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22.12.2016 – Klaus Schwab dpaVon Dirk Solte. Den Führungskräften der Assekuranz gegenüber hat Klaus Schwab, Gründer und Präsident des Weltwirtschaftsforums, auf dem Versicherungstag 2016 in Berlin drei Empfehlungen ans Herz gelegt, um zur Bewältigung der zukünftigen Herausforderungen “das Potential der Disruption modifizieren, aktiv gestalten und nutzen” zu können.

Es bedarf einerseits kontextueller Intelligenz, “die Fähigkeit und Bereitschaft, aufkommende Trends vorwegzunehmen und Zusammenhänge herzustellen”. Anderseits emotionaler Intelligenz. Und schließlich: Der Kompass ist wichtiger als die Landkarte.

Vorausgegangen war eine persönlich vorgetragene Einschätzung von fünf großen Transformationskräften, die unsere Welt verändern:

1. Die 4. Industrielle Revolution: So bezeichnet Schwab die Vernetzung von Menschen, Maschinen und Software zu einer Art Superorganismus. Die Software automatisiert über digitale Innovationen wie Big Data & Analytics dabei zunehmend
alle kognitiven Fähigkeiten der Menschen. Dies wird massive Auswirkungen auf die Beschäftigungsmöglichkeiten haben und bewirkt Systemänderungen.

2. Der Wandel einer unipolaren zu einer multipolaren Welt: Das gemeinsame Wertesystem, dessen Grundstein nach dem verheerenden zweiten Weltkrieg in der Universellen Erklärung der Menschenrechte formuliert wurde und die in
diesem Geist bausteinartig verabredete – nicht vollendete – globale Ordnung werden in Frage gestellt. An die Stelle von wertebasierten Vereinbarungen treten interessengetriebene Verbünde. Kann eine so erodierende Weltschicksalsgemeinschaft noch Probleme wie die Klimakrise lösen, wenn globale Verabredungen wie COP21 in Frage gestellt werden?

3. Der Übergang von schnellem zu langsamem Wirtschaftswachstum: In Verbindung mit der 4. Industriellen Revolution stellt sich die Frage, wie der immense Wegfall automatisierter Arbeitsplätze überhaupt kompensiert werden kann? Können wir mit dem Rucksack aller aufgehäuften Schulden auf dem Rücken noch einmal alle zusammen das Tempo der kreativen Zerstörung erhöhen, ohne dass zu viele auf der Strecke bleiben? Für Schwab ist klar, dass es zu einer Vergrößerung der sozialen Kluft kommen wird, mit allen daraus resultierenden Folgen.

4. Die Implosion des Kapitalismus: Das Marktmodell, als bester Effizienzmechanismus für Wertschöpfung und zur Erreichung gesetzter sozialer Ziele ist in Verruf gekommen. Korruption, Kurzfristigkeit des Denkens und Handelns und nicht zuletzt die Abkehr der Eliten vom Imperativ der Solidarität haben die in einer Wertegemeinschaft intendierte Gemeinwohlperspektive unterwandert. Mangelnde Werte und Egoismen führen zu mangelnder Moral.

5. Der Verlust und die Suche nach Identitäten: Die Wucht der transformativen Kräfte, die Innovationen, die als Tsunami oder Lawine empfunden werden, führt zu einer Emotionalisierung der Gesellschaft. Bei den jüngsten großen Abstimmungen, der Präsidentschaftswahl in den USA und dem Brexit-Referendum haben die vernunftsbetonten Argumentierer gegen die Emotionalisierer verloren. Die Trennlinie durch die Gesellschaft verläuft scharf. Auf der einen Seite die, die den Wandel akzeptieren, auf der anderen Seite die Besitzstandswahrer mit Bunkermentalität.

Für Schwab ist es dringend geboten, zu einer gemeinsamen Wertebasis zurück zu finden: Die Würde des Menschen, Solidarität und Gemeinwohl vor Egoismus und die Verpflichtung zur intergenerationellen Verantwortung. Nur mit solchen Werten können wir die Gefahr abwenden, dass in der Folge die aus den immer noch nicht gelösten wirtschaftlichen Krisen resultierenden sozialen Krisen auf dem Rücken der jüngeren Generationen ausgetragen werden und zu einer intergenerationalen Krise kumulieren.

Mich hat es nicht verwundert, dass Nikolaus von Bomhard in der Diskussion mit Schwab der Versicherungswirtschaft kontextuelle Intelligenz und daraus resultierende Verantwortung attestiert hat. Denn das war schon der Gründungsgedanke des Vereins Versicherungswirtschaft e.V., in dem Persönlichkeiten und Institutionen wirken, die sich der Verantwortung für eine zukunftsfähige Ordnung, Gesellschaft und das Gemeinwohl besonders bewusst sind, mit einem in die Grundwerte eines sozialen, demokratischen Staatswesens eingebetteten Versicherungsgedanken: Gewährleistung von Zukunft durch Gestaltung!

Bild: Wirtschaftswissenschaftler Klaus Schwab ist Gründer und Präsident des Weltwirtschaftsforums und anderer Stiftungen. Schwab ist Mitglied von Aufsichtsräten und Verwaltungsräten mehrerer internationaler Unternehmen. Er erhielt zahlreiche Orden und Auszeichnungen und ist Ehrendoktor mehrerer Universitäten. Zudem gehört er dem Steering Committee der Bilderberg-Konferenzen an. (Quelle: dpa)

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