Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 
- Anzeige -

Top oder Flop? Diskussion um die bAV

26.09.2014 – Für die betriebliche Altersvorsorge rechnet die Deutsche Bank mit einem positiven politischen Signal, das das Firmengeschäft massiv verbessern würde. „Wenn man unserer Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles so zuhört, dann bin fast sicher, dass ein Opting-Out kommen wird“, sagte Stepahn Moltzen auf einer Konferenz in Köln, die das Institut für Versicherungswissenschaft der Universität Leipzig veranstaltete.

Moltzen ist beim größten deutschen Kreditinstitut Head of Product Management Insurance. Die betriebliche Absicherung ist nach Einschätzung des Experten derzeit eines der spannendsten Versicherungsfelder. Aktuell hat die Deutschen Bank für die betriebliche Altersvorsorge (bAV) 2000 Rahmenverträge mit teilweise sehr großen Firmen abgeschlossen. „Derzeit liegt unsere Ausschöpfungsquote bei rund 15 Prozent“, sagte Molzten. Diese Quote gilt in der Branche aber nicht unbedingt als schlecht, denn teilweise erreichen Versicherer mit einer bAV gerade einmal zehn Prozent der Belegschaft.

Ein Opting-Out könnte hier Wunder wirken. Dann würde für alle Mitarbeiter automatisch ein privater bAV-Vertrag gelten. Die Mitarbeiter müssen die zusätzliche Altersvorsorge aktiv abwählen. Erfahrungen mit solchen Modellen aus dem Ausland beweisen, dass viele dann die zusätzliche Altersvorsorge weiterführen. Unabhängige von einem gesetzlich verordneten Opting-Out möchte die Deutsche Bank den Durchdringungsgrad bei den Firmenkunden deutlich erhöhen. Künftig wird eine Quote von 25 Prozent angestrebt. Die Entgeltumwandlungsberatung werde immer stärker prozessgesteuert und von dezentralen Beratern betreut. Rund 50 Prozent der allgemeinen Vorsorge- und Absicherungsberatung läuft bei der Deutschen Bank mittlerweile über 750 speziell geschulte Berater. In einem Pilotprojekt, bei dem in sieben Niederlassungen, solche Spezialisten per Video zur „normalen“ Beratung dazu geschaltet werden können, konnte die Bank laut Molzten ihre Vertragszahlen extrem steigern. In der Regel werde der Vertrag dann sofort abgeschlossen. Ein Zweit- oder Drittgespräch sei durch die direkte Zuziehung des Experten meist nicht mehr notwendig. Neu ist auch, dass die Bankberater die Performance von Altprodukten ihrer Kunden prüfen und ihnen darüber ein Gespräch anbieten. Bei Riesterpolicen sei mit dieser Strategie die Stornoquote erfolgreich gesenkt worden.

Dabei sind die Signale aus dem Markt für die betriebliche Altersvorsorge widersprüchlich. Während manche Anbieter hier ein großes Potenzial zur weiteren Geschäftsentwicklung erkennen, sieht eine aktuelle Erhebung von TNS Infratest im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums das Thema bAV erheblich unter Druck und zwar seit Jahren. Wie das Handelsblatt berichtet nagen die niedrigen Zinsen langsam aber stetig am Modell der von Arbeitgeber und Arbeitnehmer getragenen Altersabsicherung. Die Unternehmen hätten sich mehr und mehr aus der Finanzierung der Renten zurück gezogen. Wurden früher noch Fließbandarbeitern oder auch Schreibtisch-Beschäftigten eine Gesamtversorgung von 70 Prozent des letzten Bruttoeinkommens versprochen, wird seit den 1980er Jahren die Rundumversorgung immer mehr zurückgefahren, so Peter Thelen im Handelsblatt. “De-Risking” betreiben die Unternehmen heute vielmehr, d.h. konkret: Es werden keine generösen Zusagen mehr gemacht, keine Prozentzahlen genannt und keine Garantiesumme versprochen. Vielfach wird das Instrument der Betriebsrente, wegen des steigenden Globalisierungsdrucks sogar ganz abgeschafft. Von 54 Prozent auf nunmehr 31 Prozent ist der Anteil der Unternehmen gesunken, die überhaupt noch eine bAV anbieten. Heute trägt die Hauptlast vor allen Dingen der Arbeitnehmer. Insofern mag die bAV ein großes Wachtsumspotenzial haben, aber in einem stark schrumpfendem Umfeld. (usk/ak)

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

Abo | Shop | Magazin | Verlag | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten