Kiechle: „Problem ist die mangelnde Aufklärung beim Thema Pflege“

Manuela Kiechle, Vorstandsmitglied Bayer. Beamtenkrankenkasse und UKV. Quelle: UKV

Der PKV-Verband hatte jüngst zu einer breiten Diskussion für einen „neuen Generationenvertrag“ in der Pflegeversicherung aufgerufen. Allerdings seien „Systemdiskussionen nicht wirklich hilfreich“, konstatiert Manuela Kiechle, Vorstandsmitglied der Bayerischen Beamtenkrankenkasse und UKV im Interview mit VWheute.

VWheute: Frau Kiechle, der PKV-Verband hat heute seine Vorstellungen zur generationengerechten Reform der Pflegeversicherung vorgestellt. Ihre Meinung dazu?

Manuela Kiechle: Ich halte das für einen sehr guten, gerechten und vor allem praktikablen Vorstoß mit dem charmanten Vorteil, dass er unser heutiges System nicht völlig umkrempelt; vielmehr ergänzt er es sinnvoll und schafft dabei einen Ausgleich zwischen Alt und Jung, sodass keine Generation überfordert wird. Durch die Stärkung der Eigenvorsorge über das Kapitaldeckungssystem sorgt jeder für sich selbst vor, sodass künftig nur Bedürftige vom Staat unterstützt werden müssten. Gerade die steuerliche Absetzbarkeit privater Pflegevorsorge dürfte für viele Unentschlossene sowie Unternehmen ein schlagendes Argument für den Abschluss sein.

Der Vorschlag des PKV-Verbands ist somit eine solidarisch ausgestaltete Kombination aus der heutigen Pflegepflichtversicherung, steigender Eigenvorsorge und staatlicher Förderung: Damit könnten die ohnehin schon großen demografischen Lasten gedämpft und die Sozialsysteme stabilisiert werden.

VWheute: Auch das politische Berlin diskutiert über eine Neuausrichtung der Pflege. Dabei gibt es auch Vorschläge von Kostendeckelung bis zur kompletten Sozialisierung…

Manuela Kiechle: Meiner Ansicht nach sind solche Systemdiskussionen nicht wirklich hilfreich. Tragfähig und gerecht sind sie jedenfalls nicht: Sie belasten nämlich künftige Generationen, die ohnehin schon für absehbar steigende Kosten bei Rente und Gesundheit gerade stehen müssen, noch weiter. Mal ganz abgesehen davon, dass die damit verbundenen Kosten in Höhe vieler Milliarden Euro schlicht nicht bezahlbar sind.

Zudem ist die Diskussion unnötig, da unser duales Pflegesystem ja durchaus funktioniert: Das Problem ist vielmehr die mangelnde Aufklärung beim Thema Pflege darüber, dass die staatlichen Pflegeleistungen allein für die allermeisten Menschen nicht ausreichend sind und daher zusätzliche Vorsorge erforderlich ist.

Bei der Altersvorsorge hat diese Aufklärung ja schon gut funktioniert: Eine deutliche Mehrheit hierzulande sorgt inzwischen neben der staatlichen Rente auch privat oder betrieblich vor. Das müssen wir auch beim Thema Pflege schaffen. Warum gibt es etwa beim jährlichen Schreiben der Deutschen Rentenversicherung nicht nur einen automatischen Hinweis auf mögliche Vorsorgelücken bei der Altersvorsorge, sondern auch bei der Pflege?

VWheute: Warum ist Aufklärung beim Thema Pflege so wichtig?

Manuela Kiechle: Weil hier nach wie vor ein deutlicher Mangel an Information besteht. Derzeit haben noch nicht einmal fünf Prozent der Bevölkerung eine Pflegezusatzversicherung abgeschlossen. Hier müssen wir also noch besser darüber informieren, dass nur eine Pflegezusatzversicherung Pflegerisiken wirklich absichern kann.

VWheute: Mit welchen Kosten müssen Pflegebedürftige eigentlich rechnen?

Manuela Kiechle: Trotz besserer Leistungen und Ausweitung der Leistungsempfänger trägt die soziale Pflegepflichtversicherung nur einen Teil der Pflegekosten: Sie gewährt Leistungen nach definierten Pflegegraden, durch die jedoch die Kosten ambulanter oder (teil-)stationärer Pflege nur teilweise finanziert werden. Trotz Leistungen aus der sozialen Pflegeversicherung entsteht schon bei professioneller ambulanter Pflege eine deutliche Finanzierungslücke von mehreren hundert Euro im Monat; bei stationärer Pflege beträgt die Differenz oft sogar über zweitausend Euro. Ohne zusätzliche Absicherung führt eigene Pflegebedürftigkeit also schnell zur finanziellen Überforderung bis hin zur notgedrungenen Veräußerung der eigenen Immobilie.

VWheute: Sie haben vor kurzem den neuen Service PflegePartner vorgestellt. Was hat es damit auf sich?

Manuela Kiechle: Tritt Pflegebedürftigkeit ein, kommen viele neue Aufgaben auf die Betroffenen und insbesondere ihre Angehörigen zu: Die Leistungen aus der Pflegeversicherung müssen beantragt werden, der Termin für die Begutachtung der pflegebedürftigen Person will vorbereitet sein und Unterstützungsangebote wie ambulanter Pflegedienst oder Hilfsmittel organisiert werden.

Auch die Frage „Pflege im Heim oder Pflege zu Hause“ muss geklärt werden. Und dann sind da noch Vollmachten und die Patientenverfügung, die jetzt geprüft oder erstellt werden sollten. Mit unserem PflegePartner bieten wir unseren Kunden dafür nun maßgeschneiderte Beratung und persönliche Unterstützung – analog und digital.

VWheute: Was bietet der PflegePartner konkret?

Manuela Kiechle: Bei der Organisation der Pflege beraten und begleiten kompetente Pflege-Berater telefonisch und persönlich: Angehörige erhalten beim Eintritt eines Pflegefalls für drei Monate praktische Unterstützung, z.B. bei der Auswahl von Pflege-Hilfsmitteln, beim pflegegerechten Umbau des Hauses oder der korrekten Beantragung von Zuschüssen und Leistungen. Professionelle Beratung und Hilfe durch examinierte Pflege-Fachkräfte spart Zeit und Geld und entlastet die Angehörigen oft auch psychisch enorm.

Darüber hinaus gibt es mit dem PflegePartner Plus noch ein Zusatzangebot für Kunden unseres Premium-Tarifs, der einmalig auch bei der Pflege von Eltern oder Kindern unterstützt, die selbst keine Kunden sind. Die persönliche Beratung wird ergänzt durch einen digitalen PflegePartner: Auf dem Desktop oder Smartphone können Angehörige dann alle Aktivitäten rund um die Pflege koordinieren – ganz unabhängig vom Wohnort. Zudem bietet der digitale PflegePartner auch Services wie Online-Antragstellung, Pflegegrad-Rechner, Pflege-Suche und Dokumenten-Archiv.

Das Interesse von Kunden und Vertriebspartnern an unseren neuen PflegePartner-Services ist übrigens groß.

VWheute: Wie positionieren Sie sich sonst noch beim Thema Pflege?

Manuela Kiechle: Wir haben bereits 1978 als erster Versicherer in Deutschland eine private Pflegeversicherung angeboten; seitdem sind wir an dem Thema dran geblieben und bieten heute in Sachen Pflege eine breite Produktpalette für jeden individuellen Bedarf.

Wir sind daher heute einer der führenden Anbieter in Sachen Pflege, im Bereich der geförderten Pflege sogar Marktführer in Deutschland. Besonders gut läuft dieses Produkt mit staatlicher Förderung übrigens im bewährten S-Finanzkonzept der Sparkassen.

Darüber hinaus engagieren wir uns beim Thema Pflege auch gesellschaftlich mit unserem Pflegeinnovationspreis. Wir machen damit vorbildhafte Pflege im Quartier sichtbar und regen diese zur Nachahmung an. Innovative Pflegeprojekte können sich übrigens noch bis Ende November ganz einfach bewerben unter www.ukv.de/pflegepreis

VWheute: Wo liegen die Herausforderungen für gute Pflege in Deutschland?

Manuela Kiechle: Leider haben wir noch immer zu wenig Pflegekräfte und vorbildhafte Pflegeeinrichtungen in Deutschland. Die Politik hat dieses Problem inzwischen aber erkannt und dreht an verschiedenen Stellschrauben, etwa besseren Bedingungen in den Pflegeberufen oder die Anwerbung von Fachkräften im Ausland. Daneben ist aber auch – wie schon gesagt – kontinuierliche Aufklärung der Bevölkerung über die Notwendigkeit eigenverantwortlicher Vorsorge wichtig.

Autor: VW-Redaktion

Ein Kommentar

  • Danke für diesen Blog. In meinen Augen ist das Geld ein Problem. Es versickert zu viel und die Kassen haben keine Übersicht über die Gelder. Die Bürokratie ist einfach eine Katastrophe.

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