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“Überbordende Komplexität”

17.05.2016 – klaus_moeller_defino“Die Finanzbranche ist für normale Menschen nicht mehr verständlich”, kritisiert Klaus Möller, Gesellschafter und Geschäftsführer der Defino Gesellschaft für Finanznorm, in der aktuellen Ausgabe des Beratermagazins Value. Zwar sei die Finanzberatung in den letzten Jahren besser geworden. Sorgen macht er sich hingegen aber darüber, “dass wir auf englische Verhältnisse zusteuern”.

Value: Laut Bafin gibt es 87,7 Millionen Lebensversicherungen, 60 Millionen Kfz-Verträge, 71 Millionen Unfallversicherungen, 64,4 Millionen Haftpflichtversicherungen: Sind die Deutschen überversichert?

Klaus Möller: Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich habe kürzlich eine Statistik gesehen, nach der die Deutschen sechseinhalb Prozent Ihrer Nettoeinnahmen in private Absicherung und Vorsorge einsetzen. Die Zahlen in anderen Ländern, zum Beispiel in Schweden, sind deutlich höher. Sie liegen bei zehn bis zwölf Prozent. Im internationalen Vergleich tun wir zu wenig. Was die Altersvorsorge anbelangt, sind die Deutschen dramatisch unterversorgt.

Value: Wollen die Menschen überhaupt beraten werden? Für viele ist das doch sehr frustrierend, wenn man bedenkt, was die alle tun müssten, aber nicht tun, weil die Kasse zu knapp ist.

Klaus Möller: Es ist in der Tat so, dass Finanzberatung vielen Menschen nicht ganz große Freude macht. Weil sie sie mit dem Konflikt zwischen Konsum und Vorsorge konfrontiert. Die wichtigsten Wettbewerber der Finanzberater sind nicht die anderen Finanzberater, Banken oder Versicherer, sondern sie sitzen in der Fußgängerzone: Gucci oder Zara, das Lieblingsrestaurant, Autohäuser und Reisebüros. Natürlich ist ein schönes Auto, eine schöne Reise oder schöne Kleidung etwas viel Angenehmeres als die Auseinandersetzung mit den Fragen der nächsten zwanzig, dreißig Jahre. Umso wichtiger und verantwortungsvoller ist die Arbeit, die in der Finanzberatung gemacht wird.

Value: Läuft etwas schief in der Finanzberatung?

Klaus Möller: Finanzberatung ist in den letzten Jahrzehnten deutlich besser geworden. Worum ich mir im Augenblick Sorgen mache, ist, dass wir auf englische Verhältnisse zusteuern: Dass wir getrieben von den Verbraucherschützern eine klinisch reine, auf den ersten Blick perfekte Finanzberatungslandschaft anstreben, die dann allerdings Beratung zu einem Privileg weniger Vermögender werden lässt und die Durchschnittsverdiener, die Beratung viel mehr brauchen als die Vermögenden, ausblendet. Da ist ein entscheidender Punkt. Wir müssen auf einfache, nachvollziehbare und verständliche Prozesse schauen. Was wir brauchen, ist weniger Komplexität. Die Branche ist unglaublich komplex und damit für normale Menschen nicht mehr verständlich und nachvollziehbar geworden.

Die Fragen stellte Value-Chefredakteur Christoph Baltzer.

Bild: Klaus Möller (59) leitet seit 2011 die Defino Gesellschaft für Finanznorm GmbH. (Quelle: Defino)

Das vollständige Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von Value – Das Beratermagazin

Interview: “Überbordende Komplexität”, in Value 02/16. (Einzelbeitrag)

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