Quarantäne-Langeweile? Diese Versicherungsfilme sollten Sie nicht verpassen

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Sie vermissen den Büroalltag? Kein Problem: Die auf Netflix ausgestrahlte TV-Serie „Stromberg“ lässt sie wieder das Homeoffice schätzen. Sehenswert sind auch andere deutschsprachige Versicherungsproduktionen wie „Kehraus“ und „Der Fall Lucona“. Aus Hollywood gibt es dagegen selten gute Insurance-Streifen.

Seit dem Expressionismus der 20er Jahre weiß die Welt um die besondere Filmkunst der Deutschen. Anspruchsvoll geht es bei den Produktionen zum Thema Versicherungen indes nicht zu. Einfallsreich sind sie jedoch allemal – schließlich bietet die Assekuranz im realen Leben genügend filmreifen Stoff.

Stromberg – Der Film (2014)

Nach fünf erfolgreichen und mehrfach preisgekrönten TV- Staffeln wurde Bernd Stromberg, Leiter der Schadensregulierung der Capitol-Versicherung, 2014 auf die Kinoleinwand gebracht. Den Film kann man auch ohne Vorkenntnis der Serie verstehen, das Filmerlebnis wird jedoch mit Vorkenntnis erheblich gesteigert. Unter der Regie von Arne Feldhusen fährt Bernd Stromberg (Christoph Maria Herbst) mit seiner gesamten Schadenabteilung zur Jubiläumsfeier der Capital-Versicherung. „Firmenfeiern sind wie das letzte Abendmahl. Immer zu wenig Weiber, das Essen ist schlecht und am Ende gibt‘s Ärger“, so seine Vorahnung. In der Tat hört er von bevorstehenden Stellenkürzungen und aus Zukunftsangst will er sich vor dem Vorstand gut präsentieren.

Zunächst fällt er mit rassistischen und sexistischen Äußerungen negativ auf, („Für einen Türken kannste auch gleich
drei Vietnamesen versichern, das ist Fakt!“ oder „Ne Frau ist ja nicht gleich automatisch clever, nur weil sie scheiße aussieht!“), später rettet er aber durch seine Entertainer-Fähigkeiten den langweiligen Galaabend. Er erhält eine Einladung zur „Vorstands-Party“ nach der eigentlichen Veranstaltung – die sich als Orgie der männlichen Vorstandsmitglieder mit Prostituierten herausstellt. Wegen seiner neu entflammten Liebe zu Arbeitskollegin Jennifer verlässt er die Party jedoch und wird vom Personalvorstand gekündigt.

Das nimmt er zum Anlass, den anderen Mitarbeitern von den geplanten Massenentlassungen zu berichten. Es entsteht eine Protestbewegung mit Stromberg an der Spitze gegen die Capitol und gegen den Kapitalismus schlechthin.

Stromberg ist sarkastisch, bissig und egozentrisch wie eh und je. Als Meister der pointierten Lebensweisheit haut er Sprüche raus wie: „Egal wie doof alles ist, immer positiv …! Das kommt aus Amerika, die machen das auch so. Wenn die heute erschossen werden, denken die, morgen kann‘s nur besser werden“ oder „Meine Uhr zum Beispiel, die geht jetzt immer zwanzig Minuten vor, sodass ich praktisch in der Zukunft lebe.“ Autor und Produzent Ralf Husmann und Regisseur Arne Feldhusen haben mit „Stromberg“, einer Adpation der britischen Serie „The Office“, eine einmalige Comedyserie im Deutschen Fernsehen geschaffen. Der Film dazu, den die Fans mitfinanziert haben, markiert auch den Endpunkt der Serie. Die hohen Erwartungen kann der Film jedoch nicht ganz erfüllen.

Der Fall Lucona (1993)

Einen der größten österreichischen Politskandale zu verfilmen, ist nicht einfach. Aber die in den Medien als Lucona- Skandal oder Lucona-Affäre genannte Causa klingt wie ein Film und wurde auch zwangsläufig einer. Die wahren Ereignisse: Udo Proksch, einst Designer für Brillen und Erfinder des platzsparenden Senkrechtsarges, kaufte mit dem Geld seiner Frau die Hofbäckerei Demel und etablierte dort den „Club 45“, wo sich die Politprominenz der Regierung (überwiegend SPÖ) der 60er und 70er Jahre amüsierte.

Wohl hoch verschuldet charterte Proksch den Frachter „Lucona“, um eine auf 212 Mo. Schilling (15,4 Mio. Euro) versicherte angebliche Uranerzmühle zu verschiffen. An Bord war jedoch nur Schrott und Proksch ließ den Frachter explodieren, um die Versicherungssumme zu kassieren. Diesen Verdacht hegte auch die Bundesländer-Versicherung und verweigerte die Auszahlung (rückversichert bei der Munich Re). Wegen Prokschs Beziehungen in die höchsten Kreise der Politik unternahmen die Ermittlungsbehörden lange Zeit nichts.

Durch die Aufdeckungsarbeit der Journalisten Gerald Freihofner und Hans Pretterebner, deren Buch „Der Fall Lucona“ 1987 erschien, begann die Aufarbeitung des Lucona-Skandals. Belastbare Beweise kamen erst mit dem aufgespürten Wrack des Schiffs ans Licht. Anhand dieser Vorlage hätte man durchaus einen unterhaltsameren Film machen können, an den Kinokassen floppte er. Solide Leistungen liefern Schauspieler David Suchet als Proksch (im Film Rudi Waltz) und Jürgen Prochnow als Enthüllungsjournalist ab. Sehenswerter ist daher Robert Dornhelms Dokumentarfilm „Out of Control“ zur Lucona-Affäre.

Tatort: Auge um Auge (2017)

Mit knausrigen Versicherern haben wohl viele Kunden bereits ihre Erfahrungen gemacht, sodass die Rollen im MDR-Tatort„Auge um Auge“ klar verteilt sind. In der Versicherungsfirma ALVA, die mit dem Motto „Ihr Partner für Ihre
Sicherheit“ wirbt, wird der Abteilungsleiter Heiko Gebhardt am helllichten Tag vom gegenüberliegenden Gebäude aus
erschossen. Ein Scharfschütze in Dresden? Die Ermittlerinnen Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Henni Sieland (Alwara Höfels) und ihr Chef Schnabel befragen die Angestellten und finden sich in einem Geflecht aus Mitarbeiterintrigen und knallharter Firmenpolitik wieder.

Die neue Konzernstrategien verlangt von ihren Mitarbeitern, weniger Versicherungsleistungen auszuzahlen und zugleich Personal abzubauen. Um den eigenen Arbeitsplatz nicht zu verlieren, wird innerhalb der Belegschaft großflächig gemobbt. „Hätte, hätte. Hätte ist die kleine Schwester von Heul-doch“, sagte der erschossene Gebhardt seinem Untergebenen. An diesen Sätzen lässt sich bereits erahnen, dass „Stromberg“-Erfinder Ralf Husmann am Drehbuch mitwirkte. Unter dem Mobbing litt auch Rainer Ellgast, der deswegen mit dem Mordopfer Gebhardt wiederholt in Streit geriet. Nicht nur er hat ein Motiv, sondern auch viele ALVA-Kunden, weil sie nach einer Berufsunfähigkeit um ihre Entschädigung gebracht wurden.

Dieses recht emotionale Thema lockte 9,32 Millionen Zuschauer an den Fernseher und bestätigte wohl die negativen Vorurteile des Publikums gegenüber der Assekuranz. Das Innenleben eines Versicherers ist nicht besonders realistisch nachgezeichnet, aber unterhaltsam und spannend ist der Film sehr wohl.

Kehraus (1983)

Ein Klassiker zur Faschingszeit. Der bayerische Kultkabarettist Gerhard Polt spielt den Gabelstaplerfahrer Ferdinand Weitel, der sich am Rosenmontag sieben unsinnige Policen vom Vertreter Arno von Mehling (Nikolaus Paryla) andrehen lässt, die er von seinem Gehalt gar nicht bezahlen kann. Am Faschingsdienstag will er das aus der Welt schaffen und begibt sich in die Zentrale des Versicherers. Dort trifft er allerdings nur auf feierwütige Vertreter, die Schnaps und Schampus der Arbeit vorziehen. Schließlich fasst sich die Sekretärin Annerose Waguscheit (Gisela Schneeberger) ein Herz und erzählt ihm von dem abendlichen Faschingsball „Traumpolice“, wo er Herrn von Mehling sicher finden kann. Derweil plant die Chefetage (u.a. Dieter Hildebrandt) munter Entlassungen.


Besser als Polt kann man den „kleinen Mann“, der gegen den profitorientierten Beamtenapparat ankämpft, nicht spielen. Polt wirkte auch als Co-Autor. Sein Kinodebüt basiert zum Teil auf Gesprächen, die er in einer Versicherungskantine belauschte. Für jeden Bürohengst ist dieser Film ein Muss und hinter der Satire verbirgt sich auch eine ernst zu nehmende Gesellschaftskritik. Am Ende bleibt ein fader Geschmack im Mund. Immerhin schmunzelt man über die Musik, Frisuren und Kleidung der 1980er.

Double Idemnity (1944)

So gegenwärtig der Schutz von Risiken in unserem Alltag ist, so vielfältig versuchte auch Hollywood die Geschichten dahinter zu verfilmen. Oscarreif waren die Leistungen allemal, darunter der „Double Idemnity“. Der Film basiert auf dem Roman „Doppelte Abfindung“ von James M. Cain aus dem Jahre 1935. Weil die Figuren zu zynisch und unmoralisch waren, galt die Geschichte lange als unverfilmbar. Schließlich brauchte es den Meisterregisseur Billy Wilder, der den Stoff zum wichtigsten Klassiker des Film noirs machte. Barbara Stanwyck spielt die manipulative und skrupellose Phyllis Dietrichson, die ohne das Wissen ihres Mannes eine Lebensversicherung in seinem Namen abschließt, mit dem Plan ihn zu ermorden und die Versicherungssumme zu kassieren. Als Femme fatale überzeugt sie den Versicherungsvertreter Walter Neff (Fred MacMurray), den Plan in die Tat umzusetzen.

Derartige Rollen waren im damaligen Mainstreamkino Hollywoods sehr ungewöhnlich – vor allem ein so modernes und emanzipiertes Frauenbild während des Zweiten Weltkrieges. Um ihre Falschheit zu verdeutlichen, trug Stanwyck den Film über eine blonde Perücke. Regisseur Wilder war im Verlauf der Dreharbeiten aber zunehmend unzufrieden mit der Idee. Da bereits etliche Szenen gedreht waren, konnte man sich eine Änderung der Haartracht nicht leisten. Die Mühe hat sich dennoch gelohnt:  In sieben Kategorien wurde der Film bei der Oscarverleihung 1945 nominiert, gewinnen konnte er keinen. In Deutschland erschien der Film unter den Namen: „Frau ohne Gewissen“, und macht neben dem spannenden Plot vor allem durch seine haarscharf geschliffenen Dialoge viel Spaß. Das American Film Institute stuft den Streifen auf Platz 29. der besten Filme aller Zeiten ein.

Das Appartment (1960)

Neben „Double Idemnity“ schuff Billy Wilder einen weiteren Filmklassik, in dem die Assekuranz erneut nicht gut wegkommt. Nur hat er diesmal tatsächlich den Oscar für den besten Film und die beste Regie geholt. Der gutmütige C.C. Baxter (Jack Lemmon) ist Sachbearbeiter bei der New Yorker Versicherungsgesellschaft „Consolidated” und bewohnt als Single ein hübsches Appartement. Um aufzusteigen, kann er seinen Arbeitskollegen nicht abschlagen, seine Wohnung als Liebesnest zur Verfügung zu stellen. Während sich die Ehemänner und deren Geliebte das Appartement als Stundenhotel nutzen, muss Baxter stundenlang auf einer Parkbank im Central Park in der Kälte ausharren. Eines Tages verliebt er sich in die Frau, die sein Chef Mr. Sheldrake mitbringt. Baxter muss sich am Ende für die Karriere oder die große Liebe entscheiden.

Der Regisseur vereint eine böse Gesellschaftssatire mit einer bezaubernden Liebesgeschichte. All das eindrucksvoll in Szene gesetzt, u.a. das Großraumbüro, in dem man Baxter zum ersten Mal sieht, vor seiner Rechenmaschine am Tisch mit der Nummer 861 im 19. Stock. Dabei ist es kein echtes Büro, sondern ein perspektivischer Trick, bei dem die unzähligen hinteren Tische einfach aus Pappe kleiner gemacht wurden. Die Geschäftsmoral ist genauso doppelbödig wie die private. Wirklich arbeiten sieht man in dem Film niemanden. Die Telefonistinnen treffen Verabredungen, die Vorgesetzten arrangieren ihr nächstes Abenteuer und Baxter koordiniert den Nutzungsplan für sein Appartment. Beruflichen Aufstieg gibt es nur gegen Gefälligkeiten, nicht wegen guter Leistung. Das ist wohl in vielen Firmen bis heute so.

Der Regenmacher (1997)

Man nimmt das Skript des besten Autors von Kriminalbüchern, John Grisham, und einen der bedeutendsten Filmregisseure der Geschichte, Francis Ford Coppola, und besetzt den Streifen mit all den Stars, die die 90er-Jahre zu bieten  hatten (Matt Damon, Danny DeVito, Danny Glover, Jon Voight, Claire Danes und Mickey Rourke). Herauskommt ein sehenswerter Gerichts-Thriller, der jedoch in Teilen sehr klischeebeladen ist, weil es den so oft erzählten Kampf zwischen David und Goliath zeigt.

Der junge Anwalt Rudy Baylor (Matt Damon) zieht gegen einen Versicherer vor Gericht, der einem an Leukämie erkrankten Jungen die Knochenmarktransplantation nicht bezahlen will. Im Laufe des Verfahrens zeigt sich u.a., dass der angeklagte Versicherer im Grunde jeden Kundenanspruch zurückwies, solange kein Gerichtsprozess drohte. Die Jury verhängt schließlich eine Strafzahlung von 50 Mio. Dollar über die Versicherungsgesellschaft, das höchste derartige Urteil in Memphis, weshalb Rudy Baylor als Regenmacher bezeichnet wird. Das Unternehmen meldet jedoch kurze Zeit später Insolvenz an, auch weil Geld von der Firmenspitze unterschlagen wurde damit sie sich Strafzahlungen entziehen kann. Am Ende stehen alle Seiten mit leeren Händen da – eine ernüchternde und durchaus zynische Abrechnung mit dem amerikanischen Rechtssystem.

Mit viel Liebe zum Detail erzählt Coppola in zweieinhalb Stunden den Grisham-Stoff. Der Buchautor sagte später, dass es wohl die beste Verfilmung seiner vielen Werke sei. Was im seitenreichen Buch funktioniert, ist jedoch für die Spannungskurve im Film nicht immer förderlich. Zu viele Charaktere mit vielen Nebenhandlungen stören den Erzählfluss. Unverzichtbar ist indes Danny DeVito, der den tollpatschigen Anwaltsassistenten Deck Shifflet mimt und einige komödiantische Einlagen mitbringt.

Und dann kam Polly (1994)

Jeder kennt wohl diese Situation: „Ich hab grad geschurzt! Ich wollte furzen, da kam bisschen Scheiße mit raus“– Fäkalhumor ist traditionell ein wesentlicher Bestandteil in den Filmen, in denen der Komiker Ben Stiller mitspielt. Wer nicht mehr erwartet, wird bei „Und dann kam Polly“ auch nicht enttäuscht. Denn Stiller spielt einen ähnlichen Charakter wie in „Verrückt nach Mary“ oder „Meine Braut, ihr Vater und ich“.

Die Handlung ist simpel: Stiller ist Reuben Feffer, ein zwanghaft ängstlicher Stadtneurotiker, der als Risikoanalyst einer Versicherungsfirma auch alle privaten Entscheidungen in seinem Leben nach Risikostatistiken trifft. Nachdem seine Ehefrau ihn bereits in den Flitterwochen betrügt, verliebt er sich in seine ehemalige Schulfreundin Polly, gespielt von Jennifer Aniston, die als Hippie-Braut wagemutig durchs Leben geht und neue Sachen ausprobiert.  Dazu zählt Salsa-Tanzen oder marokkannisches Essen.

Stiller kann weder Tanzen noch verträgt er scharfes Essen – aber macht bei all dem mit, was zu vielen Klaumaukszenen führt. Am Ende muss sich Feffer zwischen Polly und seiner Ex-Frau entscheiden. Dafür frägt er kurzerhand sein Programm zum Risikomanagement. Abseits der Romanze benutzt er dieses Tool um herauszufinden, ob seine Firma einem waghalsigen Milliardär eine Lebensversicherung verkaufen soll.

Sehenswert ist der kurzweilige Film allein schon durch die Sprüche von dem viel zu früh verstorbenen Oscar-Preisträger Philip Seymour Hoffman, der Feffers besten Freund spielt. Erkenntnis für Versicherungsmanager: Kein Leben ohne Risiko. Und lassen Sie die Finger von den Nüssen in der Bar. „Sagen wir, vorsichtig geschätzt, siebzehn Menschen greifen jeden Abend in diese Schale, okay? Die Nüsse stehen hier zwei Wochen, dann sind das 238 Menschen, die ihre schmutzigen Finger da reingesteckt haben“, erkärt Risk Manager Reuben Feffer. – „Die sind schmutzig? Wie kommst du denn jetzt darauf?“ – „Im Durchschnitt wäscht sich nur einer von sechs Menschen die Hände, wenn er auf der Toilette war. Tja, da denkt man, man isst ganz harmlosen Knabberkram, in Wirklichkeit nimmt man tödliche Bakterien von etwa 39 schmutzfingrigen Fremden zu sich!“

Autor: David Gorr

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