag rund 2,78 Mio. Euro (2019: 1,8 Mio. Euro), was 46,2 Prozent (2019: 35,1 Prozent) der Bilanzsumme entspricht.

Autorin: Monika Lier

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