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“Versicherungsgedanke bei BU ad absurdum geführt”

13.11.2015 – Franke_Franke_u_BornbergMichael Franke, Geschäftsführer von Franke & Bornberg, kritisiert die Rosinenpickerei der Versicherer in der BU. Das 20-jährige Jubiläum des hauseigenen Ratings nimmt er im Exklusivinterview mit VWheute zum Anlass, sich zur Zukunft der BU zu äußern: hier sieht er Potenzial sowohl auf Seiten des Produktes wie auch bei den Serviceleistungen der Versicherer.

VWheute: Herr Franke, Sie führen inzwischen seit 20 Jahren BU-Ratings durch. Wie hat sich der Markt seit 1995 verändert?

Michael Franke: Die Qualität der Berufsunfähigkeits-Versicherung war vor 20 Jahren auf einem heute kaum vorstellbar niedrigen Niveau. Beispielsweise konnten die Versicherer ihre Bedingungen während der Vertragslaufzeit damals ändern. Ein Berufswechsel der Versicherten konnte zum Verlust des BU-Schutzes führen, der zudem oft lokal auf Deutschland und einige EU-Länder begrenzt war. Im Vergleich zu heute waren die Bedingungstexte früher sehr schwammig formuliert.

Durch unser Rating haben wir in den Jahren seit 1995 die Produktqualität erstmals transparent und somit zum Wettbewerbsfaktor gemacht. Die BU-Leistungsregelungen haben sich dadurch fundamental verbessert. Anders als oft behauptet wollten wir nicht nur bessere Leistungen für die Versicherten, sondern auch Klartext im Kleingedruckten der Versicherer bewirken. Versicherte sollten im Leistungsfall genau wissen, womit sie rechnen können und was versichert ist – oder eben nicht. Wir haben Leistungen dabei stets „im Markt“ bewertet und keine nicht vorhandenen Leistungsmerkmale über das Rating eingefordert. Heute haben wir in Deutschland eine BU-Produktqualität, die im weltweiten Vergleich ganz vorne liegt.

VWheute: Das klingt, als sei die Welt der BU heute in Ordnung…

Michael Franke: … Nein. Es gab es nicht nur Positives in den letzten 20 Jahren, in denen wir BU-Ratings durchführten. Etwa seit 2003 gibt es im Wettbewerb um die Qualität der BU-Produkte aus meiner Sicht außer Zielgruppen-spezifischen Besonderheiten und kostenpflichtigen Mehrleistungen kaum noch ernsthafte Leistungsunterschiede. Infolge dieser marktweiten Qualitätssättigung haben die Gesellschaften einen neuen Preiswettbewerb angefacht. Seit 2010 werden die Kunden nach immer feiner untergliederten Berufsgruppen tarifiert. Plakativ gesagt wird die BU für einen Wirtschaftsprüfer im warmen, sicheren Büro immer billiger. Umgekehrt kann der körperlich schwer beanspruchte Maurer den BU-Schutz nicht bezahlen.

Durch dieses zum Teil extrem breite Ausdifferenzieren der Preise nach atomisierten Berufsgruppen haben die Unternehmen den Versicherungsgedanken gerade bei der BU immer weiter ad absurdum geführt. Statt dem Maurer eine bezahlbare BU-Lösung zu bieten, betreiben die Versicherer Rosinenpickerei nach risikoarmen Büroakademikern. Wie absurd diese Entwicklung ist, zeigt sich darin, dass die in der BU günstig eingestuften Akademiker inzwischen hauptsächlich durch psychische Probleme ihre Arbeitskraft einbüßen. Dieses Risiko ließe sich aber gleichermaßen durch eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung abdecken.

VWheute: Zur Zukunft der BU: Wie kann denn das Produkt sinnvoll weiterentwickelt werden?

Michael Franke: Die Zukunft liegt klar in der Auffächerung des Produktspektrums, um einen individuell passenden Versicherungsschutz bieten zu können. So müssen Hürden, die durch Vorerkrankungen oder zu hohe Beiträge entstehen, durch alternative Produktlösungen abgebaut werden. Weiterhin müssen biometrische Risiken, wie Arbeitsunfähigkeit, Verlust der Arbeitskraft, Pflegebedürftigkeit und Langlebigkeit besser verknüpft werden. Die heute vorherrschende Einzelrisiko-Beratung birgt erhebliche Risiken für die Versicherten. Die Bedeutung der Absicherung der Arbeitskraft darf nicht den Blick darauf versperren, dass jeder Kunde auch noch anderen Risiken ausgesetzt ist, die ebenfalls im Rahmen seines Budgets abzusichern sind. Gerade die Finanzierung der Langlebigkeit bleibt regelmäßig außen vor. Da ein langes Leben wahrscheinlicher ist als der Verlust der Arbeitskraft, müssen insbesondere für Berufe mit erhöhten Risiken bezahlbare Lösungen her.

Verbesserungen für die BU-Versicherten können darüber hinaus mit Services im Leistungsfall erreicht werden: Nach unseren Stichproben haben heute rund 95 Prozent der Kunden im Leistungsfall niemanden, der sie durch das Labyrinth im Umfeld des BU-Leistungsantrags hindurch begleitet. Sei es der Papierkrieg generell, der Umgang mit der Krankheit oder einfach nur seelischer Beistand. Hilfe im Leistungsfall eben. Versicherungsschutz muss nicht immer nur Geldleistung sein. Kunden soll sagen können: Der Versicherer hat sich um mich gekümmert.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz.

Bild: Michael Franke, Geschäftsführer von Franke & Bornberg. (Quelle: Franke & Bornberg)

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